Team Amateur haben ein großartiges Indiepop-Album veröffentlicht

Alexander Ochs

Das hiesige Label Rummelplatzmusik hat ein echtes Juwel veröffentlicht: Auch wenn sich das "Team Amateur" mächtig Zeit gelassen hat für sein Debüt "Feuer & Freizeit" – das verzerrt-gedehnte Indiepop-Album verzaubert und definiert Zeit neu.



Zeit zu zweit:
Team Amateur haben sich Zeit gelassen mit ihrer ersten Platte, und zwar richtig Zeit – satte zehn Jahre. Man glaubt es kaum. Heutzutage eigentlich ein Wahnsinn. Oder ein Wahnsinns-Luxus. Doch das Warten hat sich mächtig gelohnt. Herausgekommen ist eine der schönsten Indiepop-Scheiben des Jahres.


Verrückte, berauschende Soundscapes, sorgsam geschichtet aus analogen Synthesizern, türmen sich auf und entfalten sich in ihrer vollen, schrägen Pracht, ziehen einen langsam in ihren Bann, bis der Sog magnetisch wird und einen nicht mehr loslässt. Hinter dem Team Amateur sind, anders als der Name es vermuten lassen würde, Vollprofis am Werk –wenn man sich das Resultat anhört. Sie wissen nur zu gut, was sie tun.



Wer steckt dahinter? Ein gewisser Tim Sander; tatsächlich der aus GZSZ, im Hauptberuf Schauspieler. Und Michael Hank, er ist der Soundtüftler und nennt so einige Wahnsinns-Apparate sein Eigen, viele analoge Synthesizer, selbstgebaute Effektgeräte und ein Analog-Mischpult. Den Klangteppich, den die Beiden weben, hat man so noch nicht gehört; nostalgisch aus der Zeit gefallen und doch zeitgemäß, immer leicht scheppernd, leicht verschleppt, scheinbar untertourig, aber mit doch mächtig Drive und Dringlichkeit dahinter.

Und wenn das Duo im eigenen Klangkosmos doch mal die Rakete zündet, dann wird das Ganze auf der Stelle fein eingekocht und runtergedimmt, bis das vorige Entspanntheitslevel wieder erreicht ist. 16 solcher Perlen hat das Duo auf seinem Debüt „Feuer & Freizeit“ versammelt. Darunter auch „Alles steht still“ - der Soundtrack zur Weihnachtszeit und zum Bahn- wahlweise Pilotenstreik.



Verträumt, entrückt, stimmlich und textlich einprägsam – so fräst sich die Feuer & Freizeit-Walze nach und nach ins Hirn. Ins Unterbewusstsein. Und immer wieder ertappt man sich dabei, wie es aus einem heraussprudelt: „Ich scheiß auf Chemie / Oh bitte schieß mir ins Knie!“ oder „Setz ‘n Lächeln auf / Auch wenn dir nicht danach ist / Es kann nur besser werden / Vielleicht wirst du morgen schon wachgeküsst / Von wem oder was auch immer...“ vom Opener „Vielleicht morgen“.

Das liest sich übrigens wie ein ironischer Kommentar zur Veröffentlichungs-Vorgeschichte. Insgesamt haben Team Amateur tatsächlich ein gutes Händchen fürs – Achtung, festhalten! – Timing.

Alles hat seine Zeit. Jetzt kommt die ihre.

Fotos: Promo

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