Taxifahrer mit Doktortitel? Philosophie im Studiengangcheck bei fudder

Dorothea Winter

Jeder Jurist ist ein Schnösel, jede Psychologie-Studentin hat einen Knacks: Vorurteile über Studierende gibt es viele. fudder erklärt, womit sich Freiburger Studiengänge wirklich beschäftigen und was an den Klischees dran ist. Heute: Philosophie.

Worum geht’s?

Bei der Frage, worum es bei Philosophie denn geht, ist man schon an ihrem Grundproblem angelangt. Was genau ist Philosophie eigentlich? Die Philosophie versucht, die Welt, den Menschen und das Denken zu ergründen. Jedoch sind die Grenzen der Philosophie selbst nicht klar definierbar, da jeder Philosophiebetreibende eine andere Sicht der Dinge hat. Jeder kann sich im Grunde "Philosoph/-in" schimpfen – auch ganz ohne Studium und Doktortitel.

Gender-Check

Im Wintersemester 2017/18 waren etwa 65 Prozent der Studierenden Männer und 35 Prozent Frauen.

Ein Vorurteil, das völlig erfunden ist

"In der Philosophie gibt es kein richtig oder falsch" – das stimmt so nicht. Die Philosophie basiert auf Logik – und diese lässt bekanntlich wenig Spielraum für Interpretationen oder Esoterik. Auch die zeitgenössisch stark betriebene Disziplin "Analytik" ist klar logischen und wissenschaftlichen Methoden unterworfen. Die analytische Philosophie stellt dabei keine ganzheitlichen Systeme oder Theorien auf, sondern legt vielmehr ihr Augenmerk auf Sprach- und Begriffsuntersuchung, ohne geschichtlich zu sein.

Ein Vorurteil, an dem was dran ist

"Philosophen leben in ihrer eigenen Welt". Das wird jeder Philosoph so unterschreiben. Denn durch die bewusste Beschäftigung mit der Welt und dem darin Enthaltenen entwickelt man eine eigene Weltanschauung und lässt sich nicht von alltäglichen Trivialitäten beeinflussen.

Der beliebteste Spruch

"Hast du schon deine Taxi-Lizenz oder machst du die erst nach dem Studium?" Sehr witzig. Den Spruch haben wir noch nie gehört. Natürlich sind die Jobs nicht so klar definiert wie bei einem Lehrer, einem Arzt oder einem Juristen. Aber ganz ehrlich, das möchte man doch auch nicht, wenn man Philosophie studiert. Im Grunde stehen Philosophen alle Türen offen, was man daraus macht, ist jedem selbst überlassen. Ausschlaggebend für spätere Berufschancen sind Studienschwerpunkte, Zusatzqualifikationen und Berufserfahrungen.

Warum man Philosophie studieren sollte

Weil es eine großartige Möglichkeit ist, Denken zu lernen und man anfängt, vermeintlich Gegebenes, nicht als Ultimum anzusehen. Aussagen wie "allseits bekannt" oder "Wie jedes Kind bereits weiß" sind der natürliche Feind des Philosophen.

Das nervt

Die Verschulung des Bachelor- und Masterstudiums. Was in VWL, Medizin oder Jura noch bis zu einem gewissen Grad vertretbar ist, ergibt im Studium der Philosophie überhaupt keinen Sinn. Wenn man Philosophie nicht bloß halbherzig als Scheinstudium zum BAföG-Empfang betreibt – da zulassungsfrei – braucht es Zeit und Muße. Und das lässt sich oft nicht mit dem vollgepackten verschulten Studienverlaufsplan vereinbaren.

Was Philosophie-Studierende in der Vorlesung machen

Unheimlich viel Fragen stellen und mit dem Sitznachbarn über Fachinternes reden. Außerdem wird alles, was der Professor sagt, zeitgleich in Wortlaut mit dem vererbten Waldmann-Füller auf dem Pergamentblock notiert, vorzugsweise mit eigenen Kommentaren und Verbesserungen. Lesen kann das Aufgeschriebene später jedoch kaum einer mehr. Neumodische Technikgeräte wie Notebook, Tablet oder Smartphone haben in der Philosophie-Vorlesung nichts verloren – im Zweifelsfall wird auf Tonaufnahmegerät und Nokia 3110 gesetzt. Nun gut, das mag ein wenig zugespitzt dargestellt sein. Aber dieses Klischee trifft oft doch zu.

Wo Philosophie-Studierende anzutreffen sind

Überall dort, wo Bücher nicht all zu fern sind und es guten Kaffee, ausreichend Bier und preisgünstiges Essen gibt. An diesen Plätzen wird auch gerne stundenlang das Gesagte des letzten Seminars aufgearbeitet oder Grundprobleme der Philosophiegeschichte ausschweifend disputiert und erörtert.

Work-Life-Balance

Es gibt keinen Unterschied zwischen Work und Life. Philosophiestudenten betreiben Philosophie im besten Fall nicht nur während der Vorlesungen, sondern auch in der "Freizeit". Stumpfes Büffeln ist im Philosophiestudium nicht vorgesehen. Wer gerne liest und denkt, wird nicht die Stunden zählen, die er oder sie in der UB oder dem Seminar verbringt.

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