Evangelikales Großevent

Tausende gläubige Teenager versammeln sich in Basel zum "Praise Camp"

Savera Kang

In den kargen Basler Messehallen schlafen in dieser Woche rund 6700 junge Menschen. Sie sind zum Praise Camp zusammengekommen. Veranstalter sind Evangelikale Freikirchen.

Um 7.48 Uhr vibriert an diesem Mittwoch das Smartphone zum ersten Mal: Die Praise-Camp-App wünscht ihren Nutzern einen guten Morgen und erinnert an die "RegioZeit", die nach den "MorgenWorships" – so werden hier die Gottesdienste zu Tagesbeginn genannt – stattfindet. "Bring Deine Bibel (bevorzugt aus Papier)", steht da noch. Die Pressesprecherin des Praise Camp, Laura Jacober, gibt sich pragmatisch: "Ich trage meine Bibel nicht immer mit mir rum" – denn auch das für Christen heilige Buch gibt es mittlerweile in verschiedenen Ausführungen als App. Jacober, 26 Jahre alt, ist zum ersten Mal beim Praise Camp dabei. Sie weicht Pressebesuchern nicht von der Seite. Seit 2002 findet die Zusammenkunft junger Christen alle zwei Jahre statt, in diesem Jahr zum zweiten Mal in der Messe Basel: In den kargen Hallen schlafen in dieser Woche rund 6700 Menschen – strikt nach Geschlechtern getrennt. Verschiedene Formen der Beschäftigung mit dem Glauben strukturieren den Tag. Abends spielen Bands. Pop und Bibel – das hier ist die größte derartige Veranstaltung der Schweiz, sie dauert bis zum 1. Januar.


Verschiedene Andachten

Bei den "MorgenWorships" wählen die Teilnehmer zwischen verschiedenen Arten der Andacht: ruhig, kreativ, mit Bewegung oder Musik. "Du entscheidest, wie dein persönlicher Start in den Tag mit Gott aussehen soll", steht dazu im Programmheft. In einer Halle des Congress Centers werden beim "Presence-Videosoaking" Videos auf eine große Leinwand projiziert. Zu sehen sind beeindruckende Landschaften, der Sternenhimmel im Zeitraffer, dazu ertönt laute elektronische Musik mit harten Bässen. Die Teenager sitzen im Raum verteilt, ein Mädchen legt sich auf den Hallenboden und schließt die Augen. Auf der Sofalandschaft legt ein Junge mit falsch herum aufgesetzter Schirmmütze den Arm um das Mädchen neben sich, sie wischt über ihren Handybildschirm. "They are a new creation" (Deutsch: Sie sind eine neue Schöpfung), lautet eine Texteinblendung im Video.

Aus einem benachbarten Raum kommt Anita. Die 24-Jährige verbringt die freien Tage zwischen den Jahren schon zum zweiten Mal im Praise Camp, diesmal als Gruppenleiterin. "Ich hatte keine einfache Kindheit", deutet sie an, was nicht auf die Schnelle zu erklären ist, "da hat Gott mir Halt gegeben." Sie wünsche sich nun, diese Erfahrung an die jüngeren Gruppenmitglieder weitergeben zu können, darum sei sie hier. "Es ist immer cool, mit 6000 jungen Christen zusammen zu sein", begründet ein Mädchen mit roten Haaren und gebatiktem T-Shirt ihre Anwesenheit. Zusammen mit fünf Freunden ist sie aus dem Tessin angereist, zur "RegioZeit" sitzen sie um einen runden Tisch und erzählen sich gegenseitig, wie sie Gott im Alltag begegnen.

900 Freiwillige helfen mit

Ein Großteil der Teilnehmer ist um die 17, wer älter ist, hilft oft bei der Organisation mit. 900 Freiwillige seien es in diesem Jahr, berichtet Laura Jacober. Die Pressesprecherin moderiert ansonsten beim katholischen Radio Maria. Zwar stehen Freikirchen und evangelikale Bewegungen hinter der Organisation des Praise Camp, doch für alle Konfessionen sei was dabei, meint sie. Die Teilnahme kostet zwischen 290 und 350 Franken.

Dass die jungen Gläubigen vom Angebot erreicht werden, stellt ein Team von 30 Medienbeauftragten sicher: Hochglanzfotos, aufwendig produzierte Videos und jeden Tag mehrere Updates in den sozialen Medien vermitteln ein Gefühl von Frische.

Kritiker hingegen sehen darin eine geschickte Tarnung. Sie warnen, Homophobie und veraltete Geschlechterbilder werden hier wiederbelebt. "Die Vorwürfe sind nicht neu", meint Jacober. Tatsächlich entspreche die traditionelle Familie dem biblischen Konzept. Doch "es ist egal, ob hier auch homosexuelle Jugendliche teilnehmen", versichert sie schnell.

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