Taugt das iPad fürs Studium?

Fabian Fechner

Seit Mai 2010 ist das iPad von Apple bereits auf dem Markt. Der Tablet-Computer ist klein, handlich und leicht - die ideale tragbare Unterhaltungsmaschine. Doch dass hinter dem iPad weitaus mehr steckt, das möchten Studenten der Executive School der Uni St.Gallen beweisen. Sie testen das iPad für den Uni-Alltag.



In einem Konferenzraum der Executive School der Universität St.Gallen trifft sich eine Handvoll Studenten. Jeder von ihnen hat ein iPad unterm Arm. Es ist eine internationale Gruppe von Asiaten, Europäern und Amerikanern. Sie machen ihren Master of Business Administration (MBA)  und nehmen dabei an einem Pilotprojekt teil. Das iPad haben sie zu Beginn des Wintersemester von der Universität kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen. Die Universität St. Gallen, die sich zu den führenden Wirtschaftshochschulen Europas zählt, möchte damit auch in Zukunft bei der Erforschung neuer Lehrmethoden führend sein.


„Es ist leicht, handlich und schnell – also perfekt für den Einsatz auf dem Campus“, zeigt ein Student die vermeintliche Überlegenheit gegenüber PCs und Laptops auf. „Aber es ist sehr schwer eine Präsentation auf dem iPad zu erstellen, ich bin daran gescheitert“, erwidert ein Kommilitone und empfiehlt, dafür weiterhin das Notebook zu benutzen. Die Studenten sollen mit dem iPad vor allem eine eigene App entwickeln, die alle studiumrelevanten Funktionen vereint und damit das Studium direkt unterstützt.

Dass sie das Zeug dazu haben, mussten die fünf Studierenden vor Projektbeginn in einem Wettbewerb beweisen. In die Pilotgruppe kam nur, wer die Jury mit innovativen Ideen  überzeugte, wie man neue Technologien in den Unterricht integrieren kann. Inzwischen wird bereits an einem ersten Entwurf für die zukünftige App gefeilt. „Wir experimentieren mit dem iPad, um herauszufinden, wie es den Lernprozess in unserem MBA-Programm verbessern kann,“ erklärt Rob Straw, Direktor des MBA-Programms.

Ziel ist es, nach erfolgreichem Abschluss des Pilotprojekts zum kommenden Studienjahr, jeden Studenten an der Executive School mit dem Tablet-Computer von Apple auszustatten. Dabei ist bis jetzt die Frage ungeklärt, wie die Professoren an die neue Technologie herangeführt werden. Brauchen sie ebenfalls ein iPad oder reicht es aus, wenn sie die Inhalte im entsprechenden Format zur Verfügung stellen? Ist es möglich,  dass das iPad den Computer vollständig vom Campus verdrängt?

„Das kann ich mir nicht vorstellen,“ sagt einer der Projektteilnehmer. „Man kann von einem iPad nicht einmal drucken.“ Ulf Claesson, Dozent für Entrepreneurship and Technology an der ETH Zürich und selbst Softwareentwickler, sieht die aktuelle Entwicklung sehr kritisch. „Das Ganze ist eine völlige Hysterie. Es handelt sich bei dem iPad um ein schlechtes Gerät, das ohne sinnvolle  Anschlussmöglichkeiten in einem geschlossenen Ökosystem funktioniert. Wenn jemand ein Geltungsbedürfnis hat, soll er sich so ein Gerät kaufen, aber es kann nicht die Aufgabe
einer Universität sein, ein überteuertes Gerät zu pushen“.

Zudem macht Claesson deutlich, dass der Fokus nicht auf den Computern liegen darf. „Geräte sind nicht wichtig. Der Inhalt ist wichtig und ein Gerät wie das iPad oder jedes andere Tablet ist nur ein Fenster dafür.“ Besonders in Anbetracht günstigerer Alternativen kritisiert er den Pilotversuch an der Universität St. Gallen: „Wenn ich das Projekt dort sehe, wird mir schwindelig.“ An der Universität Freiburg ist man indes auch nicht überzeugt von der Tauglichkeit des iPads und möchte eine Abhängigkeit von Apple vermeiden. „Klar, fürs Wohnzimmer zu Hause ist es genial, aber für die Lehre? Angesichts des Preises, verglichen mit PCs und Netbooks“, sagt Gerhard Schneider, Direktor des Rechenzentrums.

In Freiburg setzt man daher weiter darauf, seine Position als führende Podcast-Uni auszubauen, was den Download vollständiger Vorlesungen aus dem iTunes-Store mit einschließt. „Wir waren eine der ersten Universitäten, die bei Apple mit dabei waren. Podcasting geht auch ohne  Endgeräte von Apple. Wir wollen die Studenten schließlich nicht mit Gewalt zu einem Hersteller zwingen.“

Auch bei der eigens eingerichteten Servicestelle für E-Learning möchte man sich nicht auf ein Produkt beschränken. „Die Endgeräte, von denen auf unser System und die dort hinterlegten Inhalte zugegriffen wird, sind sehr unterschiedlich und reichen von Rechnern mit verschiedenen Betriebssystemen bis hin zu mobilen Devices. Ein breiter Einsatz von iPads ist daher nicht vorgesehen,“ sagt Claudia Gayer von der Servicestelle. Allerdings werde das vorhandene Angebot an Podcasts in Zukunft so erweitert, dass die Inhalte auch auf dem iPad genutzt werden können.

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  [Fotos: Ruben Fees]