Rettungsaktion

Taucher bergen Piratenschiff aus dem Flückigersee – und machen einen Vierjährigen überglücklich

Sina Gesell

Der vierjährige Fabian ließ sein motorisiertes Piratenschiff auf dem Flückigersee fahren – dann ging es unter. Seine Mutter rief kurzerhand Taucher des Tauchcenters Freiburg zur Hilfe.

"Unser Schiff ist gerettet", freut sich Naiyuan Lin. Die 42-Jährige hat am Freitagnachmittag auf dem Flückigersee mit ihrem Sohn Fabian dessen motorisiertes Playmobil-Piratenschiff fahren lassen. "Nach fünf Minuten ist es gesunken", erzählt die Mutter. Sie ist zwar noch hinterher gehechtet, aber das Spielzeugschiff war zu weit draußen, die Sicht unter Wasser nicht gut. Der Vierjährige war zwar traurig, hatte aber eine Idee: "Mama, ein Taucher muss es rausholen." Also hat Naiyun Lin Tauchschulen angerufen, Holger Hambrecht vom Tauchcenter Freiburg versprach Hilfe.


Bisher hatte Fabian nur zu Hause auf dem Trockenen mit dem Playmobil-Schiff gespielt. "Wir wollten den ganzen Sommer noch damit fahren", erzählt die Mutter, "und dann sinkt es bei der ersten Fahrt." Fabian hatte mit der Fernbedienung gesteuert, das Schiff sauste los, drehte sich auf die Seite und verschwand von der Bildfläche.

"Wir hatten ganz, ganz, ganz viel Glück." Holger Hambrecht, Taucher
Aber nur für zwei Tage, denn am Sonntag kamen Holger Hambrecht, Matthias Siebert und Christian Hug vom Tauchcenter Freiburg in voller Montur in den Seepark und suchten an der Stelle, die die Mutter ihnen beschrieben hat. "Wir hatten ganz, ganz, ganz viel Glück", sagt Holger Hambrecht. Eigentlich tauchen die drei im Sommer nicht im Flückigersee, weil er da so trübe ist. "Nach fünf Metern hat man die Hand vor Augen nicht mehr gesehen." Deshalb mussten die Männer ertasten – und nach nur zwei Minuten zogen sie das Piratenschiff aus knapp zehn Metern Tiefe aus dem See. Wie sich herausstellte, ist es noch ganz und auch der Motor funktioniert. "Die Familie hat sich wahnsinnig gefreut", sagt Hambrecht, "das war richtig schön zu sehen."

Fabian wird jetzt erst mal in der Badewanne schippern

Es war nicht das erste Mal, dass die Taucher etwas aus dem See holten. Bei Seereinigungen stießen sie auf gestohlene Geldbeutel, Einkaufswägen oder Fahrräder. Und in den 90er-Jahren war auch ein Wecker mit Drähten dabei, erzählt Hambrecht. "Wir haben noch gescherzt: Das sieht ja aus wie eine Bombe." Wie sich später herausstellte, so Hambrecht, handelte es sich um den Prototyp der Paketbombe im Fall der getöteten Kerstin Winter. Ihr Ex-Freund hatte ein Paket vor ihrer Tür abgelegt, das explodierte.

Weit erfreulicher war der Tauchgang am vergangenen Sonntag. Mittlerweile hat Naiyuan Lin auch einen Verdacht, warum das Schiff gesunken ist. "Wir hätten das Styropor dran lassen sollen. Und der Wind war zu stark." Nächstes Mal will sie zuerst die Gebrauchsanleitung lesen. Da stand auch drin, dass das Schiff erst für Kinder ab sieben Jahre geeignet ist. "Fabian will es jetzt erst mal in der Badewanne testen", sagt die Mutter und lacht.