Tanzverbot an Ostern: Gastronomen für Lockerung

Aljoscha Harmsen

Ein Geflecht aus Verboten fesselt Freiburgs Gastronomen: Rauchverbot, Sperrstunde und Tanzverbot sind nur einige Beispiele. Einige Gastronomen wollen sich jetzt gegen diesen Verbotewulst wehren - sie wollen, dass das Tanzverbot über die Osterfeiertage gelockert wird.



Von Gründonnerstag bis Ostersonntag herrscht Tanzverbot in Freiburg. Das gilt in Baden-Württemberg noch für acht andere Feiertage, ist eigentlich ein alter Hut und gehört zu einer von vielen Restriktions-Pillen, die Freiburger Gastronomen zu schlucken haben. Jetzt aber platzt vielen der Kragen und die Rufe nach Lockerungen werden lauter.


Carla Commodore (Alexandra Charlotte C.), eine Freiburger Veranstalterin, und Jan Ehret, Betreiber des Klub Kamikaze, wollen jetzt zusammen mit anderen Gastronomen einen Brief an die Stadt verfassen, der unter anderem das Tanzverbot problematisiert und so ihrem Ärger Luft machen.

"Die Stadt reglementiert mittlerweile alles! Wie kann sie Menschen verbieten, in ihrer freien Zeit an Feiertagen tanzen zu gehen?", fragt Carla. Veraltet nennt sie das Verbot und einen Einschnitt in die Religionsfreiheit, denn "Andersgläubige und Atheisten müssen darunter leiden, dass an einem christlichen Feiertag nicht getanzt werden darf."



Dass sie und andere sich jetzt wehren wollen, liege aber nicht nur an Geldeinbußen, denn: "Es geht um die ganzen Einschränkungen in Freiburg. Die Politik merkt nicht, dass sie die Stadt immer unattraktiver macht!" Immer kleinbürgerlicher werde die Stadt, "dabei war Freiburg in den 60er Jahren nicht nur in der Subkultur gleichauf mit Hamburg und Berlin." Trotzdem ist auch der finanzielle Verlust spürbar, sagt Jan, denn "uns Gastronomen entgehen an den Tanzverbot-Tagen tausende Euro, auf die wir nebenbei auch noch Steuern zahlen würden."

Jan hatte bei der Einführung des Rauchverbots noch die Hoffnung, dass das Land Baden-Württemberg den Gastronomen bei der Sperrstundenregelung entgegenkommt, aber jetzt ist auch er enttäuscht: "Wenn man Freunden in anderen Bundesländern von Tanzverbot und Sperrstunde erzählt, lachen die einen aus." Er erinnert sich, wie ihn im letzten Jahr Gäste gefragt haben, warum er beim Tanzverbot mitmachte und sah sie frustriert weggehen.
 
Derzeit sind die Initiatoren noch in der Planungsphase. Sie wollen anderen Veranstaltern und Gastronomen ihren Brief vorlegen und sie ins Boot holen.



"Wir bilden eine Allianz und das ist definitiv notwendig, denn: wie viele Gastronomiebetriebe sind mittlerweile in Kleinanzeigenblättern unter 'abzugeben' markiert?" Dass das Rauchverbot als Restriktion unter einem gesundheitlichen Aspekt sinnvoll sei, ist für Ehret keine Frage, "aber Tanzverbot und Sperrstunde; das ist sinnfrei."

Walter Preker, Pressesprecher des Oberbürgermeisters, sieht allerdings wenig Handlungsspielraum: "Die Stadt setzt schlicht Gesetzesvorlagen durch, die können wir nicht einfach umgehen."



Ähnlich kommentiert auch Edith Lamersdorf, Pressesprecherin der Stadt Freiburg das Verbot: "Da wird es keine Änderungen geben. Wir sind ein christlich geprägtes Abendland und das wird sich so bald auch nicht ändern."

Aussichtslos sind die Bemühungen der Gastronomen deswegen aber noch nicht. Im Rücken haben sie den Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DeHoGa), der schon lange "diesen uralten bürokratischen Zopf abschneiden" will, wie  Daniel Uhl, Pressesprecher des DeHoGa, erklärt. "Wir wollten immer das Tanzverbot lockern, so dass die Gäste in Feiertage hineintanzen dürfen. Aber auch Gespräche mit Vertretern der Kirche brachten bislang noch keinen Erfolg."

Um die bürokratischen Gegebenheiten darzustellen, erläutert er ein Beispiel: "Tanzen ist am Ostersamstag von 0 Uhr bis 24 Uhr verboten, vom Ostersonntag ist das Verbot nur von 3 Uhr bis 11 Uhr, also darf man von 0 Uhr bis 3 Uhr tanzen und wieder ab mittags um 11 Uhr. Da möchte ich die Sinnhaftigkeit nicht kommentieren."



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fudder: Feiertags-Tanzverbot: Die Fakten