Talk im Teng: Wie war die Politikshow im Great Räng Teng Teng?

Christina Braun

Das neue Talkshow-Format "Talk im Teng" will Politik in die Kellerkneipe bringen – ganz ohne Stammtischparolen. fudder-Autorin Christina Braun hat sich das Ganze angesehen.

Radiojournalistin Eva Gutensohn und Fernsehredakteur Moritz Schulz laden Experten und Expertinnen ein, um über aktuelle politische Themen zu sprechen.

Die Veranstaltenden nennen es Kneipentalk - politische Diskussion mit Entertainmentfaktor. Im Great Räng Teng Teng, wo sonst wild getanzt, getrunken und gekickert wird, ist am Mittwochabend politische Diskussion angesagt. Etwa 30 Zuschauerinnen und Zuschauer sitzen vor dem Podium.


Themen, die polarisieren

Das neue Format ist ein Experiment. Ein Versuch, wichtige politische Themen in einer lockeren Atmosphäre fernab von Uni und Hörsaal zu diskutieren. Aber der "Talk im Teng" richtet sich nicht nur an Studierende: "Wir wollen ein breites Publikum ansprechen", sagt Schulz. Ziel ist es, Freiburgerinnen und Freiburger im wirklichen Leben zusammenbringen und ihnen eine Möglichkeit zu bieten, sich auszutauschen, zu diskutieren und kritische Fragen zu stellen – vor Ort zusammen mit Expertinnen und Experten.

"Ich hab’ kein Bock auf softe Themen", sagt Schulz. In der ersten Ausgabe haben sich die Moderierenden mit dem Thema Rassismus auseinandergesetzt, beim zweiten Mal ging es um Salafismus. Allein die Titel sind Schlagworte, die polarisieren. Das sei aber auch genau das Ziel, erklärt Schulz. Er wolle beim Talk im Teng dezidiert politisch werden. Seine Kollegin Eva Gutesohn zeigt sich da etwas gemäßigter: "Grundsätzlich ist thematisch alles möglich, was gesellschaftlich relevant ist."

Erster Teil: Podiumsdiskussion, zweiter Teil: Offene Diskussion

Die Talkshow läuft in zwei Teilen ab. Den Ersten kann man sich wie eine klassische Podiumsdiskussion vorstellen. Die Moderierenden stellen den Experten und Expertinnen auf der Bühne Fragen und das Publikum hört leise zu. Der einzige Unterschied zum Hörsaal: Alle trinken Bier, es wird geraucht, man duzt sich auf der Bühne.

Im zweiten Teil wird das Podium geöffnet. Dann können auch die Besucherinnen und Besucher selbst mitreden und Fragen stellen. Die Atmosphäre wird lockerer, die Experten fragen direkt in die Runde und machen auch mal einen Witz. Einige Leute aus dem Publikum fragen zurück, andere drehen Zigaretten und unterhalten sich leise, mehr Bier fließt. Eine hitzige Diskussion will an diesem Mittwochabend aber trotz allem nicht zustande kommen.

Hintergrundinformationen und Begriffserklärungen

Mit dem "Talk im Teng" wollen Schulz und Gutensohn auch gezielt über politische Themen informieren. Dass sie sich dafür genau mit den Themen auseinander gesetzt haben, merkt man. Schon im Vorfeld postet das Team Hintergrundinformationen Erklärvideos und Zeitungsartikel auf ihrer Facebookseite und zu Beginn der Diskussion werden erstmal Begriffe geklärt: Was versteht man eigentlich unter Salafismus und welche Strömungen gibt es? Welche Anreize gibt es für junge Frauen dem Salafismus beizutreten? Was muss Präventionsarbeit leisten?

Die Fragen der Moderierenden sind präzise und helfen dabei, das Thema besser zu verstehen. Und auch die Antworten der Experten am Mittwochabend sind selten nur leere Worte, sondern beruhen auf Zahlen und Statistiken. Nicht umsonst ist das Format Teil des bundesweiten Programms "Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit" und wird unter anderem vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

Die finanzielle Unterstützung deckt allerdings nur vier Veranstaltungen, danach ist noch offen, wie es weitergehen wird. Jetzt geht der Talk im Teng sowieso erst einmal in die Sommerpause. Für 2017 sind noch zwei weitere Talkshows geplant. Den nächsten "Talk im Teng" gibt’s dann im September.
Was am Mittwochabend diskutiert wurde, kann man auch online bei Radio Dreyeckland nachhören. Wer live dabei sein will, zahlt 5 Euro Eintritt.

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