Tagesschau-Blog: Und es geht doch!

Carolin Buchheim

Während die Blog-Ableger so ziemlicher aller großen deutschen Zeitungsverlage und sonstiger Medien in der Bedeutungslosigkeit herumdümpeln, zeigt die Tagesschau-Redaktion im Tagesschau-Blog bereits seit vergangenem August, dass ihre Redakteure verstanden haben, was ein Weblog ist, und was man damit machen kann: Bei der Tagesschau bloggen selbst die Chefredakteure, und zwar gekonnt. The times, they are a changing. Endlich!

 
Die Tagesschau der ARD ist die älteste Nachrichtensendung im deutschen Fernsehen, der Standard, an dem sich jedes andere Nachrichtenformat im deutschen Fernsehen messen lassen muss.

Die Hauptsausgabe der Tagesschau um 20 Uhr hat jeden Tag bis zu zehn Millionen Zuschauer und hinter den Kulissen, in der Redaktion von ARD-Aktuell in Hamburg, arbeiten 240 Mitarbeiter rund um die Uhr an der Produktion der verschiedenen Sendungen. Fast 100 von ihnen sind Redakteurinnen und Redakteure.

Redakteure, die offensichtlich wissen, was sie tun, und die das Potential der 'Neuen Medien' erkannt haben. Denn: Was die Tagesschau online anbietet, kann sich sehen lassen.

Die Website ist zwar keine Design-Offenbarung, aber ordentlich, zum Teil auf Englisch, mobil-tauglich und die Nachrichten sind als RSS-Feed abonnierbar. Statt eines langweiligen 'Über Uns'-Text gibt es eine niedlicheFlash-Animation mit ausführlichen Infos und vielen Filmen. Die Tagesschau-Sendungen selbst gibt es nicht nur als On-Demand-Stream sondern auch als Podcast und als Video-Podcast, die man auf alle erdenklichen Arten abonnieren kann.

Und seit einigen Monaten bloggt die Redaktion auch noch. Mit von der Partie sind 16 Redakteure, und seit Ende Dezember sind auch Dr.Kai Gniffke und Thomas Hinrichs dabei, der Erste und der Zweiter Chefredakteur von ARD-Aktuell.

Die meisten Verlage und Medien habe es noch nicht kapiert, dabei ist Bloggen doch ganz einfach: Ein Blog macht nur dann Sinn, wenn man neue Inhalte kreiert, die es sonst nirgendwo so gibt, eine zusätzliche Perspektive zu dem schafft, was man sonst bereits publiziert bzw. sendet und das Ganze idealweise auch noch mit einer persönlichen Meinung tut.

Schaut man die Themen des Tagesschau-Blogs der letzten Woche an, so wird deutlich, dass die Tagesschau-Redaktion und gerade ihre beiden Chefredakteure genau das aber verstanden haben. Woah! Da erläutert der Erste Chefredakteur seine Meinungzum Hinrichtungs-Video von Saddam Hussein, erklärt genau, wie und warum die Redaktion sich entschieden hat welche Bilder zu zeigen und fügt am Ende hinzu "Wir sind aber sicher, dass die Zuschauer auf die Bilder, die wir nicht zeigen, gut verzichten können. Und wenn ich ehrlich bin, denke ich auch an meine 10 und 13 Jahre alten Kinder, die gelegentlich die Tagesschau sehen. Sie verstehen sehr genau, was mit Saddam passiert ist - zeigen muss man es ihnen nicht."
In einem anderen Post berichteter von der Tagesschau-Premiere der neuen Sprecherin Caroline Hamann, lässt dabei seine eigene Aufregung ob der Premiere nicht Außen vor und vergisst auch Links zu Videos ihrer Premiere nicht.

Der Zweite Chefredakteur erklärt, warum in der Tagesschau nicht über den Unfall berichtet hat, bei dem der 14-jährige Felix von Quistorp zu Tode gekommen ist; Ein Thema, dass in den Nachrichtensendungen der Privatsender zum Teil als Aufmacher benutzt wurde. Auch die Beiträge der 'normalen' Redakteure sind interessant bis unterhaltsam. Da erklärt zum Beispiel Ute Welty in deutlich genervtem Ton, warum eine differenzierte Regelung des Rauchverbots in Restaurants und Kneipen durch den Bund rechtlich nicht möglich ist oder zitierteinen Komiker von einem Gesundheitsreform-Info-Tag "Die Menschen interessieren sich nicht vornehmlich für GKV und PKV. Vornehmlich interessieren sie sich für GV und PKW." Insgesamt stimmen mich Online-Auftritt, Blog und die Tagesschau selbst gerade richtig Milde: Von meinen GEZ-Gebühren werden scheinbar fähige, vorrausschauende, technik-affine Journalisten bezahlt! Da zahl ich sie gleich ein klein wenig lieber.

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[via Popkulturjunkie]