Tageins-Partys im Waldsee: Der Würstchenbuden-Konflikt

Dana Hoffmann

Der Streit um Tageins im Waldsee erreicht dieser Tage einen weiteren Höhepunkt: Wiehremer Bürger fühlen sich montagnachts von lauten Partybesuchern um den Schlaf gebracht. Die Waldsee-Betreiber wiederum werfen den Anwohnern vor, sie wollten mit ihrem Protest die beliebte Veranstaltung gezielt kippen. Eine Bestandsaufnahme, bei der nun sogar eine Würstchenbude eine Rolle spielt.



Den Anwohnern der Schützenallee stinkt’s. Nicht aber der Geruch von gebratenen Würstchen und Nackensteaks wird beim Amt für öffentliche Ordnung beanstandet. Die Grillhütte auf dem Gelände der Wiehremer Waldsee-Kneipe sei aber ein Grund für ständige Ruhestörungen, heißt es beim Amt.


Deshalb ist jetzt Schluss: „Der Außenverkauf ist untersagt, weil die Bewirtungsgenehmigung fehlt“, sagt Stadtsprecherin Petra Zinthäfner. Eine entsprechende Konzession werde es aber auch in Zukunft nicht geben, weil die Betreiber der Gaststätte nicht – wie angeblich abgesprochen – auf den Geräuschpegel achteten.



Der Stand auf dem Außengelände des Waldsees wurde zum Wohle hungriger Fußballfans aufgebaut. Und vom Wirtschaftskontrolldienst abgenommen, betont Waldsee-Chef Achim Schönwiese. „Man will uns Knüppel zwischen die Beine werfen“, ist er sich sicher. „Die Anwohner wollen, dass die Tageins-Party gestrichen wird.“



Soweit geht Günther Fiesser nicht. Er wohnt mit seiner Frau in der Schützenallee, zwischen Einkaufszentrum „ZO“ und Bahngleisen in einer Lärmzange, wie er sagt. Sie ist der direkte Weg in die City. „Zwischen zwei und vier Uhr gibt es Lärm und Geschrei auf der Straße, da kann kein Mensch schlafen“, sagt er.

So lange dürfte es eigentlich gar keinen Publikumsverkehr geben, Sperrzeit ist um zwei Uhr. „Wenn dann auch wirklich Schluss wäre und alle nach Hause gingen, wäre der Spuk ja schnell vorbei. Oder noch besser: Um Mitternacht ist Feierabend.“



Flaschen zerspringen auf dem Boden, Fahrradklingeln läuten, Streitigkeiten werden lautstark ausgetragen – Die Stimmung in dem einst als Wohlfühlpark beworbenem Komplex ist angespannt. Petra Zinthäfner, die selbst in der Schützenallee gewohnt hat,  kennt das Problem: „Die meisten Beschwerden beziehen sich auf die Nacht von Montag auf Dienstag.“

Für den zuständigen Polizeiposten Littenweiler ist das auch der einzige Berührungspunkt mit dem Waldsee. Martin Gräf, Leiter der Stelle, kennt die Problematik: „Von bis zu 1500 Gästen kommen 90 Prozent zu Fuß, mit der Bahn und mit dem Rad, da kann es lauter werden. Vor allem in den Ferien und bei gutem Wetter gibt es einen enormen Andrang.“



Welche Rolle der Würstle-Grill dabei  spielt, will sich auf den ersten Blick nicht erschließen: Das Waldseelokal liegt relativ isoliert am Rande des Sternwalds. Direkte Nachbarn, die sich durch Geruch oder Geräuschpegel gestört fühlen könnten, gibt es nicht. Die Stadt winkt ab: „Die Betreiber des Waldsees müssen auf Lautstärke und Sperrzeiten achten.“ Ob das nun bedeutet, dass Hans Weinmann und Achim Schönwiese ihre Gäste bis nach Hause begleiten sollen? Nein, sagt Martin Gräf. „In einem gewissen Umkreis sind die Betreiber verantwortlich, auf keinen Fall aber bis zur Schützenallee.“

Die Eigeninitiative der Kneipiers, durch Sicherheitspersonal am Straßenrand die Randalierer im Zaum zu halten, hat nur wenig Wirkung gezeigt. Auch der Versuch, mit einer Anhebung des Mindestalters von 18 auf 21 Jahre die jungen Trunkenbolde von der Party fernzuhalten, ist nur bedingt hilfreich.



Dass den Anwohnern vieles lauter vorkommt, als es tatsächlich ist, hält Martin Gräf für wahrscheinlich: „Untersuchungen haben ergeben, dass es zwischen den Häusern stark hallt. Da kann schon normale Lautstärke enorm stören.“ Wie auch immer, die Nachbarn liegen nachts wach. Laut Günther Fiesser sogar so lange, dass Schulkinder am nächsten Tag nicht am Unterricht teilnähmen und Geschäftsleute Termine verschliefen. Einen diesbezüglichen Leserbrief konnte man unlängst in einem Wochenblatt lesen.

„Niemand hat was gegen Partys oder dass jemand mal zu viel Alkohol trinkt und über die Strenge schlägt. Nur diese Rücksichtslosigkeit können wir nicht akzeptieren.“



Fiesser und seine Mitstreiter fühlen sich von der Stadtverwaltung alleine gelassen: „Die Stadt erteilt Genehmigungen, dann muss sie auch dafür sorgen, dass alles glatt läuft. Ein kommunaler Ordnungsdienst, der hier kontrolliert, ist überfällig.“ Der Waldsee-Kritiker behauptet gar: „Keiner hat ein Interesse daran, dass sich hier etwas ändert. Stadt, Pächter und Eigentümer wissen doch: Ohne die Partys wäre das da oben ein toter Schuppen.“

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