Tageins im Waldsee: Organisator Dennis Wiesch hört nach 15 Jahren auf

Gina Kutkat

Eine Ära im Waldsee geht zu Ende: Nach 15 Jahren gibt Dennis Wiesch – auch als DJ Agent Schwiech bekannt – die Veranstaltungsreihe tageins ab. Wie kam er zu der Entscheidung und wer ist sein Nachfolger?

Sie ist eine der beliebtesten und konstantesten Veranstaltungen im Freiburger Nachtleben und der Grund, warum Montage gar nicht mal so schlecht sind: Die Partyreihe tageins im Waldsee. Seit 15 Jahren feiern hier alle, die qualitativ hochwertige elektronische Musik lieben: Von House über Techno und Dub bis zu Drum’n’Bass. Alles, nur kein Mainstream.


Einer, der die Veranstaltung mit seiner delikaten DJ-Auswahl fast von Anfang an geprägt hat, hört nun auf. Dennis Wiesch, als DJ Agent Schwiech schon seit 2001 im Freiburger Nachtleben unterwegs, gibt Planung, Organisation und Booking aus beruflichen und privaten Gründen an seinen Freund und DJ-Kollegen Martin Kassuben alias Kollektiv B ab. "Ich höre aus zeitlichen Gründen auf, weil ich durch Job und Kind viel weniger Zeit habe, mich mit Hingabe und Intensität um tageins zu kümmern", sagt der 38-Jährige, der hauptberuflich für Tourneebooking und Konzertorganisation im Jazzhaus verantwortlich ist.

Seit Mai 2002 war Wiesch für tageins verantwortlich

Der Zeitpunkt zum Aufhören fühle sich richtig an: "Es ist an der Zeit, an jemand anderen abzugeben, der mit neuen Ideen an die Sache rangeht und frischen Wind rein bringt", so Wiesch. Dass die Entscheidung nun auf seine erste Wahl fällt, macht ihn froh. "Martin ist als DJ unabhängig, musikalisch vielfältig und – was ich sehr wichtig finde – er ist in der Szene und auch von mir ein unglaublich respektierter Mensch."

Bis Ende März macht Wiesch noch das Booking, dann war er fast 15 Jahre lang für tageins zuständig. Im Mai 2002 hatte er die Veranstaltung übernommen, die von den DJs Rainer Trüby, Shaddy und Jens Galler im Januar 2002 zusammen mit einem Waldsee-Team ins Leben gerufen worden war. "Namensgeber war Trüby", so Schwiech. Schwiech, damals selbst noch Newcomer in Freiburg, fing an, DJs, deren Musik er mochte, einzuladen.

"Gerd Janson war ein absolutes Highlight"

Seine damalige Idee, mehr Vielfalt und unterschiedliche Stilrichtungen ins Programm zu bringen, verfolgt er bis heute. "Ich wollte andere Genres präsentieren, nicht immer nur Techno und Techhouse. Das hörte man am Wochenende in jedem Club. Ich wollte das Drumherum: Von Reggae bis Drum’n’Bass. Dancemusik hat ja genügend Facetten."

Dabei kamen in erster Linie unbekannte lokale DJs zum Zuge, die es für ihn wert waren, vor größerem Publikum spielen zu dürfen. Aber auch nationale und internationale DJ-Größen legten schon bei tageins auf: Âme (Kristian & Frank), Gerd Janson, Quarion, Sassy J, Julius Steinhoff, Dplay, Hunee oder Marcel Vogel etwa. "Gerd Janson war ein absolutes Highlight: Wie er fünf Stunden lang nur Diskoplatten gespielt hat und den Laden komplett auseinander genommen hat – irrer Abend."

Der Veranstaltung eine eigene Handschrift geben

An dem grundsätzlichen Konzept möchte auch Wieschs Nachfolger Martin Kassuben nichts ändern. "Dafür habe ich viel zu viel Respekt vor der Veranstaltung – sie ist in Freiburg legendär", sagt er. Seit zwölf Jahren ist er fast jeden Montag im Waldsee, hat als Kollektiv B schon mehrmals bei tageins aufgelegt. Die musikalische Qualität mache die Veranstaltung aus, "außerdem legen an zwei von vier Montagen Freunde von mir auf oder DJs, die ich sehr gut finde." Trotzdem überlege er sich, wie er der Veranstaltung seine eigene Handschrift geben kann. "Es ist eine große Ehre für mich und ich bin positiv aufgeregt auf diese neue Aufgabe."

"Jeder möchte bei tageins auflegen und freut sich, wenn er es darf."

Dass sich die Veranstaltung 15 Jahre lang hält und sich so großer Beliebtheit erfreut, hätte Dennis Wiesch zu Beginn niemals geglaubt. Im ersten Sommer habe es Abende mit weniger als 50 Leuten gegeben. "Erst im Sommer 2003 ist es total explodiert. Es war eine tierisch heiße Zeit, 39 Grad, totale Hölle, es ging über Wochen. Montagabend war immer brechend voll." Das war der Zeitpunkt, an dem Wiesch merkte, dass seine Partyreihe etabliert war. Ein Selbstläufer blieb sie bis heute – und das bei Publikum und den DJs. "Alle DJs wussten das schon immer zu schätzen; jeder möchte bei tageins auflegen und freut sich, wenn er es darf."

Wiesch, der auch regelmäßig selber bei tageins auflegte, übergibt die Partyreihe mit einem guten Gefühl. Das Übergabe-Gespräch mit Martin Kassuben erfolgte übrigens stilecht: An einem Montagabend bei tageins.

Die nächsten Termine:
  • Montag, 6. März: tageins mit forhersake (is this darkness or the dawn, Innsbruck/Darmstadt)
  • Montag, 13. März: tageins mit com.ma (Freiburg)