"Syrerfreie Zone, Lebensgefahr!": Wie ein Elztäler Flüchtlingen drohte

Daniel Laufer

Dieses Schild hatte ein Bewohner von Winden im Elztal vor seinem Haus aufgestellt. Aber dann klingelte der Bürgermeister an der Tür.



Am Freitagmorgen hielt Ludwig Rhode* das Schild noch für eine gute Idee. "Syrerfreie Zone, Lebensgefahr!" hatte er mit Kreide auf eine Tafel geschrieben, dazu eine Mistgabel gemalt, ein Gewehr und einen Knüppel. Am Freitagmittag baute er es dann wieder ab.


Nicht, weil er seine Meinung geändert hätte, sondern aus Angst. Der Bürgermeister persönlich hatte ihn besucht. "Er hat mir erzählt, dass wegen dem Schild die Polizei kommen könnte", sagt Rhode. Da habe er natürlich reagiert. "Ich will ja keinen Ärger kriegen.

Am Freitagmorgen klang das noch etwas anders. Wer zu Rhode möchte, muss Winden verlassen und knapp zwei Kilometer ins Tal fahren, bis zu dem Haus mit der Deutschland-Flagge am Balkon. Das ist das Grundstück, das der 57-Jährige zu verteidigen droht - gegen syrische Flüchtlinge. Gesehen habe er noch keine. Trotzdem habe er, wie er sagt, bereits eine Mistgabel gerichtet.

"Wenn einer kommt, werde ich ihn erst mal zurückschicken. Geht er nicht, muss er mit Konsequenzen rechnen." Wenn Rhode über Flüchtlinge spricht, benutzt er abschätzige Begriffe. Er nennt sie "Saubande" oder "Badschaggen", behauptet, sie würden ihn ausspionieren - und schließlich ausrauben, während er arbeitet. "Ich will keine Syrer da hinten, auch nicht als Spaziergänger!"

Wildschweine statt Einbrechern

Ein Problem mit Einbrüchen scheint Winden allerdings nicht zu haben: Brisante Themen in den Polizeimeldungen der vergangenen Monate waren Auffahrunfälle oder Wildschweine, die die Schnellstraße überqueren. Auch Polizei-Sprecher Walter Roth sagt: "Wir haben im Elztal aktuell keine Fälle von Einbruchsdiebstählen, bei denen Flüchtlinge als Täter ermittelt wurden."

Genausowenig habe Winden ein "Flüchtlingsproblem", so Bürgermeister Klaus Hämmerle. "Die Sache mit dem Schild war eine Einzelmeinung."

13 Flüchtlinge hat die Gemeinde mit rund 2800 Einwohnern schon untergebracht, bis zu 65 weitere kommen bald in ein Hotel, angemietet vom Landkreis Emmendingen. Statt großer Gegenwehr gegen die Pläne haben rund 50 Windener für die Flüchtlinge einen Helferkreis gegründet. Der sammelt nun Spenden, etwa um einen Kleiderladen einzurichten. "Wir haben keine Probleme mit Rechten", sagt Bürgermeister Hämmerle.

Mittlerweile gibt Rhode zu: "Ich wollte etwas Aufmerksamkeit erreichen." Er versucht sich zu erklären. "Ich bin ja kein Ausländerfeind, aber was im Moment in der Bundesrepublik abgeht, geht nicht."

Die "syrerfreie Zone", der Hinweis auf die Mistgabel, der wüste Tonfall: nur missverstandene Systemkritik, alles ganz harmlos?

Vor dem Haus von Ludwig Rhode hängt noch ein zweites Schild - schon seit Jahren. Ein Revolver und ein Schlagstock über Kreuz, darunter die schriftliche Warnung: "Wir rufen hier nicht die Polizei!" Wer fragt, dem erklärt er gerne die Bedeutung: "Wenn ein Einbrecher kommt, muss er halt mit dem Tod rechnen. Da wird zugeschlagen und in den Wald geworfen."



[* Name geändert, der Redaktion aber bekannt]

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[Fotos: Nikolaus Bayer]