E-Mobilität

Surren statt knattern: Wie gut rollert es sich elektrisch?

Jennifer Reyes

Er ist klein, gleitet lautlos durch die Stadt und hin und wieder wird sein Besitzer seinetwegen ausgehupt – weil er so leise durch die Straßen fegt: Florian Fervers Elektro-Roller. Wie es ist, so durch Freiburg zu fahren.

Wenn dein Schließfach-Nachbar in der Bibliothek neben Rucksack und Laptoptasche auch noch einen fast zehn Kilo schweren Akku mit sich herumschleppt, bleibt die Frage "Und wofür ist das schwere Ding?" nicht aus. Florian Ferver (22), studiert Medizin in Freiburg und gleitet seit einem Jahr lautlos mit seinem grünen E-Roller durch die Green City. Ein kleiner Alltags-Check.


Den Schlüssel im Zündschloss gedreht, bleibt es still: Jetzt einfach losfahren? Kein Problem. Florians E-Roller zieht geräuschlos voran und die Tachonadel schnellt hoch. Fast wie Schweben fühlt sich das an. "Es ist total schnell, wenn man beschleunigt und so unglaublich leise. Es ist einfach ein cooles Fahrgefühl", sagt Florian. Nachdem sein alter, stinkender Piaggio-Roller bei einem Diebstahlversuch so demoliert wurde, dass sich eine Reparatur nicht mehr gelohnt hätte, machte er in Freiburg über einen Scout eine Testfahrt mit einem E-Roller des Berliner Herstellers Unu und war sofort überzeugt.

Einmal aufladen für 80 Cent

Stolze 2700 Euro betrug der Preis für Florians neues Gefährt in Retrolook mit drei Kilowatt starkem Motor. Mit einer Stromladung kommt Florian wie mit einem Benzintank, je nachdem wie er fährt, an die 50 Kilometer weit. Eine Akku-Vollladung kostet ihn um die 80 Cent. Mit Öko-Strom ist es ein bisschen mehr, aber eine Spritladung von der Tankstelle ist mit rund sechs Euro immer noch teurer. Der E-Roller hat im Display des Lenkers eine Anzeige, die den Batterieladestand anzeigt. Der Akku ist in vier bis fünf Stunden vollständig geladen und im Roller ist auch noch Platz für einen zweiten Akku, der die Reichweite auf 100 Kilometer ausdehnt.

Florian findet das ganz praktisch, denn dann müsste er den Akku während eines langen Lerntages in der Bibliothek nie zwischendrin aufladen. Problem: Der Zweit-Akku ist mit einem Preis von knapp 700 Euro nicht günstig. Solange gespart wird, schleppt er den neun Kilo schweren Akku mit in die Bibliothek und stöpselt statt dem Laptop einfach den Akku ein: "Das Gefühl den Roller auf Kosten anderer zu tanken, ist schon irgendwie ganz cool." Beschwert hat sich bisher niemand. Sonst lädt er den Akku über Nacht bei sich zu Hause. Das geht mit dem überholten Ladegerät sogar direkt neben dem Bett ohne laute Lüftungsgeräusche.

Viel Gehupe, weil Florian lautlos fährt

Das ist kein Roller für Kinder, doch neben einer Vespa abgestellt, fällt der Größenunterschied des E-Rollers zum Zwei- oder Viertakter deutlich auf. Ein lustiges Bild bietet es auch, wenn der 1,93 große Medizinstudent neben dem zierlich wirkenden Elektro-Flitzer steht: "Also wenn ich auf dem Sitz vorne sitze oder man zu zweit auf dem Roller fährt, dann sieht das schon ein bisschen affig aus. Wenn ich alleine fahre, sitze ich praktisch auf dem Rücksitz." Gehupt wird jetzt auch deutlich mehr als früher, erzählt Florian. Nicht wegen seines zu frechen Fahrstils, den man oft von Rollerfahrern kennt, sondern wegen des lautlosen Fahrens. E-Fahrzeuge sind einfach zu leise. Deshalb hat der E-Roller am Lenker Platz für zwei Hupen-Tasten, was den E-Startknopf rechts ersetzt. "Ich nutz’ sie schon oft, weil die Leute oft nicht schauen wenn sie nichts hören und dann auf die Straße gehen. Passiert ist bisher aber nichts", sagt Florian.

Florians Fazit nach einem Jahr mit fast täglichem Einsatz des E-Rollers fällt gut aus. Bei dem Akku konnte er keine Ermüdungserscheinungen feststellen und Reparaturen sind auch keine angefallen. "Bei meinem alten Roller musste ich spätestens alle zwei Jahre den Benzinschlauch austauschen, weil er durchmarodiert war", sagt Florian. Außer die Bremsflüssigkeit und den Reifendruck zu kontrollieren, stellt der E-Roller keine besonderen Pflegeansprüche. Regelmäßige Inspektionen werden empfohlen und sollten auch gemacht werden, da der Hersteller Unu nur zwei Jahre Garantie auf seine E-Roller gibt. In Freiburg ist die Werkstatt "Schall und Rauch" im Stadtviertel Vauban der Vertragspartner für den Hersteller – als einziger.

Leihsystem bisher nicht in Freiburg geplant

Wer sich einen E-Roller zulegen will, dem rät Florian im Herbst Angebote einzuholen. Er hat so letztes Jahr durch eine Aktion rund 400 Euro gespart. Leihsysteme für E-Roller, wie sie es in Baden-Württemberg in Stuttgart mit Stella-Sharing oder Coup E-Scooter in Tübingen gibt, gibt es in Freiburg nicht. Die Sharing-Modelle arbeiten jeweils in Kooperation mit den Stadtwerken vor Ort und man kann die Roller über eine App reservieren. In Tübingen wird der Kauf eines neuen E-Roller sogar bezuschusst, wenn man seinen alten Benzin-Roller abwrackt. Auf fudder-Anfrage teilte das Garten- und Tiefbauamt in Freiburg mit, dass für Freiburg aktuell keine E-Roller geplant sind, da das Fahrradverleihsystem und das Car-Sharing gut genutzt würden. Das könne sich in Zukunft aber noch ändern.

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