Supertramp: Die Altmeister können es noch

David Weigend

Zwei Stunden Softrock aus der Supertramp-Zeitmaschine: Am Ende lächelten nicht nur Rick Davies, der Mann am Wurlitzer, sondern auch 2900 Zuschauer im Innenhof der Ganterbrauerei. Ein paar Anmerkungen eines Schreiberlings, der während des Supertramp-Zenits noch Windeln trug.



The Logical Song, vielleicht der Höhepunkt des Konzerts: Die Stelle, an der Sänger Jesse Siebenberg seine Stimme in die nächsthöhere Oktave bringt: „I know, it sounds absurd. Please tell me who I am...who I am…who I aaaam…“ Die Freiburger Wetterhexen, die den Ausschank im Bierpilz übernehmen, tanzen in totaler Enthemmung an ihrem Arbeitsplatz, ebenso die Zaungäste auf einem Vordach an der Fabrikstraße.


Es ist dunkel geworden über der Ganterbrauerei, der erste Stern sichtbar. Ein Mann im weißen Hemd ahmt tänzerisch einen Habicht im Tiefflug nach, allerdings mit zugekniffenen Augen. Entrückt bewegt er sich im hinteren Teil des Areals, jenseits der Sitzplätze. Die Choreo zum „Fliegerlied“ ist ein Witz dagegen. Ein Beobachter sagt: „Das könnt ihr Jungspunde euch gar nicht vorstellen. Aber 74, als Crime of the Century rauskam, da gab es so viele Freaks und Acidheads, die sich gepflegt zukifften und diese Musik total zelebrierten, so derwischmäßig.“

Es ist ja nicht so, dass die hauptsächlich nach „Breakfast in America“ geborene Generation Fudder die Supertramp-Hits nicht kennen würde. Der SWR, 1 plus 3, haut sie uns täglich um die Ohren und nicht wenige unserer Eltern bekommen bei Titeln wie „Take the long way home“ diesen verklärten Blick mit der Bildunterschrift: „Ja, damals, als wir mit dem Käfer nach Rom runtergebrettert sind, ganz spontan…“

Auch, wenn Supertramp den einen oder anderen behäbigen Teil in ihrem zweistündigen Freiburger Gig haben, verlässt man das Konzert doch mit der Feststellung: „Schade, dass ich damals nicht dabei war, als Supertramp Alben wie Crisis? What Crisis? rausbrachte. Ich hätte das wahrscheinlich interessanter gefunden als, sagen wir mal, Lady Gagas Fame Monster.“

Die achtköpfige Band (Saxofon, Klarinette, Background Sänger etc) um Gründungsmitglied Rick Davies begeistert 2900 Zuschauer mit einem gediegenen Best-Of-Programm in ansprechender Klangqualität. Jesse Siebenberg, der die hohen Gesangparts von Roger Hodgson übernimmt, meistert diese Aufgabe überzeugend. Insofern schmerzt Hodgsons Abwesenheit nur dahingehend, dass der Band ein Stück Charisma fehlt. Vergleiche erübrigen sich, denn Supertramp waren auf der Höhe ihres Schaffens stilprägend. Wobei es schwer ist, diesen Stil zu definieren. Er reicht von Popsongs, die der Supermarktbeschallung dienen („It’s Raining Again“) bis zur zehnminütigen ZeitlupenhymneCrime of the Century“, die auch gut im Planetarium zur Träumerlestunde laufen könnte. Wer willens beziehungsweise in der Lage war, für all das 80 Euro hinzublättern, verbrachte gestern einen feinen Abend.

Den USB-Stick mit dem Livemitschnitt, der uns kurz nach Konzertende angeboten wurde, nahmen wir dann aber doch nicht mit. "An das Live-Album aus Paris von 1980 kommt sowieso gar nichts ran", ließ uns ein Fan vorher wissen. Und dieses Album müsste noch irgendwo in der Plattenregal meines Vaters zu finden sein...

...Wer allerdings beim Freiburger Supertramp-Gig nicht dabei war, ihn aber dennoch gern hören würde, hat nun die Chance, einen von fünf dieser USB-Sticks bei der Badischen Zeitung zu gewinnen. Viel Glück!

Foto: Stefan Rother

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