Super-Mariosotto und Nudel-Pluto: Wenn aus Mensa-Resten Kunst wird

Miriam Jaeneke

Mit Essen spielt man nicht – aber mit dem, was übrig bleibt! Das finden zumindest vier Studierende der Hochschule Furtwangen. Sie verwandeln Mensa-Überbleibsel in Gesichter und Figuren. Auf ihrer Facebook-Seite posten mittlerweile auch Mitstreiter Fotos ihrer kreativen Resteverwertung.



Essensreste wandern in die Biotonne. Oder werden zu Kermit, Jesus oder dem Marsupilami. Dabei fing alles ganz harmlos an: mit einer Banane, auf die niemand so richtig Appetit hatte. „Wir haben mit dem Kugelschreiber darauf rumgekriztelt, ein paar Sachen reingeritzt und damit war quasi schon die erste Figur entstanden, die Shark Banana“, erzählt Yannick Theobald (23). „Das haben wir dann ein bisschen abgewandelt und auf den Tellern rumgekünstelt.“


Yannick Theobald, Patricia Jehle, Daniel Glotzbach und Gunnar Lehmann studieren im selben Jahrgang 'Online-Medien' an der Fakultät Digitale Medien der Hochschule Furtwangen. Zusammen gehen sie in die Mensa, zusammen kreieren sie nach dem Essen aus den gemeinsamen Resten auf einem Teller eine Figur. Bei fünf Mensagängen pro Woche springen im Schnitt drei Mensa Figures heraus.

„Ich glaube, vielen wäre es am liebsten, wenn wir jeden Tag eine Figur basteln würden. Aber es entsteht nicht nach jedem Essen was. Manchmal gibt es keine Reste, weil es so gut ist oder wir so viel Hunger haben. Es hängt davon ab, wie viel übrig bleibt, welche Farben übrig bleiben“, erklärt Yannick.



So weit geht die Liebe zur kreativen Resteverwertung dann doch nicht, dass dafür gehungert wird. Manchmal fällt es aber zumindest Yannick nicht weiter schwer, etwas übrig zu lassen: Als Vegetarier hat er nur ein Gericht zur Auswahl und muss sich schon mal zufriedengeben mit einem „plumpen Brokkoligericht mit ein paar Kartoffeln, das macht dann nach dem zweiten Biss schon keinen Spaß mehr.“ Mehr Spaß macht der Brokkoli dann, wenn er zur grünen Vorlage für die Computerspielfigur Yoshi (siehe unten) wird. Das gilt auch für Nudeln, die sich in das Abbild des Walt-Disney-Hundes Pluto verwandeln – auf Facebook mit dem Namen „Ploodlesoup“ garniert. Zwischen einer Viertel- und einer halben Stunde brauchen die Studierenden für so ein Werk.

Tatsächlich verwenden die vier nur Mensaessensreste. „Jeder kann seine Bilder posten und sein eigenes Ding machen. Wir für uns haben aber schon so eine Art Code: Die Figur muss auf einem Teller sein und sie sollte wiedererkennbar sein, zum Beispiel eine Walt-Disney-Figur oder eine, die man aus der Popkultur kennt“, sagt Yannick. Anklang fanden auf der Facebook-Seite Mensa Figures, die inzwischen über 3350 Likes hat, Figuren wie Super Mario oder solche aus der Sendung mit der Maus.

Zu Anfang gab es noch kritische Stimmen auf Facebook. „Aber mittlerweile, wo die Leute verstehen, dass wir wirklich nur Reste nehmen, ist das Feedback durchweg positiv. Die Leute wissen, dass wir damit verantwortungsbewusst umgehen.“ Was halten die vier aber denjenigen entgegen, die sagen, es gibt Wichtigeres zu tun? „Es ist klar, dass man damit keinen Weltfrieden herstellen oder irgendetwas Ernstes in die Welt setzen kann, aber es zaubert den Leuten, die jeden Tag auf unsere Seite gehen, ein Lächeln ins Gesicht. Das bereitet uns auch Spaß.“



Wenn sie Posts von anderen Essensverwurstern bekommen, besteht der Spaß darin, die Entstehungsgeschichte der Figuren zu erraten: Woraus wohl die Füße der Ananasente bestehen? Allerdings gibt es noch nicht so viele Posts und mit ihnen Rateanlässe, wie sie das gern hätten – und die, die Bilder schicken, sind oft Wiederholungstäter. Um das Interesse anzufachen, möchten Yannick, Patricia, Daniel und Gunnar aber keinen Kreativitätswettstreit ausloben. „Ein Wettkampf ist nicht das, was wir wollen. Das ist einfach ein Mitmachding, wo jeder seine Kunst zeigen kann“, sagt Yannick. 

Als Kunst versteht er die Bilder durchaus: „Wenn man die Sachen sieht, die sind schon ziemlich filigran und eigen und auch ein bisschen was Neues trotz der ganzen Food Art, die es schon gibt.“  Seit Februar haben die Studierenden Nachahmer von der Universität Saarbrücken, die die vergleichbare Seite Mensa Battle betreiben. Ihr Wahlspruch: „Mach mehr aus deinem Essen“. Yannicks Kommentar dazu: „Es ist offensichtlich, dass sie uns als Vorlage genommen haben, auch wenn sie das nicht direkt zugeben wollen. Das ist ein bisschen schade. Sie hätten gerne auch ihre Bilder bei uns posten können.“ Aber: „Eine erfolgreiche Idee hat eben Nachahmer“, sagt Yannick. Mit diesem Trost kann er leben.

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    [Fotos: Mensa Figures]