Super-8-Film "Bel Florenz": Eine Toskana-Reise, die nie stattgefunden hat

Manuel Lorenz

Ohne es zu wissen, landet der ambitionierte Hobbyfilmer Manfred Birnle in Dresden statt in Florenz. Das Ergebnis: der wunderbare Super-8-Streifen "Bel Florenz". Zu den drei Machern des Kunstwerks gehört auch Gunnar Grah aus Freiburg. Wir haben ihn gefragt, ob er als nächstes einen Stummfilm in Schwarz-Weiß abdreht:



Herr Grah, warum dreht man im digitalen Zeitalter einen Super-8-Film?

Gunnar Grah: Aus zwei Gründen: Erstens ist die Bild- und Farbqualität eine helle Freude und hat etwas an sich, das digitalem Video fehlt und das man auch mit keinem Filter nachträglich erzeugt bekommt. Und zweitens werden wir – und die meisten anderen – nicht mehr oft Gelegenheit dazu haben. Die Kameras werden immer älter und störanfälliger, es gibt fast keine Super-8-Kassetten mehr zu erschwinglichen Preisen, manche Filmsorten werden schon gar nicht mehr entwickelt – das Format stirbt gerade aus.

Was werden wir als nächstes von Ihnen sehen: einen Stummfilm in Schwarz-Weiß?

Wir haben vor ein paar Wochen einen kurzen Film abgedreht, der sich kritisch mit dem Thema „Kunstfilm“ auseinandersetzt und einen flammenden Appell an die große Tradition des Erzählkinos enthält. Da sind wir mitten in der Postproduktion und werden darin nur von den akademischen Bestrebungen eines Teammitglieds ein wenig gehemmt. Und danach wollen wir vielleicht mal den ganz großen Sprung wagen und einen Weltraumfilm drehen – dann aber digital.

In Ihrem Kurzfilm wird das Elb-Florenz Dresden zum "Bel Florenz". Wie kam es zu diesem schicksalsträchtigen Buchstabendreher?

Wir saßen 2012 in Dresden im tiefsten Winter unter Plastikpalmen und wollten einen fiktiven Reisefilm drehen. Und da erschien uns die Figur eines ambitionierten Hobbyfilmers, der eine Reise bucht und dabei nicht ganz so genau hinschaut, ob es nun ins Elbflorenz oder tatsächlich in die Toskana geht, und der am Ende einer verschlafenen Busfahrt versucht, die Beschreibungen in seinem Reiseführer mit einer völlig anderen Stadt in Einklang zu bringen – und das ganze noch auf Film festhält.

Aber vor allem ist das ganze natürlich eine Liebeserklärung an den Super-8-Film und die vielen enthusiastischen Amateure, die damit ihre Urlaube festgehalten und anschließend den erweiterten Familien- und Freundeskreis mit diesen sehr subjektiven Eindrücken versorgt haben.

Wenn Südbaden die Toskana Deutschlands ist: Ist dann nicht eigentlich Freiburg das deutsche Florenz? Oder ist es eher das Pisa des Nordens – siehe jenen Schiefen Turm namens Säule der Toleranz?

Ich denke, in den Händen eines Reisefilm-Profis wie Manfred Birnle könnte Freiburg zu jeder Stadt in der Toskana werden.

Bel Florenz

Quelle: Vimeo


Zur Person

Gunnar Grah, 39, promovierte 2007 über das Orientierungsvermögen von Wüstenameisen und konzipiert heute als Wissenschaftskommunikator gemeinsame Projekte von Kunst und Wissenschaft an der Universität Freiburg.



"Bel Florenz" hat er gemeinsam mit Andreas Kersten und Florian Rau gedreht. Kersten lebt in einer traurigen Stadt. Er wäre gern eine Kiefer und fürchtet das Primat der Pose. Rau, 31, lebt in Berlin, widmet sich hauptberuflich dem Hörsinn der Mittelmeer-Feldgrille und beschäftigt sich in freien Stunden mit Fotografie, Film und Internet-Experimenten.

Zur "Bel Florenz"

"Bel Florenz" lief mittlerweile auf den Schmalfilmtagen in Dresden, beim Backup-Festival in Weimar, auf dem Filmfest Weiterstadt, beim Freiburger Video-Slam und im Studentenfilm-Magazin des MDR.

Die Entstehung von "Bel Florenz" beschreibt Gunnar Grah folgendermaßen:

"Wir waren, weil ein anderer Film von uns in Dresden bei den 'Schmalfilmtagen' im Wettbewerb lief, sowieso in der Stadt. Die beiden hatten ihre Super-8-Kameras dabei und wir wollten den Tag irgendwie nutzen.

Viel Zeit hatten wir allerdings nicht, gefühlt geht im Januar in Dresden die Sonne ja erst gegen 10 auf und abends mussten wir schon wieder auf dem Festival sein. Und bei extrem süßen Cocktails unter den Kunststoffpalmen einer Bar kam uns die Idee, dass der einzige Film, den man so schnell runterdrehen kann, ein Reisefilm ist. Und der brauchte einen Twist – so wurde aus dem Elbflorenz, in dem wir waren, 'Bel Florenz'.

Der Hauptdreh fand an jenem Tag Ende Januar 2012 bei zweistelligen Minustemperaturen statt. Florian Rau und Andreas Kersten mussten aber im folgenden Frühjahr noch mal für einen Nachdreh hin fahren, weil ein Teil des Filmmaterials zu dunkel war. Das bekommt man bei Analogfilm ja nicht sofort mit. Außerdem machten wegen der Kälte die Batterien und die Mechanik der Kameras schlapp. Das hat auch nicht gerade geholfen."

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