Sündige Kunst in der Mon Petit Bar

Martin Jost

Sieben Todsünden in Malerei, Skulptur, Fotografie und Film von Künstlern aus ganz Deutschland – von Freitag bis Sonntag ist die Ausstellung "Sünde 7" in der Mon Petit Bar im Stühlinger geöffnet. Das Thema "Sünde" wird präsentiert an einem sündigen Ort - und sicher wird nicht zuletzt Neugier auf das Etablissement Besucher anlocken.

Die Wände sind rot. Hinter der Bar ist eine Stange installiert. Das am meisten bevorratete Getränk scheint Sekt zu sein. Und viel Platz ist hier nicht. Die Mon Petit Bar in der Eschholzstraße bietet laut ihrem eigenen Slogan „Erotik, Flair und vieles mehr“. – „Vieles mehr“ wird an diesem Wochenende um eine Bedeutung reicher: Eine Kunstausstellung zieht in die Erotikbar.


Annika, Florian, Miriam und Eva sind die Organisatoren und fanden das sündige Etablissement ideal für das selbstgewählte Thema „Die sieben Todsünden“. Sie studieren an der ISW Business School in Freiburg – Florian, der für das Sponsoring verantwortlich ist, Sportmanagement, die drei anderen Kulturmanagement – und die Ausstellung ist ihre Abschlussarbeit.



„Als Kulturmanager lernen wir als erstes, dass es unser Job ist, Kultur zu ermöglichen“, sagt Miriam. „Wir wollten zeigen, dass Kunst und Kultur an jedem Ort sein kann. Auch in einer Erotikbar.“ Nebenbei fungiere die Location noch als Marketinginstrument. Viele Besucher, die am Wochenende erwartet werden, wollten vielleicht schon immer mal hinter die undurchsichtigen Schaufenster der Bar sehen, finden es aber zu ihren normalen Öffnungszeiten zu verwerflich.

Freitag, Samstag und Sonntag hat die Ausstellung mit Werken von neun Künstlern aus Halle, Berlin, Weinheim, Freiburg und Pforzheim jeweils von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Ab 21 Uhr ist dann wieder normaler Barbetrieb – genug Zeit für die Vier, jeden Abend die Exponate wieder von den Wänden zu nehmen. Schon allein des Qualms in der Raucherbar wegen. „Wir können den Künstlern nicht antun, dass ihre Bilder nach der Ausstellung nach Zigarette riechen“, sagt Miriam.

Fotos, Gemälde, Druckgrafiken, ein Film und Skulpturen sind unter den Auseinandersetzungen der jungen und weitgehend noch unbekannten Künstler mit den Todsünden vertreten. An einer Stelle hängt eine Wandleuchte neben einem Bild und einem Zeitschriftenkorb. Zwei der drei Gegenstände sind Kunst. – Welche?



Andrea Horezky aus Halle ist Designerin. Neben einem Spiegel mit abgewinkelten Facetten, der für die Todsünde Stolz steht, hat sie auch die Zeitschriftenkörbe gemacht. Egal, welches Blatt man in sie einlegt – das Fadenkreuz aus Draht wird meistens auf das Gesicht auf dem Cover zielen. Die Heftsammler sind Horezkys Auseinandersetzung mit der Todsünde Neid.

Matthias Ritzmann, ebenfalls aus Halle, hat fotografische Porträts aufgenommen – einen Gesichtsausdruck zu jeder Todsünde. Seine Bilder hängen in den beiden mit Vorhängen versehenen Separees mit Sofas, in denen sich sonst Barbesucher Privatsphäre mit dem Servicepersonal gönnen.

Wie schwer war es denn, an die Mon Petit Bar als Location zu kommen? „Überhaupt kein Problem“, erzählt Miriam. „Alle Locations dieser Art, die wir angefragt haben, waren mehr als bereit, die Ausstellung auszurichten. Sperren im Kopf oder eine Abneigung haben wir eher bei einigen angefragten Künstlern bemerkt.“

Auf die Mon Petit Bar fiel die Wahl letzlich, weil sie so zentral liegt. Aber ein bisschen auch, weil Geschäftsführer Carsten Ziemann Feuer und Flamme für die Idee war. „Uns kamen fast die Tränen, als er in einer E-Mail schrieb: ‚Wir unterstützen euch mit allem, was wir können‘, erinnert sich Miriam. Ziemann selbst nennt die Idee mit der Ausstellung: „Supergeil!“



Mehr dazu:

Was: Kunstausstellung „Sünde 7“ – Malerei, Skulptur, Fotografie, Film
Wann: 10. bis 12. Juni 2011; jeweils von 10 bis 17 Uhr
Eintritt: 3 Euro