Süddeutsche Meisterschaft im Powerlifting in der Wodanhalle: Kampf gegen die Schwerkraft

Paul Kramer

Auf den breiten Rücken der Sportler sind Aufschriften wie "Sportselite", "Powerhouse" und "Weakness is a choice" zu lesen. An den Wänden Plakate: "Dedication", "Power", "Focus". Und welch besserer Ort für Kraftsport als die Wodanhalle im Ganter Biergarten? Wo früher schwere Fässer auf die Brauereikutschen verladen wurden, hantieren die Athleten am Sonntagnachmittag mit anderen Gewichten – bis über 200 Kilogramm bewegen sie beim Bankdrücken und Kreuzheben.


Ortstermin: Süddeutsche Meisterschaften der German Raw Association, ein Kraftsportverband. Es geht um Powerlifting, auch Kraftdreikampf genannt: Bankdrücken und Kreuzheben stehen heute auf dem Programm, eigentlich gehört noch Kniebeuge dazu, aber dafür ist dieses Mal keine Zeit. In den USA ist Powerlifting  beliebt:  Eisen stemmen, Muskeln stählen, miteinander Kräfte messen ist dort Volkssport.


In Deutschland kämpfen die Athleten  um Respekt und Interesse. Heute haben sich  weit mehr als 100 Zuschauer eingefunden. Die Wodanhalle ist der richtige Ort: Ein Bild des germanischen Kriegsgotts Wodan hängt  an der Wand, die eisernen Kronleuchter erinnern an eine mittelalterliche Trinkhalle. Auf der Bühne dann die Kraftsportler , rücklings auf der Bank oder vornübergebeugt beim Kreuzheben kämpfen sie gegen die Schwerkraft.

Doch das  wollen sie hier gar nicht sein, martialische Kraftprotze, deren Welt aus Schweiß und Eisen besteht. Tatsächlich sucht man hier Hau-den-Lukas-Stimmung und Stammtischkundschaft vergeblich: Es geht um den Sport. Sie seien froh um jeden, der sich die Mühe mache, hinter die Kulissen zu schauen, sagt Markus Hoppe, mehrfacher deutscher Meister im Bodybuilding, bei seiner kurzen Rede.

Für alle hier ist Krafttraining ein Sport wie jeder andere. 38 Teilnehmer zählen die Veranstalter, darunter sechs Frauen. Die Sieger und Siegerinnen dürfen sich jetzt süddeutsche Meister nennen, auch ein Schweizer ist dabei.

Die Freiburger Brita Fritsch und Matthias Röhrich glänzen mit Bestleistungen. Zur Preisverleihung werden Nahrungsergänzungsmittel verschenkt: „Alles Doping, alles ganz gefährlich für Unwissende“, kommentiert der Ansager spöttisch. Mehr Wissende, mehr Wettkampf, mehr Sport – das wünscht man sich hier.

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[Foto: Michael Bamberger]