Süchtig nach Computerspielen? Neue Beratungsstelle in Freiburg

Dana Hoffmann

Wochenenden, die nach dem Zeitplan der World of Warcraft-Gilde geplant werden, mit dem Ego-Shooter durchzockte Nächte: wann ist Computer spielen nocht spielen, wann Sucht? Level Up!, ein Beratungsangebot des Wissenschaftlichen Instituts des Jugendhilfswerks, will Kindern und Jugendlichen, die Probleme im Umgang mit Computerspielen haben helfen. Und ihren Eltern ebenfalls.



Seit Stunden sitzt er vor seinem Computer, die Finger fliegen über die Tastatur, hektisch klickt er mit der linken Maustaste. Die Sonne hat er schon lange nicht gesehen, die Fenster des kleinen Zimmers im zweiten Stock seines Elternhauses sind mit Vorhängen verdunkelt. Sein Vater ist sauer: Schon wieder eine fünf in Mathe und der Geschirrspüler ist auch noch nicht aufgeräumt. Der Sohn knallt seine Tür zu. Er will seine Ruhe haben.


Dass dieses klischeehafte Szenario in vielen Familien Wirklichkeit ist, kann Carmen Kunz (Bild unten rechts) nur bestätigen. Die Sozialpädagogin bekommt in der Beratungsstelle des Jugendhilfswerks (JHW) in Freiburg mit, was vor allem viele Eltern beschäftigt „Wir haben in den letzten ein bis zwei Jahren enorm viele Anfragen bekommen, weil Jugendliche nur noch gezockt haben und es deshalb Stress in der Familie gab.“ Es sei ein Kreislauf, sagt Kunz: Ein Kind spielt aus Spaß Computer, steigert das Pensum immer weiter, wird dadurch schlechter in der Schule, hat deshalb Stress mit den Eltern und zieht sich immer weiter zurück – in die virtuelle Welt.

Um jungen Zockern und deren Eltern zu helfen, bietet das JHW ab kommendem Dienstag Beratungsgespräche, Gruppentreffen und Informationsveranstaltungen an.



„Level up“ heißt das Projekt, das Carmen Kunz zusammen mit zwei Kollegen vorerst bis Jahresende betreut. „Ein Level weiter kommen“, das sollte aber nicht der einzige Grund zum Computerspielen sein: „Uns geht es darum den Jungen zu zeigen: Das ist nicht die Anerkennung, die du dir holen musst.“ Dass es die nämlich auch außerhalb der virtuellen Welt gibt, sollen die Projektteilnehmer lernen: In Gruppen können die Jugendlichen diskutieren, kochen, Filme drehen – und zocken.

„Abstinenz ist nicht das Ziel“, erklärt Carmen Kunz. „Online-Spiele sind nicht generell schlecht oder böse, wie viele behaupten.“ Stattdessen sollen die Jugendlichen lernen, verantwortungsvoll und reflektiert zu handeln, also: Spielen, aber ohne Pflichten und Freuden des realen Lebens zu vernachlässigen. „Für viele artet das Ganze schon in Arbeit aus: Immer dabei sein, die besten Waffen sammeln, den Highscore knacken. Aber spielen soll doch Spaß machen.“

Aus diesem Grund gibt es bei den wöchentlichen Treffen auch keine Frontal-Vorträge, sondern zunächst gemeinschaftliches Daddeln. Thorsten Ziegler (Bild oben links) studiert Sozialpädagogik und betreut im Rahmen seiner Diplomarbeit die Gruppenarbeit. Er steht hinter der Methode: „Es wird funktionieren, weil wir an der Lebenswelt der Jugendlichen ansetzen und sie und ihr Hobby ernst nehmen. Außerdem verfolgen wir ein ganzheitliches Konzept.“

Nicht nur Spieler werden vom JHW betreut, sondern auch deren Eltern: Sie erhalten Hilfestellungen für den oft konfliktreichen Alltag und können sich im „Elterncafé“ mit anderen Betroffenen austauschen. Darüber hinaus soll es eine Vielzahl an Informationsveranstaltungen geben.

Mehr dazu:

  • Anmeldung: 0761.70361 - 11
  • Kosten: 95 Euro monatlich für das Gruppenangebot, 35 Euro pro Beratungsstunde
[Fotos: dpa; Dana Hoffmann]