StuSie: Der große Einkaufswagen-Klau

Jonas Nonnenmann

Der Filialleiter vom Pennymarkt am Bischofskreuz hat ein ernsthaftes Problem: Immer wieder verschwinden die Einkaufswagen seines Supermarkts. Nicht wenige von ihnen tauchen bald darauf in der gegenüberliegenden Studentensiedlung auf.



Sie könnten überall sein, die Wagendiebe. "Die meisten kommen wohl von dort", sagt Manuel Jost (25) und zeigt auf die gegenüberliegende Studentensiedlung. Jost ist Filialleiter des Pennymarkts am Bischofskreuz und bemerkt schon seit längerem den Diebstahl seiner Einkaufswagen.


Seit sieben Monaten ist Jost verantwortlich für den Markt. Kollegen, die länger dabei sind, haben ihre Theorien: Manche der Wagen würden als Blumenständer verwendet oder als Mülleimer, heißt es. Einmal fand eine Mitarbeiterin Einkaufswägen bei Haslach, in der Dreisam.

„Wir brauchen in zwei, drei Wochen bis zu 30 neue Einkaufswagen“, sagt Jost. Bis zu 300 Euro koste ein Wagen, „weil es sich um besonders kleine Exemplare handelt, die nicht mehr hergestellt werden.“ Macht in drei Wochen bis zu 9000 Euro Schaden. Geld, für das laut Jost die Zentrale aufkommen muss. Leidtragende sind die Kunden, wenn die Wagen nicht mehr ausreichen.



In ihrer Not ging die Filialleitung immer wieder in die Offensive – mit Aushängen in der Studentensiedlung und an den Ein- und Ausgängen des Markts. Kein Geld mehr da für neue Einkaufswagen, hieß es – mal in bittendem Ton, mal drohend. Seit dem ersten Aushang in der Stusie sind Jahre vergangen, immer wieder tauchten neue auf. In den vergangenen Wochen sogar auf Englisch.



„Dear Students“, heißt es dort, „Please bring back the private shopping trolleys.“ Ein anderer Hinweis hängt am Ausgang des Marktes. Dort ist auf einer Grafik ein Kunde mit Einkaufswagen abgebildet und im Hintergrund Hochhäuser, davor ein Stoppschild. Nicht weiter als bis zum Eingang der Stusie, soll das wohl suggerieren.

„Gebracht hat’s nichts“, sagt Manuel Jost und zuckt mit den Schultern. Eigentlich sollte man ja denken, dass die Wagen nach einiger Zeit wieder auftauchen, so Jost, aber das sei leider nicht der Fall.

Um an den bezahlten Pfandeuro zu kommen, ketten einige Clevere die Wagen einfach zusammen. Solche Zwillingswagen sieht man in der Stusie öfter, vor allem im Sommer. Und wenn die Sonne es im Flückinger See durch die Algen schafft, sieht man von der Brücke aus nicht nur Schildkröten, sondern auch den einen oder anderen versenkten Einkaufswagen.



„Die Wagen sind echt geschickt, um Sachen zu transportieren“, sagt ein Stusie-Bewohner. In der Studentensiedlung hat kaum einer ein Auto. Wenn besonders viele Einkaufswagen auf dem Stusie-Gelände stehen, schicken die Hausmeister ihre Zivis los. Die klappern dann die WGs ab und schauen gezielt auf den Balkonen, manchmal mit Erfolg. Was mit all den anderen Einkaufswagen passiert, bleibt ein Geheimnis.

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