Tief über Deutschland

Sturm Burglind wütet über Südbaden – Höllentalbahn bis Samstag gesperrt

Umgestürzte Bäume, gesperrte Straßen, Einsatzkräfte im Dauereinsatz: Sturmtief Burglind hat Südbaden im Griff. Die Höllentalbahn wurde so stark getroffen, dass Züge erst wieder ab Samstag dort fahren können.

Sturmtief Burglind hat in Südbaden seine Spuren hinterlassen: Orkanartige Böen sind am Mittwochmorgen mit mehr als 120 Kilometern pro Stunde über den Südwesten Deutschlands gefegt. Auf der 1163 Meter hohen Hornisgrinde wurde zwischen 8 und 9 Uhr eine Windgeschwindigkeit von 159 Stundenkilometern gemessen – Top-Wert in Baden-Württemberg. Damit könne man dort von einem "extremen Orkan" sprechen, hieß es beim DWD.



Beim Lagezentrum des Polizeipräsidiums Freiburg gingen die ersten Notrufe bereits um kurz vor 6 Uhr ein und hielten fortan die Mitarbeiter in Atem. Bis zur Mittagzeit verzeichnete es weit über 100 Anrufe über die Notrufnummer 110. Vielerorts blockierten umgestürzte Bäume oder andere Gegenstände, die dem Sturm nicht standhielten, eine Vielzahl von Bundes-, Land-, Kreis- und Ortsstraßen. Nach aktuellem Stand wurde lediglich ein Mensch verletzt – und das, wo zahlreiche Autofahrer Hindernissen nicht mehr ausweichen konnten. So krachten etwa bei Todtnau oder Degefelden Autofahrer in umgestürzte Bäume und blieben unverletzt. Bei Kandern traf ein Baum jedoch einen Motorradfahrer. Wie durch ein Wunder trug er nur leichte Verletzungen davon.

Sturmböen und Starkregen sorgten auf den Straßen und im Schienenverkehr in ganz Südbaden für zahlreiche Behinderungen: Am Nachmittag blockierte ein umgestürzter Baum die A5 zwischen Riegel und Teningen. Sie musste zeitweise komplett gesperrt werden. Die Feuerwehr Emmendingen war vor Ort und räumte die Straße. Gegen 15.45 Uhr konnte die Fahrbahn Richtung Karlsruhe wieder freigegeben werden, eine Viertelstunde später die gen Süden. Der Verkehr staute sich über mehrere Kilometer.

Zugstrecke Freiburg – Donaueschingen bis Samstag gesperrt

Die Höllentalbahn zwischen Freiburg und Donaueschingen ist eingestellt. Seit 12.30 Uhr gibt es einen Schienenersatzverkehr. Zwischen Titisee-Neustadt und Seebrugg stellte die Bahn gegen 8.15 Uhr vorsorglich den Verkehr der Dreiseenbahn ein, ein Ersatzverkehr sei eingerichtet. Beide Strecken sollen laut Deutscher Bahn erst wieder zum Betriebsstart am Samstag, 6. Januar, freigegeben werden. Die Strecken seien aufgrund umgestürzter Bäume stark betroffen, außerdem stünden der Bahn nur eine gewisse Anzahl an Reperaturfahrzeugen zur Verfügung. Auf der Strecke der Dreiseenbahn könne erst ab Morgen mit den Aufräumarbeiten begonnen werden.

"Die Rheintalstrecke war seit 11.10 Uhr in beiden Richtungen unterbrochen," sagte ein Sprecher der Bahn. "Zwischen Emmendingen und Denzlingen ist ein Baum in Gleisnähe umgestürzt." Am Nachmittag gegen 14.53 Uhr hieß es: Keine Störungen mehr im Fernverkehr.

Kurz nach 11 Uhr war die Breisgau-S-Bahn wegen umgestürzter Bäume im Gleis bei Freiburg-West unterbrochen worden. Diese waren bereits nach einer Stunde beseitigt, doch dann streifte ein Lastwagen die Bahnunterführung an der Breisacher Straße. Diese musste auf einen etwaigen Schaden geprüft werden. Die Deutsche Bahn hatte der Polizei zufolge um 12.23 Uhr den Zugverkehr eingestellt und konnte die Strecke erst wieder gegen 13.30 Uhr freigeben.
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Wegen umgestürzter Bäume waren mehrere Strecken gesperrt, darunter die Schwarzwaldbahn zwischen Offenburg und Donaueschingen. Ein Baum in der Oberleitung stoppte den Zugverkehr zwischen Freudenstadt und Eutingen im Gäu.

Gekappte Stromleitungen, gesperrte Straßen

Der Stromversorger Badenova meldete gekappte Stromleitungen im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald. In Stegen, Oberried und St. Peter seien Bäume umgestürzt und hätten teilweise die Stromversorgung unterbrochen. In Oberried sind der Heuberg und die Höfener Hütte ohne Strom. Deren Wirt war über Stunden von der Außenwelt abgeschnitten, Bäume versperrten die Zufahrt.

Verschiedene Leitungen sind laut Badenova-Sprecher Roland Weis in dem Bereich bereits wieder repariert und die Stromausfälle behoben. Von Blackouts betroffen waren zudem die Gemeinden Schluchsee, Eisenbach, Breitnau, Göschweiler, St. Märgen und Münstertal.
Straßensperrungen im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

K 4992 Friedenweiler-Sternhütte
B 500 Waldau-Kalte Herberge
B 500 Bärental-Schluchsee
K 4750 Oberbränd-Bräunlingen
K 4968 Schluchsee-Faulenfürst
K 4990 Ortsteil Raitenbuch von beiden Seiten nicht mehr erreichbar
(Stand: Mittwoch, 13 Uhr)

Im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald mussten zahlreiche Straßen gesperrt werden, laut Landratsamt waren die Feuerwehren im Dauereinsatz. Stand 13 Uhr wurden 217 Feuerwehreinsätze registriert. Umgestürzte Bäume, blockierte Straßen – und ein Notarztwagen, dem der Weg freigesägt werden muss: Sturmtief Burglind hielt die Einsatzkräfte vielerorts auf Trab.

Feuerwehreinsätze Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

Stand: Mittwoch, 13 Uhr
Bereich Einsätze Einsatzkräfte
Hochschwarzwald 153 250
Dreisamtal 20 94
Kaiserstuhl 16 139
Südl. Breisgau 11 110
Markgräflerland 17 99

In Kirchzarten wurden ebenfalls Bauzäune umgeweht, auch der ein oder andere Baum sowie Mülltonnen hielten den Böen Burglinds nicht Stand. Wegen umgefallener Bäume musste die Feuerwehr in March ab 11 Uhr viermal ausrücken. Auch die Bötzinger Feuerwehr musste dreimal Bäume von Straßen und Wegen wegräumen.

Revierförster Johannes Wiesler aus dem Hexental hat bereits am Morgen das ganze Revier abgelaufen und festgestellt, dass die Schäden im Wald insgesamt höher sind als bei den letzten beiden Stürmen. In der Höhe von 500 bis 800 Metern sind dort, wo Sturmböen durchgegangen sind, zahlreiche Bäume umgefallen, vor allem Flachwurzler wie Fichten, die auf dem durch den Regen durchweichten Boden schlechten Stand hatten. Zahlreiche Tannen seien abgebrochen.

Im Freiburger Stadtgebiet waren etliche Bäume umgestürzt. Die Kaiser-Joseph-Straße um den H&M an der Rathausgasse herum wurde zeitweise abgesperrt, wgen der Gefahr herunterfallender Dachziegel. Vor allem auf dem Schauinsland blies der Wind. Die Betreiber des Gasthauses Holzschlägermatte Schauinsland gaben auf Facebook bekannt: "Aufgrund des Sturms lassen wir heute die Holzschlägermatte geschlossen. Tische und Bänke fliegen auf der Terrasse umher, Bäume sind schon umgefallen und der Sturm soll heute im laufe des Tages schlimmer werden." Das Freiburger Forstamt sondierte vor Ort die Lage. Die Schauinslandstraße musste nicht gesperrt, nur an zwei Stellen freigesägt werden.

Auch im Kreis Emmendingen war die Feuerwehr im Dauereinsatz. In Kenzingen und Endingen stürzten Bäume um, zudem wurden mehrere Bauzäune durch die Luft gewirbelt. Der Kandel kann aktuell von Waldkirch aus nicht mehr erreicht werden. Es sind mehrere Bäume umgestürzt, die die Fahrbahn blockieren. Die L 186 ist deshalb von Waldkirch aus ab Altersbach bis zum Kandelgipfel komplett gesperrt. Laut Polizei wird diese bis Donnerstag 8 Uhr andauern. Vom Glottertal aus ist die Fahrt auf den Kandel derzeit noch möglich.

Das Polizeipräsidium Offenburg ging am frühen Mittag von insgesamt rund 60 Einsätzen aus, allerdings verteilt auf den gesamten Zuständigkeitsbereich zwischen Ringsheim im Süden und Rastatt/Baden-Baden im Norden. "Unser Einsatzsystem quillt über", sagte ein Polizeisprecher am Morgen. Doch der Schaden hält sich nach ersten Recherchen der BZ bislang in Grenzen. Am Sulzer Kreuz bei Lahr fiel eine Ampel um, auch die B415 zwischen Reichenbach und Schönberg musste kurzzeitig gesperrt werden. Bei Gernsbach im Norden des Präsidiums hielt ein Baum dem Sturm nicht Stand und krachte auf ein Haus. Umgestürzte Bäume gab es auch bei Biberach und Rheinau, vereinzelt flogen Dachziegel davon. Auch kippten zahlreiche Bauzäune unter den Sturmböen um. Weitgehend verschont wurde bisher die Stadt Offenburg, wo die Feuerwehr lediglich einen umgestürzten Baum im Ortsteil Fessenbach meldet. Die Ortsverwaltung übernahm die Aufräumarbeiten.

Seit 7.20 Uhr verursachte das Sturmtief zudem zahlreiche Stromausfälle im Versorgungsgebiet der Netze Mittelbaden. Sie betrafen vor allem das Kinzigtal. Von der Stadt Gengenbach ausgehend bis nach Mühlenbach, Hausach-Einbach, Nordach, Wolfach, St. Roman, Schiltach, Schenkenzell, Oberwolfach erstreckte sich demzufolge die Schneise der betroffenen Kunden. "Einzelne Leitungsabschnitte in Außenbereichen sind für uns immer noch nicht zugänglich. Hier liegen Bäume quer auf den Zufahrtswegen und müssen zuerst beseitigt werden", erläutert Matthias Böhmann von Netze Mittelbaden. "Erst dann können wir mit Reparaturarbeiten oder einer provisorischen Versorgung über Aggregate beginnen."

Auch im Kreis Lörrach hinterließ Burglind ihre Spuren: In Schwörstadt und Dossenbach fiel der Strom aus, weggefegte Bauzäune wurden aus Lörrach gemeldet, auf der B3 bei Huttingen lagen Bäume und von der Bezirkskellerei Markgräflerland war die Fassadenverkleidung abgerissen worden und drohte, auf die B3 zu stürzen. Bei Kandern schob der Sturm einen Wohnwagen auf die Straße, die Zollfreie war zeitweise gesperrt. In Schopfheim wurde der Bereich um die Friedrich-Ebert-Schule gesperrt – Dachziegel drohten herab zu fallen. In Grenzach-Wyhlen flog ein Kupferdach auf ein Nachbarhaus.

Im Landkreis Waldshut-Tiengen war die B500 sowie Kreisstraßen rund um Todtmoos, Görwihl, Albbruck, St. Blasien, Wehr und anderen Ortschaften aufgrund umgestürzter oder schräg stehender Bäume vollständig blockiert. In der Blois-Straße in Bergstadt flog ein komplettes Dixi-Klo auf die Straße. In Gurtweil stürzte ein Baum auf ein geparktes Auto – verletzt wurde auch hier wie durch ein Wunder niemand.



Der Luftverkehr an den Flughäfen Basel-Mulhouse-Freiburg und Straßburg im Elsass wurde vorläufig eingestellt. Das sagte ein Sprecher der französischen Luftfahrtbehörde DGAC am Vormittag.

Warnung vor überfluteten Kellern und Straßen

Der Deutsche Wetterdienst hatte am Mittwoch landesweite Unwetterwarnungen herausgegeben. Teilweise könnten bis zu 15 Liter Regen pro Quadratmeter in der Stunde fallen sowie Keller und Straßen überflutet werden, so die Meteorologen. Die Behörden warnten über die App Nina vor kleinen bis mittleren Hochwassern an Oberrhein und Neckar.

In Freiburg waren deshalb die Einsatzkräfte in Alarmbereitschaft. "Der Dreisampegel steigt", sagte Philipp Golecki vom städtischen Amt für Brand- und Katastrophenschutz am Morgen. Um 11.49 Uhr überschritt der Fluss bei Ebnet den ersten Hochwassermeldepegel von 1,20 Meter. Ab dieser Marke unternimmt die Marcher Feuerwehr im Gebiet westlich der Autobahn Kontrollfahrten auf dem Dreisamdamm. Und: Sobald der Pegel 80 Zentimeter erreicht, wird der Radweg gesperrt.

Starkregen überflutete zwischen Mannheim und Heidelberg zahlreiche Verkehrswege und Ackerflächen. Eine Frau prallte mit ihrem Auto in Bad Herrenalb im Kreis Calw gegen einen umgefallenen Baum, der auf der Straße lag. Sie erlitt einen Schock. Von weiteren Verletzten war zunächst nichts bekannt. Auch zu Schäden an Gebäuden gab es am Morgen noch keine Erkenntnisse.

Im Kreis Karlsruhe mussten indes Linienbusse ihre Fahrt wegen Sturms zeitweise unterbrechen. Polizisten und Feuerwehrleute seien schwer ausgelastet, hieß es in den Leitstellen der betroffenen Regionen. In Karlsruhe etwa schloss auch der Zoo wegen des Sturms, Wochenmärkte wurden abgesagt.

Forstminister Peter Hauk (CDU) warnte angesichts der jüngsten Sturmböen vor Waldspaziergängen im Südwesten – auch dann, wenn das Wetter wieder besser ist. "Waldspaziergänge können während und nach dem Sturm lebensgefährlich sein", mahnte Hauk am Mittwoch in Stuttgart. Durch das Sturmtief Burglind könnten Bäume umstürzen oder Äste herunterfallen. Regionen mit viel Schnee seien besonders gefährdet, da die Schneelast die Äste bereits geschwächt habe. "Auch wenn die Förster mit höchster Sorgfalt das ganze Jahr unsere Wälder pflegen, kann man sich auf einen solchen Sturm nicht vorbereiten."

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Wind – Sturm – Orkan

WINDSTÄRKEN werden nach der von dem britischen Admiral Francis BEAUFORT (1774-1857) entwickelten Skala berechnet. Sie reicht von 0 Beaufort (Windstille) bis zur Stärke 12 (Orkan).
BÖEN sind kräftige Windstöße, die den Zehn-Minuten-Mittelwert der gemessenen Windgeschwindigkeit für bis zu 20 Sekunden übersteigen.
STÜRMISCHER WIND (Stärke 8) erreicht eine mittlere Geschwindigkeit von 62 bis 74 Kilometern pro Stunde – gemessen in zehn Metern Höhe über freiem Gelände.
Bei STURM fegt der Wind mit einer mittleren Geschwindigkeit von 75 bis 88 Stundenkilometer über freies Gelände (Stärke 9). Bei Wind mit Tempo 89 bis 102 (Stärke 10) spricht man von einem SCHWEREN, bei 103 bis 117 (Stärke 11) von einem ORKANARTIGEN STURM.
ORKANE sind besonders heftige Stürme mit 118 Kilometern pro Stunde und mehr (Stärke 12). Sie richten oft schwere Verwüstungen an.