Stundenplan und Splatterkunst

Philipp Aubreville

Trotz Kneipentour-Abstinenz nur mäßig ausgeschlafen, begibt sich fudder-Mitarbeiter Philip am vierten Tag seiner Bachelor-Einführungswoche zur letzten Pflichtveranstaltung über Berufsfeldorientierte Kompetenzen. Doch damit ist der Tag noch lange nicht abgehakt: Nach fachschaftlicher Hilfestellung bei der Stundenplan-Zusammenstellung wird’s schließlich mit einer ebenfalls fachschaftlichen Stadtführung endlich thematisch spannend.



Als ich am frühen Morgen in die Aula des KG I schlendere, um einer Fachveranstaltung über Berufsfeldorientierte Kompetenzen beizuwohnen, freue ich mich etwa so wie ein durchschnittliches Emo-Kid. Diese fachfremden, aber verpflichtenden Kurse, so raunte es quer durch die bisherige Einführungswoche, seien schon lange belegt, die Fristen abgelaufen. Tatsächlich bestätigt die Fachreferentin, dass es für Erstsemester eher nicht empfehlenswert ist, schon jetzt BOK-Kurse zu belegen.




Die Veranstaltung, in ihrer Konsequenz nun ins ferne nächste Semester gerückt, wirkt nun vor allem als Appetizer – was die Fachreferentin beispielsweise an Kursen zum Thema Medien oder Kommunikation vorstellt, macht Lust auf mehr.

Nach diesem einstündigen Einblick nutze ich erneut das Angebot der Geschichtsfachschaft, kostenlos zu frühstücken. Der Eindruck der letzten Tage verfestigt sich hierbei mehr und mehr: Die Leute, die am Montag in meiner Gruppe waren, sind seitdem die bevorzugten Sitznachbarn und Gesprächspartner. Soviel Treue kannte ich zuletzt von Volker Finke.

Doch für derart fachfremde Gedanken bleibt mir kaum Zeit: Um 10 Uhr eile ich in einen extra angemieteten Hörsaal, um mit unserem Betreuer meinen Stundenplan abzustimmen.

Nachdem die bisher aufgekommenen Fragen geklärt sind, spiele ich ein wenig  Kanzlerkandidat und werfe im Blitzlichtgewitter meiner Kommilitonin meine Anmeldung fürs Proseminar in den dafür vorgesehenen Kasten. Wenn alles geklappt hat, hab ich die nächsten zwei Wochen erst einmal Ruhe von Anmelde- und anderen Formalitäten und kann mich auf die eigentlich Thematik konzentrieren.

Endlich thematisch wird es auch, als die Geschichtsfachschaft zur Stadtführung ruft. Vor Kurzem habe ich selbst noch eine Stadtführung für eine zugezogene Freundin gemacht, doch verglichen mit dem, was die Fachschafter Max und Mark uns bieten, könnte meine Variante als Definition von „Dilettantismus“ im Duden stehen.



Statt die Akustikversion eines Museumsführers darzustellen, sorgen die beiden mit ihren Anekdoten zur Freiburger Stadtgeschichte oftmals für Heiterkeit. So scherzt beispielsweise Max, die Legende vom stadtinternen Heirats-Zwang für Leute, die ins Bächle treten, gefalle ihm als gebürtigem Freiburger ganz gut.

Dennoch findet in den nun folgenden zwei Stunden kein Quatsch Comedy Club für Historiker statt, sondern effektive Informationsvermittlung. Ich erfahre bisher Unbekanntes über die Rätsel hinter den Bächle, das teilweise aus dem zwanzigsten Jahrhundert stammende mittelalterliche Stadtbild und den Hintergrund der Schwabentor-Bemalung.

Als wir das Münster erreichen, ist es schon fast vier. Mark, dessen Wissen zum Münster offensichtlich riesig ist, führt uns nicht nur in Romanik und Gotik, sondern auch mit Verweis auf eine Judas-Figur am Eingang in die mittelalterliche Splatterkunst ein.

Als die  Führung schließlich am Martinstor endet, fahre ich heim, um mich mental auf die vorerst letzte Kneipentour vorzubereiten. Morgen kann ich ausschlafen, bevor ich meine Einfü hrungswoche mit dem „Markt der Möglichkeiten“ ausklingen lasse.