StudiVZ klagt gegen Freiburger MatheVZ

Aljoscha Harmsen

Wieder einmal klagt StudiVZ gegen eine andere Website, die die Abkürzung VZ im Namen trägt, und diesmal kommt die Seite aus Freiburg: MatheVZ wurde von Pädagogikstudent Mathias Junker und Mechatroniker Oliver Witt ins Leben gerufen, bietet Übungsblätter an und hat keine Community-Komponente. Aljoscha hat mit Oliver Witt über den Kampf mit StudiVZ gesprochen.

Was hat StudiVZ bisher gegen MatheVZ unternommen?


Es gibt eine einstweilige Verfügung gegen unsere Seite. Deren Frist ist vergangenen Freitag abgelaufen. Wir haben aber eine Schutzschrift beim Gericht hinterlegt, die verhindert, dass ein Verfügungsbeschluss ohne eine mündliche Anhörung von uns erfolgt. Obwohl die Frist abgelaufen ist, haben wir noch nichts vom Gericht gehört. Das ist ein positives Zeichen. Aber vielleicht kommt im Laufe des Tages noch etwas. Der nächste Schritt wird jedenfalls die gerichtliche Auseinandersetzung sein.

Habt ihr versucht, euch mit StudiVZ zu einigen?

Ja. Nachdem die Abmahnung über E-Mail und dann zusätzlich per Post kam, haben wir probiert, den Geschäftsführer von StudiVZ telefonisch zu erreichen. Wir wollten fragen, ob man sich auch so einigen kann, wurden aber nur auf die Anwältin verwiesen. Diese verwies auf den Wortlaut der Abmahnung und sagte nur, dass es derzeit wohl keine Einigung geben kann. Interessant fand ich aber das Wort "derzeit".

Was spricht dafür, dass ihr vor Gericht Erfolg habt?

Wir wollten uns nicht an den Erfolg von StudiVZ anlehnen, wie andere Projekte. Wir haben ja nicht einmal eine Community. Unser System ist auf Lehrer und Referendare ausgerichtet. Für uns spricht, dass Mathias Junker die Idee, Übungsblätter, Unterrichtsentwürfe und Aufgaben online zur Verfügung zu stellen, schon vor fünf Jahren hatte, mit schulmethodik.de. Dass wir die Abkürzung "VZ" benutzen, liegt nur daran, dass wir wirklich von der Struktur her ein richtiges Verzeichnis haben. Außerdem sind wir beim Patent- und Markenamt eine eingetragene Marke. StudiVZ hätte die Zeit gehabt, Widerspruch gegen unseren Namen einzulegen, aber das haben sie nicht innerhalb der Frist getan.



Auf welches Argument setzt StudiVZ?

Die werden mit der Verkehrsgeltung der Abkürzung "VZ" argumentieren. Interessanterweise hat aber vor kurzem eine Spiegelumfrage ergeben, dass nur elf Prozent der Gefragten bei dem Kürzel "VZ" am StudiVZ denken.

Wie schätzt ihr eure Chancen ein?

Wir sind keine konkurrierende Interessengruppe für StudiVZ. Wir haben ein Schulfach, und bei den genannten Argumenten rechnen wir uns gute Chancen aus. Wir schließen aber auch nicht aus, verlieren zu können. Wenn wir verlieren, würde es uns auf jeden Fall mehr als 10 000 Euro kosten.

Was motiviert euch, gegen einen Online-Riesen wie die Holtzbrinck Verlagsgruppe als Betreiber von StudiVZ vor Gericht zu ziehen?

Wir gehen da mit dem Motto 'David gegen Goliath' hinein. Vielleicht sind wir ja der Ausnahmefall, bei dem gesagt wird: MatheVZ kann gleichzeitig laufen, weil keine Verwechslungsgefahr mit StudiVZ besteht. Würden wir gewinnen, wäre das ein Riesending für die Presse und wir würden unser Angebot auf andere Schulfächer erweitern.

Der Grund ist aber vor allem, dass wir jahrelang an einem solchen Verzeichnis gearbeitet haben, besonders Matthias Junker, und so etwas lässt man sich nicht einfach wegnehmen. Wir werden auf keinen Fall die Domain übertragen, wie es in der Abmahnung gefordert wurde. Wir haben so viel Energie in das Projekt hinein gesteckt und so viel Zuspruch bekommen; da geben wir nicht kampflos auf.



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Zur Person

Oliver Witt ist gelernter Mechatroniker und hat für MatheVZ seine Arbeitsstelle gekündigt. Er kümmert sich um die Produktion der Seite und gemeinsam mit den anderen fünf Mitarbeitern um Konzept und Organisation.