Uni Freiburg

Studierendenwerk entzieht Campus-Shirts Verkaufserlaubnis wegen Schock-Werbung

Julia Littmann

Eigentlich wollte "Campus Freiburg" am heutigen Mittwoch Pullover und Shirts in der Mensa verkaufen. Jetzt entzog das Studierendenwerk ihnen die Erlaubnis – wegen Werbung mit einem Folter-Motiv.

Ein mit Seilen gefesselter Mann, einen Sack über den Kopf gezogen bis runter auf die Schultern, steht zwischen zwei maskierten bewaffneten Frauen. Die Waffen sind orangefarbene Wasserpistolen, sogenannte Pumpguns. Die sollen signalisieren, dass das hier ein Spaßbild ist, mit dem eine Marketingaktion angekündigt wird. Das Bild erinnert dennoch manche an Droh- und Folter-Fotos von IS oder aus Abu Ghraib.


"Wir haben dabei null an Abu Ghraib oder IS gedacht – und hätten das auch nie gewollt." Campus Clothing
"Wir wollen nicht verstören", versichert einer der Verantwortlichen, sondern wir wollen für unsere Kampagnen ungewöhnliche Bilder machen, die man nicht vergisst." Der das sagt, ist einer der drei Studierenden, die mit dem eigenen Unternehmen "Campus Freiburg Clothing" Shirts von einem Modehersteller erwerben, bedrucken und vertreiben.

Am Wochenende rangierte das Foto noch weit oben auf der Facebook-Seite des Freiburger Unternehmens – und kündigte ein Verkaufs-Event am heutigen Mittwoch in der Mensa in der Rempartstraße an. Und es wurde unter Freiburger Studierenden mit Fleiß geteilt, also via Facebook weiter verschickt und kommentiert. "Was möchte die Uni für ein Image damit vermitteln?", fragt da eine Studentin.

Studierendenwerk war von dem Motiv schockiert

Die Uni lässt auf Nachfrage klarstellen, dass sie mit den hier angepriesenen Shirts und Pullovern nichts zu tun hat – sie vertreibt ihre eigenen offiziellen Produkte. "Ein bisschen schockiert von diesem Bild" zeigt sich allerdings Ulrich Stelter vom Studierendenwerk. Er hat es jedoch erst wahrgenommen, als es schon weit "runtergerutscht" war in der Facebook-Chronik. "Sonst wäre ich mit Sicherheit eingeschritten", erklärt Stelter.

Für den jungen Mann, der das kleine Freiburger Unternehmen Campus Freiburg Clothing vertritt, kommt die Kritik an dem Foto überraschend. Keinerlei Rückmeldung dazu sei bei ihnen gelandet, und er versichert: "Wir haben dabei null an Abu Ghraib oder IS gedacht – und hätten das auch nie gewollt." Die Szene sei deshalb wie alle Szenen der umfassenden Herbst-/Winterkampagne ein bisschen witzig verfremdet worden: "Die Idee war, dass alle, die dieses studentische Lebensgefühl teilen, sich zu diesem Campus-Freundeskreis zugehörig fühlen." So demonstrieren zum Beispiel auf einen anderen Foto Studierende für "Mehr Schampus für unseren Campus". Dass nun auch kritische Stimmen wahrzunehmen sind, nennt der junge Macher "einen wichtigen Hinweis".

In der Mensa werden die Shirts am Mittwoch aber nicht mehr verkauft. " Das Studentenwerk hat uns eben mitgeteilt, dass uns die Mensa Rempartstraße morgen nicht zur Verfügung steht", heißt es in einem Facebook-Post von Campus Freiburg Clothing vom Dienstagabend und hat das Verkaufs-Event in eine benachbarte Kneipe verlegt.



Das Werbemotiv ist allerdings seit Dienstagmittag von der Facebookseite verschwunden.

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