Studierende lassen sieben Bilder von Nobelpreisträgern aus der Uni mitgehen

Simone Höhl

Am Mittwoch fotografierte BZ-Fotograf Ingo Schneider zwei Studierende mit einem Riesen-Bild von Nobelpreisträger Adolf Windaus auf der Bertoldstraße. Jetzt stellte sich heraus, dass sie das Porträt aus der Uni hatten mitgehen lassen. Die Geschichte eines Missverständnisses:



Der Nobelpreisträger war gestohlen – oder genauer gesagt unerlaubt mitgenommen. Das großformatige Portraitbild von Adolf Windaus, das zwei Studentinnen am Mittwoch über die Bertoldstraße geschleppt haben, war keineswegs von der Uni ausgemustert worden. Das sagte Universitätssprecher Rudolf-Werner Dreier am Donnerstag, nachdem er ein Foto von ihnen in der BZ gesehen hatte. Sein erster Gedanke: "Auf frischer Tat ertappt."


Das Riesenportrait gehört zu einer Bilderserie von allen zehn Nobelpreisträgern, die einst an der Freiburger Uni waren. Sie waren für den großen Jubiläumsball der Uni 2007 angefertigt worden und lagerten im Keller des Kollegiengebäudes II – zusammen mit aufwendigen Dekorationen anderer Uni-Sommerbälle: große Kakteen, springende Antilopen, eine Reihe Kakadus, eine zerlegte Giraffe.

Die Nobelpreisträger waren nicht zur Ausmusterung vorgesehen

Weil die Sanierung des KG II ansteht, wollte die Uni den Keller räumen und bot ihren studentischen Theatergruppen per E-Mail an, sich bei Deko und Requisiten zu bedienen, erklärte Dreier. "Aber es wurde klar gesagt: Die Nobelpreisträger sind tabu." Die könnten schließlich vielleicht mal wieder ausgestellt werden. Am Donnerstagmorgen ging wieder eine Mail raus, erzählte Dreier: "Alles zurück, aber sofort." Die Zeit drängt: Die Studentinnen, die Chemienobelpreisträger Windaus mitnahmen, hatten erklärt, dass das Bild übermalt werden soll. "Einen Windaus würden wir nie übermalen", stellte Dreier klar.

Keine böse Absicht, sondern nur ein Missverständnis

Er sah mittags im Keller nach, ob noch ein Preisträger fehlt. Es waren gleich sieben. Übrig waren nur noch Hans Spemann (Nobelpreis für Medizin 1935), Hans Adolf Krebs (Medizinnobelpreis 1953) und Georges Köhler (Medizinnobelpreis 1984) – und zwei Bilder von Freiburgs erster Studentin Johanna Kappes. "Einmal Kappes hätten wir übrig", meinte Dreier. Auch den Maxiabzug der Waldseemüller-Karte hatte die Uni nicht zur Mitnahme freigegeben – er war noch da.

Er wurde mit den Portraits zur Seite gepackt, der Hausmeister wollte einen großen Zettel dranmachen: Nicht mitnehmen. Dreier vermutet keine böse Absicht, sondern nur ein Missverständnis, und hofft, dass die Gruppen sich melden. "Wir wollen die Nobelpreisträger einfach wieder zurückhaben – kein Drama.

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