Studierende beenden Besetzung des Audimax und ziehen zum Senat – Rektor sieht keinen Gesprächsbedarf

Felix Klingel, Daniel Laufer & Sara Li Bogenschütz

Ende der Besetzung: Am Freitag um 14 Uhr räumten die Studierenden das Audimax und zogen zum Rektorat, um dort dem Senat ihre Forderungen vorzutragen. Sie protestieren gegen Studiengebühren. Der Rektor hatte allerdings keinen Redebedarf.

Eigentlich wollten die Studierenden das Audimax bis Freitagabend besetzen. Doch zu diesem Zeitpunkt sollte schon ein Konzert von zwei Orchestern der Uni Bern in dem Hörsaal stattfinden. Die Uni Freiburg forderte die Studierenden daher auf, die Räume bis Freitag, 12 Uhr, zu verlassen.


"Die Uni hat damit gedroht, den Vorstand der Studierendenvertretung für die Besetzung zu belangen", sagt Jonas Armas vom Presseteam der Besetzer. Dieser habe, so die Aussage der Studierenden, aber nichts mit der Besetzung zu tun. Der Vorstand hatte den Raum für die Studentische Vollversammlung für den Mittwochabend gebucht. Im Anschluss fand die Besetzung statt.



Die Uni setze auf Dialog, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme. Daher sei auch kein Strafantrag gestellt und keine Räumung angeordnet worden.

Die Studierenden verließen gegen 14 Uhr das Audimax und zogen zum Rektorat. Dort tagte der Senat der Universität. "Wir wollen unsere Kritik vorbringen und uns mit dem Senat auseinandersetzen. Er soll sich gegen Studiengebühren aussprechen", sagt Armas.

Mit Parolen wie "Bildung für alle und zwar umsonst" und "Kein Gott, kein Staat, kein Rektorat" kamen sie im Rektorat an, wo gerade eine Sitzung des Senats stattfand. Lautstark protestierten die Studenten, um Einlass zu erhalten und eine Rede vor dem Senat halten zu dürfen.

Nach langen Diskussionen durfte eine Studentin am Rednerpult sprechen. "Bildung ist ein Menschenrecht", sagte sie und bekam dafür viel Beifall von ihren Kommilitonen. In ihrer Rede forderte die Studentin "ein faires Gespräch". Das kam am Freitag nicht zustande. Nach vielen Zwischenrufen der Studenten sagte Hans-Jochen Schiewer: "Ich habe ihnen bereits meinen Standpunkt erklärt." Der Unirektor schloss daraufhin die Sitzung des Senats und verließ den Raum.

Die Enttäuschung in den Reihen der Studenten war groß, manche sahen’s dennoch positiv: "Wir haben unseren Forderungen Nachdruck verleihen können", sagte ein 21-jähriger Student gegenüber der BZ.

Ob es noch weitere Besetzungen geben wird, wollen die Studierenden laut ihrem Sprecher offen lassen.
Hintergrund

Das Land Baden-Württemberg möchte Studiengebühren für Nicht-EU-Bürger und für das Zweitstudium einführen. Wissenschaftsministerin Theresia Bauer will durch diese Gebühren den auf den Wissenschaft- und Kunstbereich des Landes entfallenden Konsolidierungsbedarf von 48 Millionen Euro ausgleichen.

Studierende, die nicht aus der EU kommen, sollen ab dem Wintersemester 2017/18 etwa 1500 Euro pro Semester bezahlen. Ein Fünftel davon soll direkt an die Hochschulen gehen. Aktuell wären von dieser Regelung an Freiburger Hochschulen rund 2900 Studierende betroffen.

Auch soll ein Zweitstudium in Baden-Württemberg in Zukunft wieder Geld kosten – es geht wohl um 650 Euro pro Semester. Das Land will zudem den Semesterbeitrag, den alle Studierenden bezahlen müssen, um jeweils 10 Euro erhöhen.