Studieren mit Kind: Alltag zwischen Vorlesung und Kita

Hannah Fedricks Zelaya

Rund fünf Prozent aller Studierenden sind Eltern – in Freiburg sind das rund 1.500. Wir haben zwei getroffen. Das Fazit von Christina und Markus: Ein Studium bietet eine Flexibilität, die gut zum Leben mit kleinen Kindern passt.

Carlo kommt aufgeregt die Treppe zur Wohnung hinaufgerannt. "Schau mal Mama, wir gehen mit dem Kindergarten ins Planetarium", ruft der Fünfjährige und wedelt mit einem Zettel vor dem Gesicht seiner Mutter. Christina Vässin lacht, nimmt ihm den Zettel ab. Seit einigen Wochen ist sie im Referendariat und Carlo verbringt zwei Nachmittage in der Woche bei seiner Patentante. Sie hat ihn nach einem langen Tag gerade nach Hause gebracht.


Für studierende Eltern gibt es Ausnahmeregelungen und Sonderwege

Christina Vässin hat sich bewusst für ein Studium mit Kind entschieden. Ihr Sohn Carlo war schon ein Jahr alt, als sie vor vier Jahren ihr Lehramtsstudium an der Pädagogischen Hochschule Freiburg begann. 26 war sie da. Vielleicht, so sagt sie, hatte sie deswegen nie das Gefühl, ihr entgehe etwas: "Ich kenne das Studieren nur mit Kind." Trotzdem sei sie nicht nur zu Hause gesessen, sondern kennt auch das klassische Studentenleben: "Die Mädels, mit denen ich viel zu tun hatte, waren nicht unbedingt die harten Feierbienen, aber wir waren schon immer wieder abends weg." Am Anfang wollte sie das Studieren einfach mal ausprobieren, hat es mehr nebenher gemacht, und Carlo nur ein oder zwei Stunden in der Kindertagesstätte untergebracht. "Ich habe aber schnell gemerkt, dass die PH das war, was ich machen wollte", sagt sie.

"Insgesamt ist man während des Studiums viel flexibler als in einem festen Arbeitsverhältnis." Christina Vässin
Und es hat funktioniert. Carlo bekam problemlos und kurzfristig einen Platz in der Kita "Pusteblume" des Studierendenwerks. Dort hat sich Christina auch beraten lassen und wertvolle Tipps bekommen: "Mir wurde erst dort gesagt, dass das Jugendamt die Kosten für die Kita übernimmt. Wir mussten also in den ersten Jahren nichts dafür zahlen. Erst später, als mein Freund Philip mehr verdient hat." Der hat einen Vollzeitjob und pendelt täglich nach Baden-Baden. Was die Situation nicht unbedingt leichter macht. Trotzdem ist sie froh, dass sie zu zweit sind. "Als alleinerziehende Studentin wäre es natürlich noch viel härter."

Während des Studiums habe sie nur gute Erfahrungen mit der PH gemacht, sagt Christina. Es sei kein Problem gewesen, Kinder zu Veranstaltungen mitzubringen. "Das habe ich aber anfangs kaum gemacht, es hätte mich eher gestresst. Erst später, als Carlo ungefähr vier war, habe ich ihn manchmal mitgenommen." Als Erleichterung empfand Christina es auch, dass sie bei der Seminarvergabe meist einen Platz in den begehrten Vormittagsseminaren bekommen hat. "Ich konnte auch meine Examen splitten und die Zeit für meine Zulassungsarbeit verlängern. Das hat sehr geholfen, in drei Monaten hätte ich es niemals geschafft", erzählt sie lachend.

Ja, die Examenszeiten seien hart gewesen und auch jetzt vor dem Referendariat habe sie Respekt. "Aber insgesamt ist man trotzdem während des Studiums viel flexibler als in einem festen Arbeitsverhältnis. Außerdem gibt es noch die Semesterferien. Ich konnte immer sehr viel Zeit mit meinem Sohn verbringen", sagt sie. Auch bei typischen Studentenaktionen war er dabei: Grillen am Dreisamufer findet Carlo genauso chillig wie sie.

Markus studiert in Teilzeit

Trotz Studium und Arbeit möglichst viel Zeit mit seinen Kindern zu verbringen hat auch für Markus Wegenke erste Priorität. Markus studiert im siebten Semester Medizin, ist aber erst zum Wintersemester nach Freiburg gewechselt. Außerdem arbeitet er gleichzeitig als Sozialarbeiter. Es ist das Zweitstudium des 34-Jährigen, vorher hatte er Sozialpädagogik studiert. "Die Familie steht an erster Stelle, dann kommt das Geldverdienen, damit auch immer genug Brei auf den Tisch kommt, und erst danach das Studium", sagt er entschieden.

Seine beiden Töchter Nora und Lea sind zwei Jahre und sieben Monate alt. Auch ihre Mutter, Kristin Kling studiert: "Allerdings an der Fernuni Hagen und nur in Teilzeit. So kann ich es mir einteilen wie ich möchte. Außerdem bin ich momentan ja eigentlich noch in Elternzeit." Bevor Markus nach Freiburg gewechselt ist, hat er schon an der Uni Homburg studiert. Dort war er nach der Zentralen Vergabe gelandet und konnte erst jetzt nach Freiburg wechseln. Die Zeit vor dem Wechsel war nicht einfach für die Familie und oft turbulent. "Ich bin gependelt, zweimal die Woche nach Homburg ins Saarland. Ein Sommersemester haben wir mal in unserem VW-Bus zusammen auf dem Campingplatz verbracht, ein Wintersemester in einer Ferienwohnung. Inzwischen hat unser Bus den stolzen Kilometerstand von 354 000 Kilometer. Das war teilweise wirklich hart", sagt er.

Vor allem, weil Markus eine 40-Prozent-Stelle als Sozialarbeiter in der Schweiz hat. Es ist das Haupteinkommen der Familie, ein Umzug war daher nie eine Option.

Gelernt wird, wenn die Töchter schlafen

Seit Markus in Freiburg studiert, ist das Leben für die Familie leichter geworden. "Ich studiere in Teilzeit, das ist sehr viel entspannter. Studierende mit Kind bekommen einen individuellen Stundenplan, werden bei der Gruppeneinteilung bevorzugt und haben eine eigene Ansprechpartnerin, die alles koordiniert. Das ist schon richtig gut", sagt Markus zu seinen Erfahrungen an der Uni. Eine Beratung vom Studierendenwerk hat er nicht in Anspruch genommen, doch auch Markus sieht sich als Student im Vergleich zum vollzeitarbeitenden Vater im Vorteil: "Ich bin trotz meiner zusätzlichen Teilzeitstelle einfach flexibler." Kristin bestätigt das: "Ich hatte immer das Gefühl, dass Markus viel öfter zu Hause war als andere Väter. Er konnte auch an einem vollen Tag wenigstens kurz zum gemeinsamen Mittagessen nach Hause kommen. Er war trotz allem sehr präsent."

Wichtig findet Markus es, klare Grenzen zu setzen. "Man muss feste Lernzeiten mit der Familie ausmachen um einen Lernrhythmus zu finden. Sonst lernt man immer mal zwischendurch. Man liest ein Buch mit seinem Kind und geht dabei im Kopf Anatomievokabeln durch. So ist man weder voll bei seinem Kind, noch kann man sich auf den Lernstoff konzentrieren. Das hilft keinem." Seine Lernzeit ist abends zwischen halb neun und elf Uhr. "Alles, was da nicht rein passt, schiebe ich", sagt er mit einem Achselzucken. Denn am nächsten Morgen und nicht selten auch in der Nacht muss und will er wieder ganz für seine Töchter da sein.