Studieren mit Baby: Zwischen Kita und Hörsaal

Till Neumann

Das Bachelorstudium ist verschult, gestrafft und stressig. Der Master sogar noch schlimmer. So die Beschwerden vieler Studenten – ohne Kind. Und die mit Kind? Natalie Rinas und Dorothée Haffner machen beides: Studium und Mutter sein. Während andere auf Partys abtanzen, sitzen sie zu Hause und büffeln. Das Lächeln ist ihnen deswegen aber nicht vergangen.


[Natalie Rinas und ihre Tochter Samira]

Natalie Rinas
(25) ist Bachelorstudentin im dritten Semester. Hauptfach Spanisch, Nebenfach Portugiesisch. Ihre Tochter Samira ist drei Jahre alt, Kontakt zu Samiras südamerikanischem Vater hat Natalie kaum. Er ist in Costa Rica und arbeitet als Barkeeper. Natalie hatte ihn nach dem Abi kennen gelernt, als sie im Ausland war. In Costa Rica arbeitete sie auf einer Schildkrötenfarm und machte einen Sprachkurs.


Dorothée ist auch 25, im Studium aber schon ein ganzes Stück weiter. Sie ist im 1. Semester des Masters Deutsch-Französische Journalistik. Auch ihre Schwangerschaft kam überraschend, die Beziehung zum späteren Vater war damals ganz frisch. Sechs Monate später schrieb sie die Abschlussprüfungen ihres ersten Studiums als Diplomdolmetscherin. Gleichzeitig ließen sich ihre Eltern scheiden, eine „super schwere Zeit“, sagt sie heute.

Ihr Sohn Noa ist heute 17 Monate alt, die Beziehung zum Vater ist intakt. Zu dritt wohnen sie in der Studentensiedlung am Seepark, genau wie Natalie und ihre Tochter. Beide Mütter haben dort eine Wohnung für studierende Eltern, die ihnen vom Studentenwerk angeboten wurde. „Wir zahlen insgesamt 450 Euro für 35 Quadratmeter. Ich finde das viel zu teuer“, sagt Dorothée.


[Dorothée Haffner und ihr Sohn Noa]

Studiengebühren bezahlt sie dafür keine, genau wie Natalie. Als Studierende mit Kind können sie sich von den Studiengebühren freistellen lassen. Eine finanzielle Entlastung, von der an der Uni Freiburg aktuell weitere 553 Studierende mit Kind profitieren. In ganz Deutschland hatten im Sommersemester 2009 laut einer Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks fünf Prozent der Studierenden ein oder mehrere Kinder. Das sind 94500 Studierende.

„Mein Freund hat glücklicherweise gerade sehr viel Zeit für Noa“, sagt Dorothée. Das kommt gelegen, denn die Studentin hat außer Kind und Studium noch eine weitere Beschäftigung: Sie jobbt als Übersetzerin und Dolmetscherin. Übersetzungen macht sie jeden Tag, zum Dolmetschen ist sie zweimal im Monat für einen Tag in der Schweiz. Zur Unterstützung hat Dorothée Tageseltern gefunden, die sich um Noa kümmern. „Das ist ein großer Luxus“, sagt die Studentin.

Noa ist fast jeden Tag dort, meist von Vormittag bis Nachmittag, je nachdem, wie viel Zeit Dorothée und ihr Freund haben. Die Kosten für die Tageseltern trägt das Jugendamt. Natalie hat zwar keinen Nebenjob, doch auch sie kümmert sich nicht alleine um ihre Tochter. Ihre Mutter, die auch in Freiburg wohnt, ihr neuer Freund und viele Freunde, die als Babysitter einspringen, unterstützen sie.



Außerdem hat sie seit Dezember einen Krippenplatz für Samira. Dort wird „Sami“ unter der Woche jeden Tag von halb zehn bis zwölf Uhr betreut. Wenn die Eingewöhnungsphase vorbei ist, kann sie bis 17 Uhr bleiben. „Ich hoffe, das ist bald“, gesteht Natalie. Für Dorothée ist die größte Herausforderung  als studentische Mutter die tägliche Zeiteinteilung: „Einerseits habe ich große Lust zu studieren, andererseits möchte ich gerne auch mehr Zeit mit meinem Kind verbringen. Das Schwierigste ist, die Balance zu halten.“

Wirklich gestresst wirken die zwei Studentinnen nicht. Doch das verschulte System des Masterstudiums macht Dorothée zu schaffen. „Der Master ist eine große Herausforderung für Studenten mit Kind. Es fehlt die Flexibilität, die man beim Diplom noch hatte.“
Auch Natalie kommt mit der Situation mal besser und mal schlechter klar. „Als ich letztes Semester sechs wichtige Prüfungen schreiben musste, war es hart an der Grenze. In den Prüfungszeiten überlebe ich mit Red Bull und Schokolade“, verrät die junge Mutter.

Abstriche müssen sie beide machen –  vor allem im Privatleben. „Früher bin ich etwa zweimal die Woche abends weggegangen. Jetzt vielleicht noch einmal im Monat – wenn’s gut läuft“, sagt Dorothée mit einem Seufzer. Natalie ist zwar öfter weg, aber auch weniger als früher. „Vor allem im Sommer ist es hart, wenn alle auf der Stusiewiese sitzen und feiern. Im Winter geht’s, da muss ich nicht immer raus.“



Der Rhythmus ist mit Kind ein anderer. Wenn feierwütige Studenten nach Hause kommen, beginnt für Dorothée der neue Tag: „Mein Sohn entscheidet, wann ich aufstehe. Meist ist das so zwischen sechs und halb sieben morgens.“ Tagsüber bleibt ihr oft wenig Zeit zum Lernen. Klausuren und Referate bereitet sie deswegen nachts vor. Bei Natalie ist das schon etwas entspannter. Der Wecker klingelt für sie erst um acht. Aber auch sie lernt nachts, meistens kann sie erst gegen 22 Uhr anfangen. „Mit viel Selbstdisziplin lässt es sich schaffen“, sagt sie.

Natalie wird ihren Bachelor in Freiburg durchziehen. „Für ein Erasmus-Semester ist der Aufwand einfach zu groß.“ Bei Dorothée sieht das anders aus: Das Studienprogramm sieht vor, dass sie im zweiten Masterjahr an der Journalistenschule in Straßburg studiert. „Ich habe gehört, dass es da richtig stressig wird. Im Moment bin ich dabei, meinen Freund zu überzeugen, dass er mitkommt. Ich werde ihn dort brauchen, mehr denn je.“

Zahlen & Infos

Ergebnisse der Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks für das Sommersemester 2009:
  • 5% der Studierenden an deutschen Hochschulen haben ein oder mehrere Kinder. Das sind effektiv 94.500 Studierende. 2006 waren es noch 7%.
  • 7% der Studierenden mit Kind sind alleinerziehend. 5% in Westdeutschland, 13% in Ostdeutschland.
  • Die Mehrzahl der Studierenden mit Kind ist verheiratet (51%) oder in einer festen Partnerschaft (38%).
Krabbelstuben des Studentenwerks (Für Kinder von 1-3 Jahren):

Krabbelstube Pusteblume
60 Plätze | Halbtagsbetreuung: 110 €, Ganztagsbetreuung 170 €
Kunzenweg 17
79117 Freiburg
Telefon 0761.600934

Krabbelstube Glacisweg
60 Plätze | Vormittagsbetreuung: 120 €, Nachmittagsbetreuung: 115 €, Ganztagsbetreuung: 180 €
Glacisweg 3
79098 Freiburg
Telefon 0761.2020496

Kindertagesstätten der Freiburger Hochschulen:

Kinderkrippe Uni-Zwerge
Vormittags- und Nachmittagsbetreuung für je 10 Kleinkinder bis 2 Jahre
Vormittagsbetreuung: 280 €, Nachmittagsbetreuung: 260 €
Belfortstraße 18
79098 Freiburg
Telefon 0761.2039077

Tagesstätte UNI-Kita
50 Ganztagsplätze für 10 Kleinkinder bis 3 und für 40 Kinder von 3 bis 6
Krabbelalter: 320 €, Kindergartenalter: 185 €, Essensgeld: 50 €
Agnesenstraße 4
79106 Freiburg
Telefon 0761.274043

KITA-Miteinander
Tageseinrichtung für Kinder an der Evangelischen Hochschule
15 Plätze für Kinder im Alter von 18 Monaten bis 6 Jahren, Montag bis Freitag 7:30 bis 14 Uhr
Bugginger Straße 38
79114 Freiburg
Telefon 0761.4781231

Katholische Fachhochschule Freiburg:
Krabbelstube der Elterninitiative IKS e.V.
Vormittags- und Nachmittagsplätze für je 10 Kinder im Alter von 1 bis 3 Jahren
Karlstraße 63
79104 Freiburg
Telefon 0761.200670

Pädagogische Hochschule Freiburg:
"PH-Campinis" - flexible Kinderbetreuung
Kleinkindgruppe PH-Campinis
Alter: 2 Monate bis 3 Jahre
Betreuungszeit: Montag bis Freitag, vormittags und ganztags, ganzjährig

Spielgruppe PH-Campinis
Alter: 1 bis 8 Jahre
Betreuungszeit: Montag bis Freitag, 13 bis 18 Uhr, ganzjährig Telefon 0761.682417
gleichstellungsbuero@ph-freiburg.de 

Wickeln & Stillen:

Die Uni Freiburg bietet an verschiedenen Orten Still- und Wickelmöglichkeiten: Wickeltische und Stillgelegenheiten an der Uni Freiburg
Hilfreiches:
Mehr dazu: