Studieren auf Pump kann richtig teuer werden

Hermannus Pfeiffer

Für Banken und Finanzdienstleister sind Studierende eine lukrative Zielgruppe. Doch nicht jedes Angebot ist auch für diese attraktiv. Ein genauer Vergleich lohnt sich.



"Ich habe nach Studienende eine Schuld von mehr als 20.000 Euro", berichtet eine junge Frau, die gerade Mutter geworden ist, von ihren finanziellen Sorgen. Sie kann die Schuld nicht zurückzahlen. Die Bank will daher einen Kredittilgungsvertrag mit ihr schließen. Der ist teuer. Die erwerbslose Diplomvolkswirtin soll 9,98 Prozent Zinsen per anno über 15 Jahre zahlen ohne Sondertilgungsmöglichkeit. Alternativ wären 13 Prozent Zinsen mit Sondertilgungschance – sollte sich doch eines Tages ein lukrativer Job finden.


Ein Einzelfall? Nein. So erhob kürzlich ein Anwalt aus Kiel böse Vorwürfe gegen eine bundesweit aktive Bank. Mehrere Studenten fühlten sich von dem Institut abgezockt und wollten klagen. Allerdings halten Banken solche Vorwürfe für überzogen. Doch wie dem auch sei, solche Gerichtsfälle zeigen die Spannbreite, die der junge Markt für Studienkredite zu bieten hat. Bildungskredite können teuer sein, müssen es aber nicht.

Das günstigste Angebot hat die staatseigene KfW-Bank

Für Studierende, die weder auf Bafög noch auf finanzielle Unterstützung durch die Eltern oder ein Stipendium zurückgreifen können, bleibt nur der Studentenjob oder ein Kredit. Private Studienkredite gibt es erst seit einem Jahrzehnt. Banken reagierten damit auf die sinkende Bafög-Unterstützung durch den Staat und längere Studienzeiten. Noch gibt es Kinderkrankheiten zu beklagen, kritisiert Hartmut Schwarz. So seien viele Verträge der ersten Stunde unklar formuliert, was die Tilgung des Darlehens betrifft. Studenten müssten dann spätestens aktiv werden, wenn die Zinsbindungsfrist abläuft, rät der Finanzberater der Verbraucherzentrale Bremen. Dagegen sei bei jüngeren Verträgen "die Rückführung von vornherein klar", könnten also solche Überraschungen wie bei der jungen Mutter eigentlich nicht mehr passieren. Schwarz rät Studierenden, sich zunächst das Angebot der staatlichen KfW-Bank anzuschauen. Es gilt unter Experten als besonders studentenfreundlich und günstig. Getilgt wird zurzeit mit einem effektiven Zinssatz ab 3,1 Prozent.

Die wohl günstigste Möglichkeit für ein Studium auf Pump bietet der KfW-Studienkredit. Kredit gibt es für alle Studierenden (Deutsche, EU-Bürger oder Bildungsinländer), die an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule in Deutschland studieren, zu gleichen Konditionen. Studienfach, Einkommen und Vermögen der Eltern spielen keine Rolle. Studierende können zwischen 100 und 650 Euro im Monat beantragen. In der Regel finanziert die KfW bis zu 14 Semester. Im Unterschied zu anderen Bildungskrediten setzt die Tilgung beim KfW-Studienkredit nicht sofort, sondern erst sechs bis 23 Monate nach Studienabschluss ein. Auch Sondertilgungen sind jederzeit und ohne Gebühren möglich.

Für Studierende in fortgeschrittenen Ausbildungsphasen gibt es zudem Kurzkredite bis zu 7200 Euro, um den Abschluss zu finanzieren. Baden-Württemberger, die in Bayern oder Niedersachsen studieren, haben außerdem die Möglichkeit, neben dem KfW-Studienkredit ein Studienbeitragsdarlehen des Landes zu beantragen. Auch dies kann im ersten Schritt über die KfW-Bank erfolgen. Ab April des kommenden Jahres werden erstmals Zusatz-, Ergänzungs-, Aufbau- und Zweitstudiengänge sowie Promotionen gefördert.

Zudem sollen über den KfW-Studienkredit alle Studiengänge flexibel finanziert werden, ob in Vollzeit oder Teilzeit. Von der Ausweitung des KfW-Studienkredits, so hofft Bildungsministerin Annette Schavan, "profitieren alle, die aus dem Beruf heraus noch mal an die Hochschule zurückkehren oder mit einer Doppelbelastung wie der Kindererziehung den Mut zum Studium haben".

Der KfW-Studienkredit lässt sich recht unkompliziert im Internet beantragen: onlinekreditportal.kfw.de. Dort finden Studierende einen Antrag, den sie Schritt für Schritt ausfüllen können. Sie benötigen lediglich einen gültigen Personalausweis (oder einen anderen aktuell gültigen Ausweis/Pass) sowie eine Studienbescheinigung. Wenn alle Eingaben erledigt sind, kann online ein Vertragsangebot erstellt und ausgedruckt werden. Mit dem Ausdruck dieses Vertragsangebotes können Studierende zu einem sogenannten KfW-Vertriebspartner ihrer Wahl gehen. KfW-Vertriebspartner sind viele Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken, aber auch einige überregionale Finanzinstitute. Die Bearbeitungszeit bis zur Bewilligung dauert laut KfW-Bank in der Regel zwei bis drei Wochen.

Stipendien

Günstiger als der günstigste Kredit kommt ein Stipendium. Neben den großen Begabtenförderwerken unterstützen eine Vielzahl kleinerer Stiftungen Studenten. Mehr als 1750 fördernde Organisationen verzeichnet der Bundesverband deutscher Stiftungen. Dennoch gilt die Stipendienkultur in Deutschland noch immer als ausbaufähig; in anderen Ländern engagieren sich private Förderer und Unternehmen deutlich stärker.

Von öffentlich vergebenen Stipendien ist jedes vierte ein Deutschlandstipendium. Während es 2011 erst 5000 Studierende waren, die ein solches Stipendium in Anspruch genommen haben, sind es 2012 etwa 11.000. Sie erhalten monatlich 300 Euro an Förderung. In den Genuss kommen jedoch nur Studierende mit einer sehr guten Abiturnote. Solche Elitemodelle sind politisch umstritten und eine Reihe von Hochschulen verweigert sich.

Finanziert werden die Stipendien neben dem Bund auch von privaten Mittelgebern. Die bekanntesten Stipendiengeber sind die großen zwölf Begabtenförderwerke. Neben sechs parteinahen Stiftungen, drei religiös orientierten Förderwerken, der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung und der Stiftung der deutschen Wirtschaft ist die Studienstiftung des deutschen Volkes der größte Stipendiengeber.

Der überwiegende Teil des Geldes der Förderwerke kommt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Mehr als 150 Millionen Euro lässt sich der Bund dies jährlich kosten. Jedes Förderwerk hat eigene Bewerbungskriterien. Bei allen werden überdurchschnittliche Schul- und Studienleistungen sowie gesellschaftliches Engagement erwartet. Ausführliche Informationen zur Begabtenförderung stehen auf der Website des Bundesbildungsministeriums. Die Arbeitsgemeinschaft der zwölf großen Förderinstitutionen ist unter stipendiumplus.de zu erreichen. Das Portal aufstiegsstipendium.de informiert ebenfalls.

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