Studienplatzvergabe in Freiburg: chaotisch oder ordentlich?

Claudia Kornmeier

"Zulassungschaos", "Magna cum Chaos", "Deutsches Roulette" und "Studieren als Hürdenlauf", so titelte die Süddeutsche Zeitung in den vergangenen Wochen. Die Studienplatzvergabe an deutschen Hochschulen steht in der Kritik. Wie gut funktioniert das Bewerbungsverfahren an der Universität Freiburg?



„Das ist wie Überbuchen beim Fliegen“, sagt Michael Kraus, Leiter der Zentralstelle für studentische Angelegenheiten. Für das Fach Rechtswissenschaften gibt es 300 Plätze. Die Uni lässt 1200 Studenten zu. 200 nehmen den Platz an. Die restlichen 100 Plätze verteilt die Uni im Nachrückverfahren.


Grund für das vermeintliche Chaos bei der Studienplatzvergabe ist der Trend zu Mehrfachbewerbungen. Studenten bewerben sich an mehreren Universitäten gleichzeitig, werden mehrfach zugelassen und können nur einen Platz annehmen. Die frei gewordenen Plätze werden wegen der knappen Zeit bis zum Semesterbeginn nicht mehr alle besetzt.



Chaotisch möchte Barbara Kohoutek (Foto, daneben Michael Kraus), die Leiterin des Studierendensekretariats, die Zeit zwischen Bewerbungsschluss und Semesterbeginn nicht nennen. „Es ist stressig, aufwändig. Eben viel Arbeit in kurzer Zeit.“ Und von den restlichen 100 Plätzen für die Juristen seien bisher immer alle im Nachrückverfahren weggegangen.

Bund, Länder und Universitäten haben sich Anfang der Woche nach langem Streit geeinigt. Die ZVS soll zur Servicestelle mit Internetplattform umgebaut werden. Nimmt ein Bewerber einen Platz an, wird er für die anderen Plätze gesperrt. Den Stand seiner Bewerbung soll er im Internet verfolgen können. Wie genau das Verfahren aussehen wird, ist noch offen. Eine Ausschreibung für die Software läuft.



„Wir wollen keine Institution wie in der Planwirtschaft“, sagt Michael Kraus.

Die Vertreter der Uni wünschen, dass sich Studienanwärter über das Portal der Universität bewerben müssen und nicht bei einer anonymen Bewerbungsstelle. Nur so bestehe für die Universität die Möglichkeit, aktiv um Bewerber zu kämpfen. Kraus nennt es „Recruiting“. Den gewollten Wettbewerb zwischen den Universitäten nennt er „Wettrüsten“.

Auf den ersten Blick noch komplizierter wird das Verfahren durch Eignungsfeststellungstests, wie sie das Englische Seminar seit 2005 jedes Semester veranstaltet. Mit einem Sprachtest soll sichergestellt werden, dass Studienanfänger alle auf dem gleichen Sprachniveau einsteigen. Für die Bewerber also ein weiterer Termin, den es nicht zu verpassen gilt.



Für das Englische Seminar zusätzlicher Arbeitsaufwand bei Organisation und Durchführung des Tests. „Aber es lohnt sich“, sagt Hanna Kubowitz, die im Englischen Seminar für die Tests verantwortlich zeichnet. Die Reaktion von Dozenten und Studierenden sei durchweg positiv. Immerhin bestehen auch 80 Prozent der Teilnehmer die Prüfung. Die Ergebnisse können dank einer computerbasierten Auswertung gleich am nächsten Tag verschickt werden. Das Bewerbungsverfahren verzögert sich also nicht.

Trotz bundesweitem Chaos sind die Verantwortlichen an der Uni Freiburg also zuversichtlich, das Bewerbungsverfahren zu meistern und alle Studienplätze zu vergeben. Jetzt, zum Sommersemester, sei es sowieso eher ruhig. Der große Ansturm an Bewerbern komme erst zum Wintersemester.

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