Schauspiel

StudentischeTheatergruppe "Tapetenwechsel" eröffnet den "Studitheatersommer"

Claudia Förster

Doppeltes Lampenfieber gibt’s am Wochenende bei „Tapetenwechsel“. Die Truppe führt zum Beginn des Studitheatersommers 2017 gleich zwei Stücke auf – doppelte Arbeit für Regisseurin Katti Geighardt.

Nachdem die Theologin Schauspiel mit dem Schwerpunkt Bewegung studierte, bildet sie sich derzeit zur Theaterpädagogin aus. Vor einem Jahr gründete die 32-Jährige die Theatergruppe "Tapetenwechsel", um Regieerfahrungen zu sammeln. Nach der ersten Aufführung im vergangenen Sommer standen dann plötzlich 30 Schauspieler vor der Tür, zu viel für eine Bühnenproduktion. Unter der Bedingung, bei der Organisation unterstützt zu werden, erklärte sich Geighardt als Notlösung dazu bereit, zwei Stücke zeitgleich zu erarbeiten – die Tapetenwechsler, wie sie sich nennen, teilten sich in zwei Gruppen auf, jeweils gemischt aus alten Hasen und Bühnenunerfahrenen.

"Es ist total verrückt

und überrascht

immer wieder."

Anna Weber, Schauspielerin
"Das ist ein bewusst einmaliges, aber spannendes und gerade in der letzten Phase intensives Projekt. Bei mir steht auch privat gerade alles hinten an", sagt Geighardt. Seit Anfang Mai wird fast jeden Tag geprobt. Das erfordert von der Regisseurin starke Nerven und von den Studierenden volle Konzentration. Manchmal experimentiere sie in beiden Gruppen mit der gleichen Übung: "Ein interessanter Vergleich, gerade weil die Stücke so verschieden sind".

Besonders diese Übungen schätzt Schauspieler Benjamin Gampp: "Es ist cool, wenn wir mit Bewegungen und Gruppenbildern eine Atmosphäre aufkommen lassen. So lerne ich Theater noch mal neu kennen".

Der 24-Jährige spielt selbst in "Wir sind noch einmal davongekommen", ein Theaterstück, dass Thornton Wilder während des Zweiten Weltkriegs schrieb, und das mit einem Pulitzerpreis ausgezeichnet wurde. In drei Zeitepochen – der Eiszeit, der großen Sintflut und kurz nach einem Krieg – muss die fiktive Familie Antrobus darin diverse Katastrophen überstehen.

Thornton Wilder bewunderte die menschliche Kraft und die verschiedenen Umgangsweisen mit dem Schicksal, es gehe um Glück im Unglück, wenn man gerade noch einmal davonkommt, erklärt Katti Geighardt. "Die Zeitwechsel verdeutlichen wir durch drei theatrale Zugänge: Bei der Commedia dell’arte wird alles überbetont, in der 90er-Szene wird man vom künstlichen Glitzern und bunten Flimmern fast erschlagen. Im naturalistischen Spiel am Ende heben wir die Wahrhaftigkeit der Person hervor".

Ohne jegliche Kulisse das spezielle Flair der drei Epochen zu tragen sowie die Entwicklung eines Charakters über die Jahre darzustellen, das sei die Hürde des Stücks.

Trotz thematischer Ernsthaftigkeit mache die Komödie pfiffige Anspielungen, zum Beispiel auf die Bibel. "Man kann das Stück in viele Richtungen interpretieren", sagt Anna Weber, die seit der Gründung bei Tapetenwechsel spielt, "es ist total verrückt und überrascht immer wieder".

Eher bodenständig seien die Figuren im Stück "Die Deplatzierten", das am Freitag, 26. Mai, den Auftakt zum Spielwochenende von Tapetenwechsel bildet und die westliche Leistungsgesellschaft kritisiert.

Die Ideen zweier ähnlicher Theaterstücke wurden darin vermischt: Mehrere Hochleistungsmanager, alle etwa Mitte fünfzig, wurden von ihren jeweiligen Firmen gefeuert und sollen in einer Art Therapiekreis Trost finden – dort tauschen sie sich über ihre Erfahrungen, Ängste und Träume aus. Die Sprache ist derb und eher unpoetisch.

"Wir brechen mit dem ursprünglichen Text und erfinden eine neue Ebene mit komischen Elementen. Das Bewegungsschauspiel, mit dem wir Gefühle und Status ausdrücken, ist teilweise fast Tanztheater", erklärt Katti Geighardt ihren Regie-Ansatz.

Bemerkenswert sei, dass alle Schauspieler während der gesamten Aufführung auf der Bühne bleiben: "Es ist gar nicht so einfach, mit zwanzig einen ausgebrannten, kurz vor der Pension stehenden Manager zu verkörpern. Das erfordert höchste Konzentration und vor allem Spiellust".

Studitheatersommer

Die Theatergruppen des Freiburger Interessenverbunds für Studentisches Theater (FIST) führen in der "Theaterfistung" am Fahnenbergplatz, Friedrichstraße 39 auf. Vorverkauf montags bis freitags vor den Aufführungen bei der Mensa Rempartstraße, 11.45 bis 14 Uhr.

Tapetenwechsel mit "Die Deplatzierten" von Urs Widmer und Roland Schimmelpfennig am Freitag, 26. und Sonntag, 28. Mai sowie "Wir sind noch einmal davongekommen" von Thornton Wilder am Samstag, 27. sowie Montag, 29. Mai jeweils um 19.30 Uhr. Reservierung unter tapetenwechsel.reservierung@web.de. Eintritt 5 Euro, 3 Euro ermäßigt.

Herrn Nivollo’s kleine Schau- und Wanderbühne mit "Valerio" nach Georg Büchner am Freitag, 16. bis Sonntag, 18. Juni.

Stage Fried mit "Hin und her" von Ödön von Horváth am Freitag, 30. Juni bis Sonntag, 2. Juli.

Spieltrieb mit "Frank der Fünfte" von Friedrich Dürrenmatt von Freitag, 7. bis Montag, 10. Juli.

Klangkörperklaus mit "Werden" von Emmanuel Baumann von Freitag, 14. bis Sonntag, 16. Juli.

The Maniacts mit "1984" nach George Orwell von Freitag, 28. bis Sonntag, 30. Juli sowie von Freitag, 4. bis Sonntag, 6. August.  

Autor: cfo