Studententheaterfestival: Lust auf Theater?

Florian Schäffler

Studententheaterfestival in Freiburg: Heute beginnt die vierte Auflage des beispielhaften Bühnenprojekts der Freiburger Uni. Zehn Theatergruppen aus ganz Deutschland spielen um den Festivalpreis (Foto oben: die Freiburger Gruppe "Immoralisten"). Flo hat im Vorfeld alles Wissenswerte über das Festival zusammengetragen. Eine Vorschau mit allen Gruppen, allen Stücken und allen Terminen.



Freiburgs Theaterszene wächst. Jedes Jahr entstehen neue Gruppen Spielwütiger im Umkreis der Hochschulen, die mit viel Lust Texte auf die Bühne befördern. Ihre Stücke leben meist von einem phantastischen Dilettantismus, der durch Einfallsreichtum und Pragmatik glänzt. Da darf weder Ketchup noch Omas Unterrock fehlen, wenn es gilt, unsere Wirklichkeit nachzuahmen. Die schrille Entfaltung der Texte durch demokratische Regieführung belebt die studentische Bühne genauso, wie der besondere Hang zur Avantgarde.


Das studentische Theaterfestival (25. Mai bis 3. Juni) lädt zehn Theatergruppen ein, darunter Inszenierungen aus Oldenburg, Heidelberg und Mainz, die sich dem hiesigen Publikum in der MensaBar, im Theatersaal der Alten Uni und im Wallgraben Theater präsentieren wollen. Dreieinhalb Gruppen stammen aus Freiburg. Zusammen mit dem Wallgraben Theater, das seinen Ursprung ehemals in der studentischen Szene hat, hat John Koster vom Studentenwerk die glücklichen Teilnehmer ausgewählt. "Überzeugen soll ihre spielerische Qualität. Die Lust am Spielen und Erzählen, trotz eingeschränkter Mittel steht im Vordergrund.” Teilweise grenzt das an Exhibitionismus, teils an klassisch, schönem Sprechtheater.



Die vierte Folge des Festivals hat auch diesmal wieder ein
breites Spektrum zu bieten.

“Kleine Zweifel” (Freispiel Würzburg) werden zum Beispiel monologisch gezeigt. Gleich zu zehnt spielt dagegen das Freiburger Theaterprojekt HALL “So wild ist es in unseren Wäldern schon
lange nicht mehr”. Beide Stücke sind - zufällig - von Theresia Walser und geben einen beflügelnden Einblick in die zeitgenössische Dramenproduktion. Ebenso ist “Das Maß der Dinge” von Neil LaBute zu sehen, dessen biogenetische Lösungen zu denken geben.

Zwar zeitlos, aber doch sprachlich pathetisch aufgeladen steht das Paradebeispiel des Symbolismus' “Pelleas und Mélisande” von Maurice Maeterlinck. Erzählt wird eine Liebesgeschichte, die lieblich in den Tod führt. Die Theatergruppe versucht das Symbolische in mystische Bilder zu übertragen und eine multimediale Brücke zwischen der irdischen Begrenzung und den gesellschaftlichen Konventionen zu schlagen.

Ein witziges Duo: Der schüchterne Wolfram von Göde und der Psychiater Siegfreut Mund treffen sich auf einer Bank. “Die Liebe ist ein seltsames Stück” und ein Handwerk, das seinen Meister sucht. Drum erbarmt sich S. Mund des Leiden des jungen Göde, indem er ihn dichterisch, musikalisch und tänzerisch in die Geheimnisse der Minne einweiht - natürlich nicht ohne psychoanalytische Lusthappen.

Am Ende des Festivals muss sich die Festivaljury, bestehend aus Rebecca Esenwein (u-asta, kulturreferat), Julia Littman (Badische Zeitung) und Tim Lucas (Wallgraben Theater), den Kopf zerbrechen und entscheiden wer das Preisgeld in Höhe von 1000? verdient. “Ich hoffe”, so John Koster “dass die Theatergruppen dies als Anreiz sehen, sich aber nicht gegenseitig die Köpfe einschlagen. Höchstens vielleicht bei einer zünftigen Kissenschlacht auf dem Matratzenlager, das vom Studentenwerk für 20
Schauspieler in der StuSi eingerichtet wurde.”



OUT Oldenburger Universitätstheater

blue _moon von ekat cordes
Selma weiß, was sie will: ins Fernsehen. Fred weiß auch, was er will: eine gesicherte Zukunft. Nachdem Selma bei Big Brother abgelehnt worden ist, will sie sich ablenken und macht mit ihrem Mann Fred Urlaub. Relaxen ist nicht drin, denn Selma filmt mit ihrer Kamera alles, was sich bei drei auf keine Palme retten kann. Selma kreiert ihre eigene Show und macht ihren Mann zum ahnungslosen Kandidaten: eine pinkschrille Welt voller Pornodarsteller, sexhungriger Barkeeper, Latexfantasien, Gogo-Boys und -Girls und absurder Mutproben.
Doch plötzlich werden die Karten neu gemischt und Selma erlebt ihren persönlichen Showdown.

Vorstellungen 25.5., 21 Uhr und 26.5., 21 Uhr
Bühne MensaBar

Freispiel Würzburg

Kleine Zweifel von Theresia Walser

Wendla Teusch hat sich zu einem Gesangswettbewerb angemeldet. Sie muss mit ihren Mitbewerberinnen in einem Keller auf ihren Auftritt warten. Als die Atmosphäre aus Konkurrenzdruck, Neid und Aufgeregtheit Überhand nimmt, flüchtet sie ins Freie. Aus ihrer Unruhe heraus ruft Wendla in die windige Nacht hinein und beginnt erst zögerlich, dann immer zutraulicher, einem (imaginären) Unbekannten ihr Herz auszuschütten. Sie hadert mit spöttischem Witz über ihre Konkurrenz und Neid, redet über Sehnsüchte und Liebhaber, von ihren Wünschen, Ängsten und Hoffnungen? Mit komischen und skurrilen gespickt, gießt Theresia Walser in einer schillernd facettenreichen Sprache das Innenleben der Wendla Teusch in einen spannenden Monolog.

Vorstellungen 26.5., 21.30 Uhr und 27.5., 21.30 Uhr
Bühne Wallgraben Theater

Theater Gutmacher (Heidelberg)

Antigone von Jean Anouilh
Eteokles und Polyneikes, die Söhne des Ödipus, sind im Kampf um Theben gefallen. Kreon, der neue König von Theben, hat Eteokles, den Verteidiger der Stadt, mit einem Staatsbegräbnis bestatten las-sen, doch die Bestattung des Angreifers Polyneikes verboten. Ausgerechnet seine Nichte Antigone, die zudem Kreons Sohn Hämon versprochen ist, wagt sich der Anordnung zu widersetzen. Ein Wächter meldet König Kreon, dass sie den Leichnam ihres Bruders mit Erde bedeckt und die Bestattungsriten vollzogen hat. Zwischen Antigone und Kreon kommt es zu einer tragisch endenden Auseinandersetzung... Dieser Klassiker handelt von den zeitlosen Themen Macht, Schicksal und Wille.

Vorstellungen 26.5., 19 Uhr und 27.5., 19 Uhr
Bühne Alte Uni

Theater ad absurdum (Mainz)

Finnisch oder Ich möchte dich vielleicht berühren von Martin Heckmanns
Einsam und alleine? Keine Lust auf Kontaktanzeigen? Es geht auch anders. Ein junger Mann wartet auf ein Paket. Er hat es sich selber geschickt. Der Grund: Er will die Postbotin kennen lernen. In der knappen Stunde vor der erhofften Begegnung spielt er verschiedene Versionen der Kontaktaufnahme durch. Mal unverschämt, mal schüchtern, oder abgeklärt. Einen Anfang machen ? nur darum gehts: liebevoll, verzweifelt, komisch.

Vorstellungen 28.5., 21 Uhr und 29.5., 19 Uhr
Bühne Wallgraben Theater

Theater Augenblick (Mainz)

Pelleas und Melisande von Maurice Maeterlinck
Die auf dem mystischen Schloss lebende Königsfamilie verspürt die Allgegenwärtigkeit eines allen gemeinsam auferlegten Schicksals: den Tod. Er droht von immer näher in das Schloss zu dringen. Immer wieder macht er sich durch symbolhafte Metaphern bemerkbar und versetzt die Mitglieder des Hofes in ein Ohnmachtgefühl mit dem nun jedes einzelne Familienmitglied umzugehen hat. In atmosphä-risch spannenden Bildern zeigt dieses die Ohnmacht gegenüber dem Tod transportiert in unsere Zeit.

Vorstellungen 28.5.06, 19 Uhr und 29.5.06, 19 Uhr
Bühne Alte Uni

maniACTS (Freiburg)

Taking Sides von Ronald Harwood in englischer Sprache
Dezember 1946: Deutschland liegt in Trümmern. Die Welt ist entsetzt über das volle Ausmaß der nationalsozialistischen Verbrechen. Langsam dämmert der deutschen Bevölkerung, welchen sie sich stellen muss. Im Berlin bereitet US-Major Steve Arnold eine Verhandlung vor, die dem prominentesten deutschen Musiker, den hoch gefeierten Dirigenten Wilhelm Kopf und Kragen kosten kann. Den tatsächlichen Fall hat Harwood in diesem Drama in ein packendes Kammerstück verwandelt. Die Konfrontation lässt keinen Zuschauer gleichgültig sondern wirft am Ende Fragen auf, die uns alle betreffen: Wie verhält man sich als Einzelner in einer totalitären Diktatur? Wie hätten wir selbst gehandelt?

Vorstellungen 29.5.06, 21 Uhr und 30.5.06, 19 Uhr
Bühne Wallgraben Theater

Adrian Keller & Malte Bartz (Freiburg/ München)

Die Liebe ist ein seltsames von Adrian Keller und Malte Bartz

In einem Park, wie er in jeder Stadt vorkommt, trifft Wolfram auf den selbstbewussten Psychiater Siegfreud Mund. Dieser versucht ihm im Laufe dieses Stückes, die Kunst der Liebe, die des Frauen-Eroberns und die des selbstbewussten Auftretens nahe zu bringen. Mit Hilfe von Tanzchoreografien und Musik wird in diesem die uralte Geschichte der Liebe zu neuem Leben erweckt.

Vorstellungen 30.5.06, 19 Uhr und 31.5.06, 19 Uhr
Bühne Alte Uni

Die Immoralisten (Freiburg)

Das hohe Fenster von Raymond Chandler
Die zweifach zu ihren Gunsten verwitwete Mrs. Elizabeth Bright Murdock beauftragt den Privatdetektiv Philip Marlowe, eine ihr gestohlene Goldmünze wiederzubeschaffen. Klare Hauptverdächtige ist Linda, Ex-Showgirl und Ehefrau ihres ergebenen Sohnes Leslie. Marlowe beginnt zu ermitteln und stößt prompt auf einige frappierende Ungereimtheiten; wenig folgt ihm ein sandfarbenes Coupé. Als dann der erste Mord geschieht, verstrickt sich Marlowe zunehmend in den Netzen der Intrige... Ein Live-Hörspiel mit Kultstatus.

Vorstellungen 30.5.06, 21 Uhr und 31.5.06, 21 Uhr
Bühne Wallgraben Theater

Theatergruppe der Universität Hohenheim

Honigmond von Gabriel Barylli

Honigmond ? das ist die Geschichte der männerverschlingenden Linda, die sich vorgenommen hat, in einer Beziehung nie mehr das Opfer zu sein. Honigmond ? das ist die Geschichte der sachlichen Christine, die sich ihre Karriere und gegen ihre Beziehung entscheidet, bis zu dem Tag, an dem sich der Ex wieder bei ihr meldet. Honigmond ? das ist die Geschichte der unscheinbaren Barbara, die sich jahrelang ihren Ehemann zurückgenommen hat, nun aber Neues, Aufregendes beginnen will. Ein wunderbarer Abend für all diejenigen, die noch an den Märchenprinzen glauben.

Vorstellungen 1.6.06, 19 Uhr und 2.6.06, 21 Uhr
Bühne Wallgraben Theater

Theaterprojekt Hall (Freiburg)

So wild ist es in unseren Wäldern schon lange nicht mehr von Theresia Walser
Zwei schräge “Gesellschaften” auf einem unwirtlichen Bahnsteig: Nachts toben da die “Knaben”, die aus lauter Angst vor dem richtigen Leben das Leben nur spielen. Gewalt, Liebe und Beziehungen sind nur platte Fernseh-Klischees, mit denen sie sich auf groteske Weise die Langeweile vertreiben und gleichzeitig das Leben zur machen. wird der Bahnsteig von “gesellschaftlichen Randexistenzen”: Ehepaare, wie dem Nachmittagsprogramm von SAT1 entliehen, auf ihr neues Leben an; einem obskuren Förster wurde das Gesicht weggefressen; müffelnde Mädchen und liebestrunkene Südeuropäer treten in immer neuen Variationen auf und sind mit Walsers berühmter Sprache voller Poesie und Tiefenschärfe ausgestattet.

Vorstellungen 2.6.06, 19 Uhr und 3.6.06, 19 Uhr
Bühne Wallgraben Theater

Spielorte
Alte Universität Bertoldstraße 17
Wallgraben Theater Rathausgasse 5a
MensaBar Rempartstraße 18

Abendkasse je 30 Minuten vor Stückbeginn an den jeweiligen Spielstätten

Kartenvorverkauf
Wallgraben Theater Rathausgasse 5a, 79098 Telefon 07 61/2 56 56
Öffnungszeiten Mo-Fr 10 bis 13 h und 16-19 h
Sa durchgehend 10-19 h
So kein Vorverkauf, nur Abendkasse
online-Tickets über ReserviX www.wallgraben-theater.com

Kartenpreise:
7,- / 4,- ermäßigt
Festivalticket 35,- / 20,- ermäßigt

Website: Studentisches Theaterfestival Freiburg