Studenten forschen: Wirtschaftspolitk in der DDR (4)

Meike Riebau

Nicht nur Schüler forschen, unsere Elite-Studenten sind natürlich auch fleißig. In Folge 4 unseres Forscher-Blogs stellen wir euch deshalb einen vor: Jonathan Dinkel. Der 26-jährige Geschichts-Student arbeitet gerade an seiner Magister-Arbeit mit dem schönen Thema: Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik. Hinter dem eher bürokratisch klingenden Titel verbirgt sich eine spannende Arbeit über die Geschichte der DDR und ihren Untergang.



Jonathan Dinkel, studiert Englisch und Geschichte an der Uni Freiburg und kommt ursprünglich aus Bad Urach. Momentan arbeitet er an seiner Magisterarbeit.


Thema der Arbeit

Die sogenannte "Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik" der DDR in den 1970ern. Ich will zunächst erklären, was sich konkret hinter dem Begriff verbirgt, also: Warum betonte man die "Einheit"? Im Anschluss daran will ich klären, warum man diese Politik Anfang der 70er beschloss: Wer vertrat sie und setzte sie durch und mit welchen Argumenten?

Dazu werde ich Originalquellen untersuchen. Zuletzt soll es noch um die Frage gehen, ob  diese Politik für die Explosion der Staatsverschuldung Ende der 70er mitverantwortlich war, und damit letztlich zum Zusammenbruch der DDR beigetragen hat. Diese letzte Frage kann ich in einer Magisterarbeit natürlich nicht endgültig beantworten. Es geht eher darum, aus meinen Erkenntnissen Argumente für und wider zu destillieren, und diese dann zur Diskussion zu stellen.

Abgabetermin

8.7.2008

Wie erläuterst du das Thema einem Fachmann?

Ähnlich wie oben, nur mit mehr Fachbegriffen und weniger Hintergrundinfos, da ich davon ausgehe, dass Fachleute – in diesem Fall Historiker – vieles schon wissen. Ich erkläre die Fragestellung und baue an einigen Stellen meine eigenen Ideen ein, um ihre Reaktion darauf zu testen. Überzeugen meine Argumente die Fachleute oder fühlen sie sich zum Widerspruch herausgefordert? Und warum?

Die regelmäßige Diskussion mit anderen, die einen ähnlichen Wissensstand haben wie ich, ist sehr wichtig; Kritik ist elementar. Nur wenn meine Argumente im Widerstreit mit meinen Kommilitonen bestehen können, hat die Arbeit das Prädikat "wissenschaftlich" verdient.

Wie erklärst du das Thema deiner Mama?

Ähnlich wie oben, und mit mehr Autorität. Meine Mutter interessiert sich für Geschichte, hat aber natürlich nicht den selben Wissensstand wie ich. Deshalb erzähle ich ihr und meiner Familie gegenüber eine Geschichte, die schon den Anspruch auf Wahrheit enthält, ähnlich wie ein Lehrer seine Schüler unterrichtet. Ihre Fragen sind eher allgemein als speziell, und auch das ist wichtig: Nur wenn ich einfache Fragen beantworten kann, kann ich mich an die komplizierten heranwagen. Zudem trauen sich Laien, auch einfachste Fragen zu stellen und damit grundlegende Probleme anzusprechen, die ein Fachmann möglicherweise für banal halten und übersehen würde.

Wirst du damit Millionär?

Nein.

Warum wird unsere Erde durch deine Arbeit eine bessere Welt?

Weil es ein Thema ist, das tagesaktuelle Relevanz hat: Wenn ich einen kleinen Beitrag dazu leisten kann, den lautlosen Zusammenbruch des Kommunismus 1989/90 zu erklären, leistet das auch einen Beitrag zu aktuellen Debatten, in denen es um den Widerspruch von Wirtschafts- und Sozialpolitik geht.

Am Beispiel der BRD kann man studieren, wie Sozialpolitik funktionieren kann, am Beispiel der DDR kann man studieren, wie sie nicht funktionieren kann.

Außerdem interessiert mich das Thema. Ich strenge mich an und kann deshalb einen guten Abschluss schaffen, der mir hilft eine Stelle zu finden, ein angesehenes Mitglied der Gesellschaft zu werden und die öffentlichen Kassen nicht zu belasten.

Wie bist du auf dieses Thema gekommen?

Ich suchte ein Thema für eine Hausarbeit, und Professor Herbert schlug mir vor, über die sogenannten "Milliardenkredite" zu schreiben, die Franz-Josef Strauß 1983/84 an die DDR vermittelt hatte. Ich willigte ein, und da das Ergebnis mich und ihn zufriedenstellte, kamen wir überein, dass ich meine Abschlussarbeit über ein ähnliches Thema schreibe.

Und wie läuft's?

Bis jetzt keine außerplanmäßigen Störungen, wie es im DDR-Bürokratendeutsch heißt :-).

Was tust du gegen Denkblockaden?

Wenn ich etwas nicht verstehe, rede ich mit anderen darüber. Bei meinem Thema stoße ich zum Beispiel immer wieder auf Fachbegriffe aus der Ökonomie oder Soziologie, die ich mir dann von Freunden erklären lasse, die das studieren. Wenn das nicht weiterhilft, gibt es Fremdwörterbücher und notfalls kann ich Professor Herbert fragen, der die Arbeit betreut. Denkblockaden in dem Sinn, dass mir überhaupt nichts einfällt, hatte ich bei diesem Thema noch nicht.

Mein Antrieb als Forscher ist...

Die Neugier, etwas ganz genau wissen zu wollen.

Mein Forscher-Idol

Eine konkrete Person kann ich nicht nennen. Ich bewundere aber amerikanische Historiker, da sie zu vielen Themen die besten Bücher geschrieben haben, auch zu meinem Thema.

Meine Lebensweisheit

Eine übergeordnete Lebensweisheit habe ich nicht. Mir gefällt eine Weisheit des Philosophen Ludwig Wittgenstein: "Was sich überhaupt sagen lässt, lässt sich klar sagen; und wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen."

Was er damit genau meinte, weiß ich nicht. Aber mir gefällt der Gedanke, dass auch dieser Satz verschieden interpretiert werden kann.

Mehr dazu:

Forscher-Blog (1): Der Badewannenpieper
Forscher-Blog (2): Der No-Sweat-Helmet
Forscher-Blog (3): Wie sieht eine Protein-Struktur aus?