Streuen und Spritzen

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, dass auf unseren Straßen zuweilen tödliche Substanzen herumliegen? Wenn der Winter mal wieder kalt werden sollte, rücken in den Morgenstunden die Fahrzeuge aller Winterräumdienste aus, um die glatten Straßen zu versalzen. An Bord haben sie tonnenweise Kaliumchlorid.

Dieses Salz, das auch als Geschmacksverstärker (E508) in Lebensmitteln zum Einsatz kommt, bildet mit Wasser eine Lösung, die auch bei minus 10°C noch flüssig bleibt und die Straßen nicht vereisen lässt.

Einen etwas anderen Zweck erfüllt diese Substanz in einigen amerikanischen Bundesstaaten: Dort wird einem zum Tode Verurteilten die Giftspritze in drei Etappen verabreicht. Zuerst gibt's ein Schmerzmittel, damit der Hinzurichtende nichts merkt, dann ein Muskelrelaxantium, das die Atemmuskulatur lähmt und schließlich eine kräftige Portion Kaliumchloridlösung, die den Herzschlag stoppt.
Zusätzlich ist dieses Salz für Forensiker das am schwersten nachweisbare Toxikum, da im menschlichen Blut ein konstanter Kaliumchlorid-Spiegel zur Aufrechterhaltung der Herztätigkeit herrscht. Dieser natürliche Spiegel steigt nach dem Tod immer auf das zwei- bis dreifache an - egal, wodurch er zustande kam.