Streitgespräch: Ist ein Veggie-Day an den Freiburger Mensen sinnvoll?

Maike Sommer

An der Evangelischen Hochschule gibt es seit Juni jeden Mittwoch einen festen Veggie-Day. Ist das sinnvoll und vielleicht sogar Vorbild für die anderen Mensen? Wir haben eine Unterstützerin und einen Gegner der Idee zum Gespräch gebeten.

Der Veggie-Tag in der Mensa der Evangelischen Hochschule ist vor allem durch den Arbeitskreis Nachhaltigkeit an der EH entstanden. Statt einem vegetarischen und einem Fleischgericht gibt es nun mittwochs zwei Veggie-Menüs. fudder hat Laura Haslett, eine EH-Studentin und Mitglied des AK Nachhaltigkeit, und Ireneus Frost, einen Feinkost-Hersteller – und Gegner des Veggie-Days – zum Streitgespräch eingeladen.


fudder: Laura, wie ist der Veggie-Day an der EH entstanden?

Laura: Mit dem AK Nachhaltigkeit haben wir als ersten Schritt im AStA über eine Umsetzung des Veggie-Day abgestimmt. Da nur wenige Studierende zum Asta kommen, haben wir auch in der Vollversammlung eine Abstimmung gemacht, über die im Voraus alle Studierenden der EH informiert wurden. Bei beiden gab es eine Tendenz für den Veggie-Day.

Damit hatten wir einen Auftrag von der Studierendenschaft und haben die Verwaltung kontaktiert. Sie haben das Projekt zunächst nicht genehmigt. Ihrer Meinung nach wäre dieser Zwang gegen die demokratische Freiheit. Wir haben daraufhin ein Gegenpositionspapier veröffentlicht. Unerwartet wurde das Projekt dann doch noch genehmigt !

Ireneus, du bist nicht sonderlich begeistert von so einem Tag. Warum?

Ireneus: Meiner Meinung nach sollte sich jeder so ernähren können, wie er oder sie will. Für mich ist der Veggie-Day ein Zwang. Aber eine Ernährungsform sollte niemandem aufgezwungen werden. Das ist undemokratisch. Es sollte Optionen geben. Manche Menschen wollen und brauchen jeden Tag etwas Fleischhaltiges zum Essen. Außerdem gibt es viele, die finanziell auf die Mensa angewiesen sind.

Laura: In der Nähe der Hochschule gibt es das Begegnungshaus. Dort werden Menüs zum selben Preistarif verkauft und mittwochs werden Fleischgerichte angeboten. Außerdem haben wir im Arbeitskreis gezählt, wie viele Studierende während und vor den Veggie-Day mittwochs in der Mensa gegessen haben. Dabei gab es keine wesentliche Veränderung der Zahlen.

Manche trauen sich womöglich auch nicht mehr, öffentlich ihre Meinung zu sagen. Ireneus


Ireneus: Mein Gegenvorschlag wäre, sowohl vegane, vegetarische und fleischhaltige Gerichte anzubieten und dann wie in einer demokratischen Direktabstimmung am Ende des Tages zu überprüfen, welches Menü am häufigsten gekauft wurde. Trotz Aushängen und Abstimmungen gibt es immer Menschen, die man nicht erreicht. Manche trauen sich womöglich auch nicht mehr, öffentlich ihre Meinung zu sagen. Dafür hätte es die Möglichkeit geben müssen, anonym Stellung zu beziehn.

Laura: Das stimmt, vielleicht können wir das in Zukunft berücksichtigen. Wir haben den Veggie-Day aus ökologischen und nachhaltigen Gründen gestartet. In der Fleischproduktion entsteht sehr viel CO2 und es wird viel Land benötigt, weswegen Wälder gerodet werden. Außerdem benötigt die Fleischproduktion Unmengen von Wasser. An diesem Faktor wird im Umweltschutz nur selten angesetzt und wir können als Hochschule ein Statement setzen. Wir haben uns am ökologischen Fußabdruck orientiert. Es gibt Erhebungen darüber, wie viel CO2 ein Mensch pro Jahr maximal produzieren darf, damit das Klima nicht weiter ansteigt. In der Regel übersteigen wir alle diesen Wert.

Die Meisten kaufen, worauf sie Lust haben. Laura


Ireneus: Ich fände es besser, wenn auf dem Menüplan der Fußabdruck für das jeweilige Menü festgehalten werden würde. So kann sich jeder mit dem Umweltschutz auseinandersetzten, und sich zum Beispiel an einem Tag etwas Fleischhaltiges gönnen, aber am nächsten wieder stärker auf den ökologischen Fußabdruck achten.

Laura: Damit könnten wir aber auch als Moralapostel kritisiert werden. Eventuell regt es zum Nachdenken an, aber die meisten kaufen trotzdem, worauf sie Lust haben. Deswegen helfen bestimmte Gesetzesmaßnahmen.

Man setzt damit der Gesellschaft voraus, sie sei dumm. Ireneus


Ireneus: Umweltschutz ist richtig und wichtig. Wenn man diese Entscheidungen aber immer abgenommen und vordiktiert bekommt, setzt man der Gesellschaft voraus, sie sei faul oder dumm. Ich finde es schade, wenn man nur noch externe Entscheidungsträger hat, nach dem Prinzip: Der Herrgott wird’s schon richten.

Laura: Im Alltag hat man viele Wahlmöglichkeiten und wir sind oft von den Optionen überfordert. Viele wollen etwas verändern und nachhaltiger Leben, aber eine umweltbewusste Entscheidung kollidiert oft mit persönlichen Präferenzen. Strukturelle Vorgaben helfen, diesen Zwiespalt und die Entscheidungsüberforderung zu vermeiden.

Manchmal ist es hilfreich, die umweltbewusstere Entscheidung abgenommen zu bekommen. Laura


Ireneus: Aber wir hätten Optionen und könnten frei wählen.

Laura: Wir wollen den Studierenden ermöglichen, Fleisch essen zu können. Aber manchmal ist es hilfreich, die umweltbewusstere Entscheidung für einen Tag abgenommen zu bekommen. Außerdem wollen wir Studierende zum Nachdenken anregen. Wir hoffen, dass der Veggie-Day einen bildenden Einfluss hat.

Ireneus: Aber diese Veggie-Bewegung ist auch momentan eine Trendbewegung.

Laura: Ja natürlich. Aber es kommt auf den Beweggrund an. Vielleicht können wir auch in anderen Hochschulen einen Impuls zum Nachdenken setzten.

Es sollte eine zweigleisige Ernährungsampel eingeführt werden. Ireneus

Ireneus: Meiner Meinung nach sollte eine zweigleisige Ernährungsampel eingeführt werden: Eine beschäftigt sich mit dem Menschen und der Gesundheit und die andere mit der Natur und der Umwelt. Dann sind die Menschen informiert, können aber trotzdem noch frei entscheiden. Das fände ich auch außerhalb der Hochschule auf dem freien Markt eine gute Investition.

Laura: Wir leben leider in einer kapitalistischen Gesellschaft, in welcher der Preis steuert. Viele Menschen wählen oft den einfacheren und bequemeren Weg, was ich auch sehr nachvollziehbar finde. Eine Ökosteuer wäre gut, sodass umweltschonendere Lebensmittel im Verhältnis günstiger werden. Außerdem sollten die Ernährung und der Umweltschutz in der Bildung stärker integriert sein.

Eine staatliche Steuerung ist leider realistischer, um die Umwelt zu schützen. Eine Idee fürs nächste Semester ist vielleicht noch, das eins der beiden vegetarischen Gerichte am Veggie-Day vegan ist. Außerdem könnte die Reduzierung von Essenabfall und eine bessere Resteverwertung auch noch ein Zukunftsansatz sein.
Veggie-Day an der EH und in Freiburg

Veggie-Day ist jeden Mittwoch an der Mensa in der Evangelischen Hochschule. Es gibt dann nur vegetarische Gerichte zur Auswahl. Da es sich nur um eine Ausgabestelle des Studierendenwerks handelt, wird das Essen in einer anderen Mensa zubereitet. Weitere feste Veggie-Days sind in den anderen Mensen bisher nicht geplant. In den vergangenen Jahren gab es immer mal wieder einzelne Aktionen an den verschiedenen Mensen.

Was ist deine Meinung? Ist der Veggie-Day ein sinnvolles Instrument, um die Umwelt zu schützen, oder ist es der erste Schritt zur Öko-Diktatur? Schreib’s in die Kommentare!