Streich erhält Trainerpreis des Jahres: Mit Leib und Seele Trainer

Fabian Vögtle

SC-Trainer Christian Streich hat am Mittwoch den DFB-Preis 'Trainer des Jahres' erhalten. Die Laudatio hielt Robin Dutt. fudder-Autor Fabian Vögtle war bei der Ehrung in Bonn dabei:



Draußen am Bonner Rheinufer weht am Mittwoch Abend ein kalter Wind. Drinnen im modernen Fünf-Sterne-Hotel macht es sich der DFB um Präsident Wolfgang Niersbach mit seinen Gästen gemütlich. 22 Trainern wird im Stile eines Abiturballs feierlich die DFB-Trainerlizenz überreicht, unter ihnen Frank Kramer von Greuther Fürth sowie ehemaligen Bundesligaspielern wie Otto Addo oder Thomas Meggle.


Doch der Stargast des Abends heißt ohne Zweifel Christian Streich. Freiburgs Coach bekommt im Rahmen der Abschlussveranstaltung des 59. Fußball-Lehrer-Lehrgangs den Trainerpreis des DFB verliehen. Vor der Auszeichnung steht der 47-Jährige in seinem dunkelgrauen Anzug locker mit Trainerkollegen zusammen und fachsimpelt – natürlich über Fußball. Darunter ist auch Robin Dutt. Der heutige DFB-Sportdirektor war beim Sportclub Vorvorgänger von Streich. Von 2007-2011 trainierte er in Freiburg. Streich war einer seiner Assistenten und lieferte dem Chefcoach einige Talente aus der A-Jugend. „Da war ich damals dankbar, so ein Potential zu bekommen“, lobt Dutt den Preisträger auch prompt.

Beide Trainer kennen sich gut. Da wundert es kaum, dass Dutt am beim Festakt die Laudatio auf seinen erfolgreichen Nachfolger hält. „Es ist ja eine Auszeichnung für den Nachwuchsbereich“, erklärt Dutt und findet, dass Streich den Preis schon vor zwei Jahren verdient gehabt hätte. Denn: „Was Du jetzt machst ist das Ernten deiner Früchte.“

Der Trainerpreis des Deutschen Fußballs wird seit drei Jahren jährlich vom DFB vergeben und ist mit 10.000 Euro dotiert. Er soll neben Leistungen des Trainers im Spielbetrieb und im gesellschaftlichem Engagement vor allem auch die Nachwuchsarbeit würdigen. „Das Arbeiten im Detail ist seine Stärke“, sagt Dutt. Streich sei immer mit Leib und Seele dabei. Gerade die direkte Ansprache sei seine Spezialität: „Er versucht den Spielern zu vermitteln, wie das Spiel funktioniert, damit sie ihre Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt selber treffen können, beschreibt er den Trainerkollegen.

Streich, der nach eigener Aussage im Verein kaum jemanden über seinen „Ausflug“ nach Bonn am trainingsfreien Tag informierte, freut sich sehr über seine Auszeichnung: „Ich müsste wahrscheinlich lügen, wenn ich sage, ich nehme nicht gerne Ehrungen entgegen“. Allerdings spricht er wie gewohnt lieber über seine Jungs und die Freiburger Fußballschule, denn: „Die Ehrung gebührt natürlich all denen, die es ausgehalten haben mit mir zu arbeiten. Ich sehe diesen Preis einfach auch als Preis für die Idee und das Projekt SC Freiburg mit der Jugendausbildung.“

Der SC-Coach, der im pompösen, gläsernen Hotel den neu ausgebildeten Trainern ungewollt die Show stiehlt, hofft, dass er „einigermaßen mit dieser Komplexität“ – gemeint ist das Amt als Bundesligacoach – umgehen kann. „Bisher hatte ich fast nur Erfolg, aber es werden Misserfolge kommen, wir werden absteigen, viele Niederlagen erleiden und dann bin ich sehr gespannt auf mich, wie ich das verarbeiten und verkraften kann“, dämpft der bescheidene Südbadener die Euphorie um den SC und die Erwartungen an ihn selbst.

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[Bild: dpa]