Streetart-Check: Dr. Fuchs im Kurzporträt

Bernhard Amelung

"Tinder statt Kinder" - eines von vielen Sticker-Motiven, mit denen Dr. Fuchs seit Anfang 2015 in Freiburg auf ihre Kunst aufmerksam macht. Mit welchen Themen sie sich in ihrer Arbeit besonders beschäftigt und was ihr Pseudonym bedeutet:




Wann hast du mit Street Art angefangen?



Anfang 2015. Es gab dazu keinen konkreten Anlass, außer dass ich meine erste Idee umgesetzt  und Gefallen daran gefunden habe.

Woher kommt dein Interesse für diese Kunstform?



Die Möglichkeit, Einfälle unmittelbar umzusetzen und in Verbindung mit sozialen Netzwerken wie Facebook und Instagram direkte Rückmeldung zu bekommen und öffentlich wahrgenommen zu werden, hat dazu geführt dass ich nun Streetart mache.

Streetart findet so gesehen ja schon lange nicht mehr nur auf der Strasse statt, sondern ist multimedial. Diese Form ist für mich die derzeitige Möglichkeit, Kunst zu machen. Die Anonymität ist dabei auch von Vorteil, man traut sich, einfach mal Dinge auszuprobieren.

Wie arbeitest du?



Meine Arbeiten sind eher kleinformatig. Momentan arbeite ich vor allem mit Pailletten und Glitzer und Leds, daneben die gedruckten Sticker. Da ich kein Atelier besitze, konzentriere ich mich auf kleinere Arbeiten, die ich am Schreibtisch herstellen kann. Ich experimentiere gerne mit Streetart-untypischen Materialien.

Welche Themen beschäftigen dich in deiner Arbeit ganz besonders?



Meine Arbeiten thematisieren hauptsächlich gesellschaftliche Phänomene und Dinge, über die ich mir persönlich Gedanken mache. Manchmal, so wie mit dem Tinder statt Kinder- Sticker, treffe ich damit auch den Nerv vieler anderer Menschen.

Von wem oder was lässt du dich inspirieren?



Ein konkretes Vorbild habe ich nicht, allerdings beziehe ich mich häufig auf Net Art und Sad girl internet culture. Ich übersetze Netzphänomene in analoger Form für die Straße.

Was bedeutet dein Pseudonym?



Mein Pseudonym rührt aus meiner tiefen Verehrung von Frau Dr. Erika Fuchs. Sie ist die Übersetzerin der Donald Duck-Comics von Carl Barks und längjährige Chefredakteurin des Micky-Maus Magazins. Sie hat mit ihren Übersetzungen nachhaltig die deutsche Sprache beeinflusst („dem Ingenieur ist nichts zu schwör“) und wird von Donaldisten*innen, zu denen ich mich selbst zähle, im deutschsprachigen Raum hoch geschätzt.

Street Art ist Geschmiere. Wie stehst du zu dieser Behauptung?



Nach meiner Erfahrung wird Streetart von deutlich mehr Menschen geschätzt als man annehmen könnte. Das zieht sich auch durch alle Altersgruppen und beschränkt sich nicht nur auf junge Leute. Ich finde sie macht das Stadtbild lebendig. Wenn man einmal einen Blick für Sticker und Graffiti entwickelt und sich mit den Künstlern dahinter beschäftigt hat, entdeckt man plötzlich ein zuvor verborgenes Geschehen im Stadtbild, man sieht die gewohnte Umgebung durch eine neue Brille.

Außerdem kann ich nichts Schlechtes daran finden, graue betonwände mit bunten Bildern zu gestalten. Man muss hier auch den Unterschied zwischen Streetart und Graffiti ziehen. Streetart wird mittlerweile in Galerien verkauft, Streetart ist in meiner Wahrnehmung bereits extrem etabliert, man könnte auch sagen Mainstream, viel mehr als das klassische Graffiti, das häufiger durch Unkenntnis als Geschmiere bezeichnet wird.

Welchen (regionalen) Street Art-Künstler sollte man unbedingt kennen?



Region Freiburg: Lilo https://www.facebook.com/lilo.muller.547  Ansonsten Daumen hoch für Tuk : https://www.facebook.com/TukArts/

Mehr dazu:

 

Fotos: Dr. Fuchs

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