Streetart-Check: Boogie im Kurzporträt

Bernhard Amelung

Er hat bereits auf Tahiti im Pazifik Bilder an Wände gesprüht und verdient mit seiner Kunst inzwischen seinen Lebensunterhalt: Im Streetart-Check erklärt Boogie, woher sein Interesse für Graffiti kommt, wie er arbeitet und warum er gerne seinen Namen sprüht.



Wann hast du mit Street Art angefangen?

Erstmal vielleicht, um das ein wenig aufzuklären: Ich mache keine Streetart, sondern Graffiti. Ich weiss, dass das etwas kleinlich klingt, aber das sind zwei verschiedene Sachen. Ich hab 1994 mein erstes Piece mit Spraydose gemalt.    

Woher kommt dein Interesse für diese Kunstform?

 
Ich habe schon immer gern gezeichnet und im Unterricht meine Hefte und auch die Tische bekritzelt. Irgendwann kamen zwei Schulkameraden an und sagten, sie hätten am vorangegangenen Wochenende ein Graffiti auf der Rückseite eines Garagenkomplexes gesprüht. Das hat mich irgendwie voll fasziniert. Am darauffolgenden Wochenende war mein erstes Piece fällig. Für diese Zeit der tiefsten Provinz im Osten Deutschlands war das noch wirklich Neuland. Daher war das sowohl für mich als auch für die Passanten scheinbar kein Problem, das an einem Samstagnachmittag an einem alten Bahnhofsgebäude gut sichtbar für alle zu machen.  

Wie arbeitest du?

 
An Wänden arbeite ich generell nur Freihand mit Spraydosen und ohne Schablonen. Maximal der Untergrund wird mit Wandfarbe grundiert. Je nach Komplexität brauche ich für ein durchschnittliches Bild (ca. 5m x 2,5m) nie länger als einen Tag. Wenn du darauf anspielst, ob ich eher tagsüber male oder nachtaktiv bin, dann werde ich dir natürlich sagen, dass ich nur tagsüber und legal sprühe. Allerdings sind Graffiti und Streetart im Ursprung Kunstformen, die ungefragt entstehen und damit natürlich auch vergänglich sind. Mittlerweile ist aus der ganzen Nummer irgendwie ein großer Teil meines Lebens und auch mein Job geworden. Ich verdiene einen Großteil meines Einkommens durch Graffiti oder an Graffiti angelehnte Sachen. Ebenso bin ich durch Graffiti mittlerweile auf der ganzen Welt unterwegs. Allein im Jahr 2015 verschlug es mich nach Kopenhagen, Eindhoven, Neapel, Rom, Berlin, Moskau, Los Angeles oder auch Tahiti.  

Welche Themen beschäftigen dich in deiner Arbeit ganz besonders?

 
Grundsätzlich sprühe ich bei freien Projekten, wie 90 Prozent der anderen Graffitiwriter auch, meinen Namen. Darum geht es im Graffiti - seinen Namen zu verbreiten. Ich versuche diesem immer einen gewissen illustrativen Touch zu geben. Ich tausche gern Buchstaben mit Elementen aus, zum Beispiel ein O mit einem Donut. Ich schaue auch drauf, dass die Sachen so sauber wie möglich ausgeführt und lesbar sind. Ebenso ist ein gutes Gefühl bei der Farbgebung sehr wichtig. Allerdings sind das alles künstlerische Freiheiten, die jeder sicherlich anders für sich definiert und auch lebt.  

Von wem oder was lässt du dich inspirieren?

 
Inspiration findet überall und nirgendwo statt. Am besten ist es trotzdem, seine Scheuklappen abzulegen und offen zu sein. Wie war das: Wer nicht mit der Zeit geht, muss mit der Zeit gehen.  

Was bedeutet dein Pseudonym?

 
Boogie bedeutet Boogie.    

Street Art ist Geschmiere. Wie stehst du zu dieser Behauptung?

   
Das liegt immer im Auge des Betrachters. Wer das genau so behauptet, hat sich mit dem Thema sowieso noch nicht wirklich auseinander gesetzt. Allerdings wäre es schon recht radikal, alles über einen Kamm zu scheren. Allerdings kann man an dieser Stelle ja einfach mal die Frage in den Raum werfen: Hat sich schonmal jemand über Werbeplakate aufgeregt oder die Bevölkerung gefragt, ob sie dies denn sehen wollen?    

Welchen Street Art-Künstler sollte man unbedingt kennen?

    Wessen Wurzeln wirklich in der Streetart beziehungsweise im Graffiti liegen, ist Stefan Strumbel. Einer der mittlerweile anerkanntesten und erfolgreichsten Künstler in Deutschland. Ebenso DARE (1968 in Basel; † 2010) oder SMASH137 sind zwei feste Grössen in diesem Geschäft.

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Fotos: Dr. Boogie

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