Street Wars - Straßenkrieg im Bankenviertel

Christoph Müller-Stoffels

In London herrscht Krieg. Erwachsene Menschen jagen durch die Innenstadt und versuchen, sich gegenseitig abzuknallen - mit Wasserpistolen. Scotland Yard ist besorgt.



"Street Wars" ist eine Erfindung von Franz Aliquo. Wer sich registrieren lässt, bekommt das Photo und die Adresse eines anderen Teilnehmers ausgehändigt, den er jagen und "zur Strecke bringen" muss. Gleichzeitig muss er aufpassen, denn auch er wird gejagt und kann jederzeit aus einem Hinterhalt nass gespritzt werden. Wer trifft übernimmt das Ziel des Getroffenen. Wer nach drei Wochen übrig bleibt, bekommt 500 Pfund Preisgeld, etwa 730 Euro. Allerdings dürfte es den wenigsten um Geld gehen, sondern vielmehr um den Adrenalinkick. "Ich traue mich allein kaum noch auf die Straße", wird ein Teilnehmer von Spiegel Online zitiert, "die Aufregung nimmt einem den Atem. Das ist wie in einem Actionfilm. Es macht wahnsinnig viel Spaß."


Geschossen werden darf überall. Nur in Häusern, Bussen, U-Bahnen und Zügen ist man sicher. Gegen eine Gebühr von etwa 60 Euro kann jeder mitmachen. Die meisten Teilnehmer sind Mitte 20 bis Mitte 30, etwa 40 Prozent sind Frauen. Aliquo, der sich auch der "Oberkommandierende der Schattenregierung" nennt, ist 31 Jahr alt und verdient sein Geld im normalen Leben als Jurist einer Aktienanlage-Firma. Auch die Teilnehmer kommen zum Teil aus dem Milieu der Banker und Juristen. Gespielt wurde bislang in in San Francisco, Los Angeles, Vancouver und Wien. Bis zum 15. August dauert das Spiel in London noch an.

Angesichts der noch frischen Erinnerung an die Terroranschläge auf die Londoner U-Bahn im vergangenen Jahr zeigt sich Scotland Yard wenig begeistert. Der Anblick von Menschen, die vermeintlich mit Waffen in der U-Bahn herumlaufen, könne Urängste bei Passagieren und Angestellten auslösen, so die Befürchtung. Dabei gehört es zu den Regeln, dass gerade dort nicht gespritzt werden darf. Wenn sich einer der 180 Teilnehmer nicht daran hält, wird er disqualifiziert.

In juristischen Webblogs wird bereits gemutmaßt, dass das Spiel bald in die deutsche Finanzmetropole Frankfurt kommt. Wie überall wird auch da das Motto lauten: Stay dry.

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