Straßenmusiker beschweren sich über den kommunalen Vollzugsdienst

Carla Bihl

Am Samstag findet in Freiburg das Straßenmusik-Festival statt. Das Fest ist auch eine Reaktion auf den 2017 eingeführten kommunalen Vollzugsdienst, über dessen Methoden sich einige Straßenmusiker beschweren.

Mit dem Straßenmusik-Festival am Samstag im Stadtpark wollen Veranstalter und Musiker nicht nur die Möglichkeit bieten, außerhalb des Stadttrubels einmal der Musik zu lauschen. Die Musiker wollen vor allem auf einige Gängeleien des kommunalen Vollzugsdienstes aufmerksam zu machen.


Der Vollzugsdienst

Als 2017 der Vollzugsdienst mit elf Stadtpolizisten in Freiburg eingeführt wurde, ahnten die Straßenmusikanten wohl noch nicht, was das für sie bedeuten würde. Der Vollzugsdienst wurde eingeführt, um gegen Ordnungswidrigkeiten vorzugehen und als Reaktion auf ein sinkendes Sicherheitsgefühl in der Stadt. Nun beklagen sich einige Freiburger Straßenmusiker über die Handhabungen des städtischen Dienstes.

fudder sprach mit dem Freiburger Straßenmusikanten George Kaiser über seine Erfahrungen. Zu Beginn sei noch alles in Ordnung gewesen, damals, als noch Polizisten, statt der zweimonatig geschulten Beamten durch Freiburgs Straßen patrouillierten. Den Straßenmusikern ist es erlaubt 45 Minuten an einem Ort zu musizieren, bevor sie diesen wechseln müssen: "Früher hat man angefangen, egal ob es kurz vor der vollen Stunde war. Mittlerweile bekommt man einen wahnsinnigen Ärger, wenn man nur zwei Minuten früher beginnt und wird schikaniert", so Kaiser.

Geldstrafen und keine Unterstützung

Ebenso würden Geldstrafen angedroht. Dazu komme, dass die Beamten sehr unfreundlich seien und den Künstlern in prekären Situationen nicht helfen würden: "Als ich vor kurzem Ärger mit einer Passantin hatte und diesen weitergebeten habe, wurde ich vom Vollzugsdienst angemacht, statt Unterstützung zu bekommen." Dabei sei der Vollzugsdienst doch vordergründig gerade dafür da, anbahnende Eskalationen zu vermeiden, wie es auf der Seite der Stadt Freiburg heißt.

Die Künstler würden auf die Sekunde genau aufgefordert den Platz zu verlassen, selbst wenn sie das Lied noch nicht beendet hätten und gerade viele Menschen dastünden. Für Leute wie George Kaiser verheerend, der unter anderem von der Musik lebt. Diskriminierung und Vorurteile seien für ihn und seine Kollegen jetzt Alltag: "Man fühlt sich wie ein Krimineller. Es kommt mir vor, als würden sie Vorurteile legal ausleben."



Wunsch nach offenem Gespräch

Dazu kämen Geschichten von angeblicher Ruhestörung, die seitens der Geschäftsleute, die dies gemeldet haben sollen, den Straßenmusikern nicht bestätigt werden konnten. George Kaiser wünscht sich, dass es wieder wie früher wird. Ebenso erhofft er sich ein offenes Gespräch, bei dem er sich gerne mit den Angestellten des Vollzugsdienstes unterhalten würde.

Standpunkt der Stadt

Ruhestörung bestünde allerdings sehr wohl, heißt es seitens der Stadtsprecherin Martina Schickle gegenüber der BZ: "Diese Missstände sind bei der Überprüfung auch nicht von der Hand zu weisen." Über das Verbot lauter Instrumente und Tonverstärker würde sich hinweggesetzt. Zudem verweist die Stadtverwaltung auf Vorgaben, an die die Musiker sich zu halten hätten. Anders als von den Straßenkünstlern behauptet, gäbe es beim musizieren für die Musiker eine zeitliche Toleranzgrenze und es werde nicht ein apprubter Abbruch gefordert, so Schickle. Trotzdem würde die Zeit nicht eingehalten.
Was: Straßenmusik-Festival Freiburg
Wann: Samstag, 1. September, 15 bis 18 Uhr
Wo: Stadtgarten Freiburg
Eintritt: frei
Facebook: Facebook-Veranstaltung

Organisiert wird die Veranstaltung von Multicore Freiburg. Zu sehen sein werden neben George Kaiser auch Taio Boumort, Ben Bronson, Beni Feldmann und Saitenstreich.