Straßenbahn in Freiburg entgleist: Linien 3 und 5 stundenlang gesperrt

Alexandra Sillgitt

Eine entgleiste Straßenbahn hat die VAG-Betriebsleitung am Dienstagabend auf Trab gehalten. Mehrere Stunden dauerte es, die Tram mit Muskelkraft und Gefühl zurück aufs Gleis zu hieven.



Schrecksekunde für die Passagiere der Linie 5 Richtung Rieselfeld: Gegen 19.40 Uhr macht es am Dienstag kurz vor der Haltestelle Heinrich-von-Stephan-Straße "Rumms" - und die Tram sprang aus dem Gleis. "Vor allem die älteren Leute an Bord erschraken", berichtet Alinda Weimer der Badischen Zeitung. Die 19-Jährige war gerade wie so viele andere an diesem Dienstagabend auf dem Heimweg von der Arbeit, als es zu dem Zwischenfall kam, der die Linien 3 und 5 zwischen Holzmarkt und Pressehaus in beide Richtungen für mehrere Stunden unterbrach. Weimer zufolge reagierten die Menschen in der vollbesetzten Tram ruhig, schnell sei ein Ersatzbus da gewesen, der sie weitertransportierte.




Schnell vor Ort war auch VAG-Betriebsleiter Johannes Waibel. "Ein Fahrfehler hat das hier verursacht", gibt er zerknirscht zu. Demnach musste wegen eines Unfalls an der Ecke Basler-/Günterstalstraße die Tramstrecke kurzzeitig gesperrt werden. Die Folge: An der Haltestelle Heinrich-von-Stephan-Straße mussten die Straßenbahnen über eine Weiche das Gleis wechseln. Der Führer der verunglückten Tram habe dafür zurückgesetzt, gleichzeitig aber einen Kollegen aus der Gegenrichtung noch durchlassen wollen - und plötzlich stand die Straßenbahn teilweise auf dem Grünstreifen. Verletzt wurde dabei niemand.

Weil die Bahn wie eine Ziehharmonika auf der Strecke stand, konnten auch die Trams aus der Gegenrichtung die Stelle nicht passieren. Während der Streckensperrung kam es kurzzeitig zu einem Stra.enbahnstau, die VAG richtete einen Ersatzverkehr mit Bussen ein.

VAG-Betriebsleiter Waibel rückte mit einem fünf Mann starken "Eingleistrupp" an, um die Tram mit der Nummer 231 wieder aufzugleisen. Dabei bewiesen sie, dass Handarbeit und Muskelkraft motorisierter Stärke vorzuziehen ist: Sie zogen und kurbelten, pressten und schoben die Tram Millimeter um Millimeter mit viel Gefühl und hochroten Köpfen von der Stelle - und das unter Flutlicht, extra aufgestellte Scheinwerfer sorgten für die perfekte Sicht. Erst bockten sie den Waggon auf beiden Seiten mit Wagenhebern auf, legten eine Metallplatte unter die Räder, ließen die Tram herunter und schoben sie sacht zur Seite, bis die Platte endete. "Das machen wir lieber einmal mehr als einmal zu wenig", so der VAG-Betriebsleiter. "So geht nichts kaputt."

Größtes Problem bei der Aktion: Die Straßenbahn war in einer leichten Kurve aus dem Gleis gesprungen, was die Bergung erschwerte und in die Länge zog. Ob an der Tram ein schwerer Schaden entstanden ist, soll bei einer Inspektion in der Werkstatt am Mittwoch geklärt werden.

Mehr dazu: