Aufregen ist ihr Hobby

Straight Pride, Samen für alle – wieso so viel Gegenwind?

Dita Whip

In Boston demonstrieren Menschen für heterosexuelle Partnerschaften, in der Schweiz sollen Frauenpaare mit der Ehe für alle keinen Zugang zu Samenspende bekommen. Was soll das alles, fragt sich fudder-Kolumnistin Dita Whip.

Es ist wieder diese Zeit: Die Zeit, in der sie durch die Straßen laufen, Plakate hochhalten und zu Musik feiern. Wer jetzt meint, es gehe um einen CSD, sei eines besseren belehrt. Es geht um Menschen, die sich verhalten wie kleine Kinder. Es geht um die "Straight Pride", die vor einigen Tagen durch Boston zog. Dass dies der Stadt selbst hart gestunken hat, ist keine wirkliche Überraschung. Während also White Nationalists, White Supremacists und Trump Unterstützer*innen Hand in Hand (natürlich nur oppositär geschlechtlich) durch die Straßen zogen, zeigte sich am Straßenrand Verwirrung, Nicht-Einverstanden sein und Ablehnung. Zu Recht!


Aber es wären ja keine echten Wirrköpfe, die sich weiter an patriarchal-heteronormativen Ideen festkrallen, wenn man sich von Gegenprotesten mit validen Argumenten abhalten lassen würde. Beseelt von dem irrsinnigen Glauben, dass Heterosexuelle eine diskriminierte Gruppe darstellen, zog die Parade der Aluhüte durch die Stadt und macht optisch klar: Es ist nicht gut keine Schwulen zu kennen, die davon abraten so durch die Stadt zu tingeln. Aber gut, wen interessiert diese Zusammenhangslosigkeit, fehlende Substanz und mittelalterliche Argumentation, wenn man nach so einer Demonstration wieder nach Hause gehen und vor einem "Lesbenporno" amüsieren kann?

Keine Fetische auf CSDs? Das ist Anpassungswahn!

Neuerdings flammt die Debatte wieder auf, ob Fetische wirklich auf die CSDs gehören. Während mir allein schon beim Hören der Frage, die Metallteile des Harness vor Wut-Hitze zu glühen beginnen, freuen sich andere, das ihrem Normierungswahn doch nun endlich wieder Aufmerksamkeit zukommt. Anpassungswütige Queers wissen ganz genau, dass nur mit Zurückhaltung, Anpassung und Nachahmung der Heteronormativität, Akzeptanz und Toleranz kommt. (An dieser Stelle braucht es übrigens keinen Witz mehr, manchmal erledigt die Ironie meinen Job für mich.)
Gendersternchen*
Normalweise verzichten wir für bessere Lesbarkeit auf das Gendersternchen*. Hin und wieder und wenn das Thema passt, wollen wir aber unsere Lesegewohnheiten hinterfragen – dann handhaben wir das anders.

Nur eine kurze Frage dazu: Gibt es bei CSDs dann in Zukunft eine Art Fetish Türsteher? Kommt dann Sven Marquardt aus Berlin angereist und sagt zu jeder Person in Fetish Kluft: "Sorry, heute nicht!"?

Samen für alle?

Wo wir gerade bei "Sorry, heute nicht" sind, werfen wir doch mal einen Blick in die Schweizer Nachbarschaft. Dort werden zwar gerade die Weichen für die Ehe für Alle gestellt, allerdings gibt es da ein kleines Problem bezüglich des Zugangs zur Fortpflanzungsmedizin. Mit dem Slogan "Samen für Alle" demonstrieren LGBTIQA Aktivist*innen dafür, dass zukünftig verheiratete lesbischer Paare, zur Samenspende greifen können um ihre Familienplanung in die Tat umzusetzen. Denn Frauenpaare sollen voraussichtlich auch in Zukunft keinen Zugang zur Samenspende bekommen. Liebe Schweiz: Das ist doch Käse! (Haha, Schweiz – Käse, nicht jeder Witz ist ein Gewinner.)

Betrachtet man das Problem genauer, dürfte schnell auffallen, dass wirklich eine Grenze überschritten wurde. Gebt bitte lesbischen Paaren den Zugang zur Fortpflanzungsmedizin. Was ansonsten passiert, mag man sich nicht vorstellen. In meiner Welt wird eben diese durch Lesben – der vernünftigste Strang der Menschheit – heimlich regiert. Anders kann ich mir nicht erklären, wie unser globales Irrenhaus am Ende doch noch so halb funktioniert. Wenn Lesben keinen Zugang zur Samenspende bekommen, dann sollte man diesen doch auch den Teilnehmer*innen einer Straight Pride verwehren. Damit wäre sogar mal etwas Positives getan.

Positive Nachrichten - wir brauchen euch

Wir benötigen positive Entwicklungen im Moment wirklich dringend. Zwischen Greta Bashing, Klimawandel-Diskussionen und den idiotischen Tweets einer Orange aus dem Weißen Haus, brauche vor allem ich mal einige erfreuliche Nachrichten aus dem Äther.

Wie wäre es denn zum Beispiel damit, die Partner*innen von Trans*Personen nicht mehr zu stigmatisieren, oder gleich, die Stigmatisierung und Ausgrenzung von Trans*Personen (auch in der Community) zu beenden? Oder Eltern, die der Hochzeit ihres Kindes fernbleiben, weil es queer ist, so an den öffentlichen Pranger zu stellen, bis ihnen die eigene Bigotterie bewusst wird? Wie wäre es mit dem Entzug der Sendezeit von Moderator*innen, die im TV Geschlechterstereotypen manifestieren und sich über non-binary Menschen lustig machen?

So viele Themen zu besprechen und so wenig Zeit. Ich habe das Gefühl, mir einen Orden verdient zu haben, dass ich mir solch Idiotie täglich über verschiedenste Kanäle antun muss... und das meist sogar nüchtern. Ich gönne mir jetzt ein Glas Weißwein.