Sternschnuppennacht 2017: Wann und wo Du in der Nacht auf Samstag die besten Sternschnuppen siehst

Felix Klingel

In der Nacht von Freitag auf Samstag regnet es wieder Sternschnuppen! Woher die Sternschnuppen kommen, aus was sie bestehen und wo man sie am besten sieht, erklärt Thomas Presper, Leiter des Planetarium Freiburg, im Interview.

Herr Presper, warum gibt es eigentlich die jährliche Sternschnuppennacht?

Thomas Presper: Man kann das ganze Jahr über Sternschnuppen sehen – aber eher vereinzelt. Doch manchmal fallen Sternschnuppen gehäuft. Es gibt bestimmte Zeiten, da kommen Sternschnuppenströme vorbei – dann gibt es besonders viele zu sehen.

Diesen Samstag ist es wieder soweit …

… ja, die Erdbahn kreuzt dann den Sternschnuppenstrom der Perseiden. Dieser Strom ist eine Hinterlassenschaft eines Kometen. Die bestehen aus Eis und Staub. Wenn ein Komet in Sonnennähe kommt, verdampft das Eis und der Staub löst sich. Dieser Staub verteilt sich auf der Kometenbahn.

Wie kommt es dadurch zu so vielen Sternschnuppen?

Wenn die Erde so ein Staubband durchstößt, fallen die Teilchen in die Erdatmosphäre. Die haben dann schon so 10 bis 15 Kilometer pro Sekunde drauf, also eine ordentliche Geschwindigkeit. Bei der Kollision mit der Erdatmosphäre verglüht der Staub vollständig. Was wir dann als Sternschnuppen sehen, ist die Luft, die durch die Energieabgabe ionisiert, also zum Leuchten angeregt wird.

Auch vor Freitagnacht gibt es schon viele Sternschnuppen zu sehen – warum?

Das Staubband der Perseiden ist natürlich nicht ganz eng, sondern verteilt sich im Weltraum. Bis die Erde da durch ist, das dauert eben einige Tage. Samstagnacht ist nur der Höhepunkt.

Was sind die besten Bedingungen, um Sternschnuppen zu sehen?

In den noch dunklen Morgenstunden am Samstag ist die Chance am besten. Dieses Jahr haben wir aber das Problem, dass der Mond sehr hell ist. Die schwächeren Sternschnuppen kann man so vermutlich nicht sehen. Wer aber einen dunklen Standort hat mit klarer Luft wie im Hochschwarzwald, der hat trotzdem gute Chancen.

Also lieber raus aus Freiburg, wenn man etwas sehen möchte?

Ja, am besten sucht man sich dann noch eine Bergwiese mit Rundumblick. Im Optimalfall hat man einen Liegestuhl dabei und schaut ganz gemütlich zu. Manchmal hat man Glück und es kommen in zehn Minuten schon drei bis vier besonders helle Sternschnuppen. Manchmal kommt aber auch eine Dreiviertelstunde nichts. Da muss man Geduld haben.

Sind Sternschnuppen gefährlich für die Erde?

Nein, die verursachenden Teile sind ja sehr klein. Wir sprechen von einem Zehntel Millimeter, also wirklich Staubkorngröße. Der Effekt kommt von der großen Geschwindigkeit.

Was ist mit größeren Objekten, die ja auch ab und zu auf die Erde zufliegen?

Das gibt dann schon einen deutlich größeren Effekt, aber das ist natürlich auch viel seltener. Das Gefährliche daran ist, dass sich solche Objekte nicht ankündigen. Der letzte wirklich große Meteor ging vor einigen Jahren im russischen Tscheljabinsk runter, der hatte schon einige Meter Durchmesser. Das kann man kaum voraussagen.

Wenn jemand diesen Freitag keine Zeit hat – gibt es noch andere Sternschnuppenströme?

Ja, es gibt zum Beispiel noch die Leoniden, die im November zu sehen sind. Nur im Winter geht man nun mal ungerne nachts raus, darum sind die Perseiden wohl die beliebtesten.

Wo schauen Sie sich die Sternschuppennacht an?

Ich lege mich wahrscheinlich auf meinen Balkon, da habe ich einen ganz guten Blick.Wenn es schön klar ist, überlege ich auch, rauszugehen.

Und ihr Wunsch bei der ersten Sternschnuppe?

Das darf ich ja nicht verraten!
Alles Infos zur Sternschnuppennacht 2017

Vom 17. Juli bis zum 24. August sind die Perseiden aktiv – es ist also nachts vermehrt mit Sternschnuppen zu rechnen. Den Höhepunkt erreicht der Meteorsturm in den Morgenstunden des kommenden Samstags (12. August). Dann erwarten die Astronomen bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde.

Dieses Jahr sind die Ausgangsbedingungen für Sternegucker aber schlecht: Der Mond ist sehr hell und wird schwächere Sternschnuppen vermutlich unsichtbar machen. Mit einiger Geduld und dem passenden Ort dürfte sich der Blick in den Himmel aber dennoch lohnen. Experten empfehlen wegen der Lichtverschmutzung aus den Städten rauszugehen. Am besten geeignet ist ein Hügel oder ein Berg, auf dem man einen Rundumblick hat.

Zur Person: Thomas Presper ist leitet seit gut einem Jahr das Planetarium Freiburg. Der Geowissenschaftler folgte auf den Physiker und Mathematiker Otto Wöhrbach, der das Planetarium über Jahrzehnte geleitet hat. Thomas Presper wurde 1963 in Mainz geboren, promovierte dort und arbeitete unter anderem schon beim Landesmuseum in Hannover, in den USA und im Planetarium von Ekrath bei Düsseldorf.