Sternknaben, Lichtbraut und Glögg: Das Luciafest der Skandinavisten im Peterhofkeller

Julia Mungenast

Am 13. Dezember findet in Schweden das Luciafest statt. Der Legende nach bringt die 'Lichtbraut' Lucia in der Weihnachtszeit das Licht zurück. Die Freiburger Skandinavisten haben das Fest bereits gestern Abend im Peterhofkeller gefeiert - ein gemütlicher, vorweihnachtlicher Abend:



Auf den Tischen im Peterhofkeller liegen Mandarinen, Nüsse, Tannenbaumzweige, Lametta, Kerzen und Engelkonfetti. Am Anfang ist noch alles finster. Noch brennen die Kerzen nicht, die im ganzen Raum verteilt sind. Die Besucher nehmen Platz, und es wird still. Alle schauen zum Eingang des Kellers und warten.


Noch keiner weiß, welches Mädchen heute die 'Lichtbraut' spielt - in weißem Gewand, mit einer roten Binde umgürtet und einer Kerzenkrone im Haar. Ausgelost wird sie vom Skandinavistik-Chor der Uni Freiburg, erst am Abend selbst. Jede könnte es werden - und jede würde die Rolle mit Freude annehmen.

Vom Kellereingang her ertönen die ersten Klänge des 'Lucialieds' "Natt går tunga fjät". Die jungen Frauen singen: "Då i vårt mörka hus stiger med tända ljus; Sankta Lucia, Sankta Lucia." ("Da betritt unser dunkles Haus mit brennendem Licht, Lucia, heilige Lichtbringerin, Lucia.") In weißen Gewändern mit einer Kerze in der Hand laufen die jungen Frauen den langen Gang zwischen den Tischen zur Bühne entlang und reihen sich dort hintereinander auf. Angeführt werden sie von der einen Glücklichen, die dieses Jahr die Lucia geworden ist: Mona.

Wenig später treten die Männer des Chores auf, als "stjärngossar", also Sternknaben. Sie tragen weiße Hemden und einen spitzen Papierhut mit Sternscherenschnitten. Die tiefen Männerstimmen unterstützen die hellen Stimmen der Frauen. Einige Mitglieder des Chors gehen von Tisch zu Tisch und entzünden die Kerzen. Jetzt ist der Keller hell erleuchtet, und die Wärme der Kerzen breitet sich aus.



Jedes Jahr am 13. Dezember wird so oder so ähnlich das Lichterfest begangen, vor allem in Schweden. Die Legende besagt, dass die Nacht des 13. Dezembers die längste und dunkelste des Jahres ist. Erst mit Lucia kehrt das Licht zurück. In Schweden ist das Luciafest der Beginn und der Höhepunkt der Weihnachtszeit. Aber auch in Dänemark, Finnland und Norwegen singen junge Frauen und Männer am Luciafest traditionelle Lieder.



Viele Gäste schließen die Augen und lauschen konzentriert dem Gesang. Der Chor singt mehrstimmig. Manche Lieder werden von Cello, Querflöte und Keyboard begleitet, andere singt der Chor a cappella. Auch Solisten lassen ein paar Strophen hören und erzeugen bei den Gästen spontanen Applaus. Höhepunkt ist ein isländisches Lied, das von 'der bösen Mutter' handelt. Diese schenkt ihren Kindern nur Brotkrumen zu Weihnachten. Als sie stirbt, stimmen die Kinder heitere Gesänge an. Manche Textzeilen klingen für Nicht-Isländisch-Kundige wie "Lümlümlüm" und "Pide und Kebap".

Zum großes Buffet hat jeder Gast etwas beigesteuert. Nach dem Konzert warten die Gäste darauf, endlich ans Buffet zu dürfen. Manche haben Teller, Besteck und Tassen schon bereit gestellt. Ein Fachschaftsmitglied stellt ihre Geduld auf die Probe: "Liebe Gäste, bitte warten Sie noch, bis sich unsere Sängerinnen und Sänger umgezogen haben; der Chor darf das Buffet eröffnen." Ein besonders Hungriger fällt enttäuscht auf seinen Stuhl zurück.



Die Sängerinnen und Sänger lassen sich als erstes den "glögg", eine Art Glühwein, einschenken und mischen das Getränk mit Rosinen und Mandeln. Die Auswahl an Speisen ist groß: Brötchen mit getrockneten Tomaten und Zwiebeln, Nudelsalate, Pizzaschnecken, danach laktosefreier Marmorkuchen, veganer Apfelstreuselkuchen und Tiramisu. Monas Einsatz als Lucia ist in diesem Jahr vorüber. Sie steht in Jeans und Pulli am Buffet.

Lucia, deren Rolle sie heute gespielt hat, wurde im Jahr 304 von ihrem Mann vor Gericht angezeigt. Sie hatte den christlichen Glauben angenommen und daraufhin zum Tode verurteilt. Doch sie starb nicht in den Flammen des Feuers, sondern durch einen Schwerthieb. Heute vor 1708 Jahren, am 13. Dezember 304.

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[Fotos: Martin Jost]