Stefanie Wyen: Eine Modedesignerin in Freiburg

Amelie Herberg

Im Industriegebiet im Freiburger Norden zwischen Baumärkten, Imbissbudenduft und Schrottplatz surren in einem kleinen Hinterhof Nähmaschinen. Denn die Modedesignerin Stefanie Wyen arbeitet nicht in Mailand oder Paris, sondern in ihrer Heimatstadt Freiburg. Und jongliert von hier aus als Freiberuflerin mit den unterschiedlichsten Aufträgen. Ein Ateliersbesuch:



Das Schneider-Atelier ‚Vivien Altmann‘ in der Engesserstraße empfängt seine Besucher wie in einer kleinen Oase. Draußen brettern Lieferwagen in den Hof, es wird verladen, gebaut, gebohrt. Drinnen knarzt nur der helle Holzboden beim Treten. In einem großen, lichtdurchfluteten Raum sind mehrere Tische zusammengeschoben, auf dem Fensterbrett stehen bunte, kunstvoll dekorierte Hüte - Die Gewinnerstücke eines Wettbewerbs, der vor einigen Wochen veranstaltet wurde, als Einzugsparty für die Modedesignerin Stefanie Wyen. Die gebürtige Freiburgerin ist in ihre Heimat zurückgekehrt und arbeitet von hier aus freiberuflich, als Untermieterin im Atelier von Vivien Altmann.


Von Einzug und Neuanfang ist bei Stefanie Wyen jedoch nichts mehr zu spüren, sie steckt mitten in der Arbeit. In den kommenden Wochen wird sie einige Nähkurse geben, für Kinder in den Pfingstferien oder zum Bedrucken und Gestalten eigener T-Shirts. „Es ist toll, wenn ich mein Wissen weitergeben kann. Außerdem kann man bei Kursen komplett frei und ungebunden arbeiten. Die Sachen müssen sich später nicht verkaufen lassen“, sagt sie.  Anders als beim Schweizer Ski- und Streetwearlabel ‚Eleven‘, deren Kollektionen Stefanie Wyen von Freiburg aus mitgestaltet.



Über ihrem Schreibtisch baumeln die Entwurfszeichnungen ihrer Abschlussarbeit an der Hochschule für Gestaltung in Pforzheim. 2007 war das, ihr Thema damals ‚Urbane Nomaden‘.  Mit dem Abschluss als Modedesignerin wurde Stefanie Wyen selbst zur Nomadin, arbeitete in Frankfurt für eine Designagentur oder in Zürich direkt bei ‚Eleven‘. Sie hat sich auf Sport- und Streetwear-Mode spezialisiert, entwirft keine schicken Glitzerkleidchen, sondern regenabweisende Jacken oder einfache T-Shirts mit bunten Prints.

„Für mich muss Kleidung eine Funktion haben, sie soll nicht nur ästhetisch sein“, sagt sie. Schrille Modedesigner, die von der Fashion Week träumen, alle immer noch ein bisschen ausgeflippter, das sind die anderen. Stephanie Wyen trägt ein hellblau-weiß geringeltes Shirt, eine verwaschene Jeans und nippt an ihrem Tee: „Für die großen Häuser zu arbeiten ist sehr, sehr zeitintensiv. Dafür ist mir meine Freizeit zu wichtig.“

Dazu passt die Rückkehr in ihre Heimat. Nicht so hip wie die internationalen Mode-Metropolen, stattdessen etwas zurückhaltender, gemütlicher.  Hier muss sie nicht ausgeflippt sein und gehört als Modedesignerin trotzdem zu den Exoten. Viele ganz unterschiedliche Auftraggeber kamen bisher zu ihr. Kürzlich ließ sich ein Kunde von Stefanie Wyen die Vorhänge für seine neue Wohnung aussuchen und anfertigen, für einen Musiker gestaltete sie das CD-Cover. Dazu kommen immer wieder Näh-Kurse oder Workshops zum Modezeichnen, zudem die freiberufliche Arbeit für verschiedene Labels.

„Was mir fehlt, ist allerdings der Austausch mit anderen Designern, einfach weil es hier nicht viele gibt“, sagt Stefanie Wyen.  Gerade die jüngeren Freiburger selbst seien zwar modebewusst, richtige Trendsetter mit komplett neuen Ideen gebe es jedoch „wahnsinnig wenige“. Ihre neuen Inspirationen holt sie sich daher im Netz, entweder via Skype durch Gespräche mit ihren ehemaligen Kommilitonen oder auf Blogs und in Magazinen. „Das kann das Design eines Möbelstücks sein oder etwas ganz Simples, zum Beispiel nur ein Foto von Süßigkeiten mit interessanten Farbverläufen sein. Eigentlich alles, was nichts mit Mode zu tun hat.“ Denn als Designerin muss Stefanie Wyen immer einen Schritt weiter sein, als die Mode-Fans, die auf Blogs nach den neusten Klamottentrends suchen.

„Im Sport haben wir zum Beispiel einen Vorlauf von zwei Jahren, das heißt wir entwerfen das, was erst in zwei Jahren in den Läden hängen wird“, erzählt sie. Nach der Prognose der Modedesignerin wird es dort in Zukunft mehr gedeckte Farben geben. „Im Sportbereich ist im Moment noch alles knallbunt, das wurde bis zur Spitze getrieben. Damit muss auch irgendwann wieder gebrochen werden, dann wird es mehr in die Richtung Erdtöne gehen. Ich glaube, dass auch gerade das Thema Öko immer wichtiger werden wird.“

Nicht die einzige Idee, die Stefanie Wyen gerade im Kopf rumschwirrt. An der Wand neben ihrem Schreibtisch hängen Stoffmuster, Magazinausschnitte und Fotos, als Inspiration für eine eigene Yoga-Kollektion, über die sie gerade nachdenkt. Oder vielleicht doch irgendwann mal ein eigener Klamottenladen in Freiburg? Mit dem Gedanken habe sie schon mal gespielt, sagt Stefanie Wyen. Bis jetzt gehen ihr auch in Freiburg die Ideen noch nicht aus.

Mehr dazu:


Kurse von Stefanie Wyen

Was: T-Shirt Bedrucken
Wann: Samstag, 28. Mai 2011, 13 bis 18 Uhr

Was: Modezeichnen
Wann: 27. Juni bis. 25. Juli 2011, immer montags, 18 bis 20:30 Uhr

Wo: jeweils im Atelier Vivien Altmann, Engesserstraße 6
Anmeldung: stefanie@wyendesign.de