Stefan will Rektor werden

Christian Deker

Als Stefan Jarkulisch vor einiger Zeit nachts auf der Website der Uni surfte, fand er eine interessante Stellenausschreibung. "Wir suchen zum 1. April 2008 eine Rektorin/einen Rektor." Dem 24-jährigen Studenten war sofort klar, dass er auf diese Stelle passen würde wie die Faust aufs Auge. Also hat er sich beworben – und ist bisher noch im Rennen.



Mit dem Bewerbungsschreiben schickte Stefan Jarkulisch seinen Lebenslauf, Kopien seiner Zwischenzeugnisse und ein Unterrichtsdispositionsschemas „Kurzgeschichten aus Lateinamerika“, das mit der Note eins bewertet wurde. Und das Abizeugnis durfte natürlich nicht fehlen. „Man hat eben jemanden gesucht, der wissenschaftlich qualifiziert ist – da stand aber nichts von habilitiert. Deswegen habe ich mir gedacht: Da bewerbe ich mich“, sagt er.


Dort, wo er seiner Konkurrenz unterlegen ist – bei der fehlenden akademischen Karriere – sieht Stefan seinen Vorteil: „Jemand, der aus der Studierendenschaft kommt und mit den Studenten auf Tuchfühlung ist, ist sicherlich viel beliebter als der amtierende Rektor“, sagt er. Das formulierte er in seinem Bewerbungsschreiben so: „In meiner Rolle als Student glaube ich, integrativ wirken und ein „Rektor der Herzen“ sein zu können; als vorteilhaft würden sich dabei auch sicherlich meine Innenperspektive des Studienalltags und mein enger Kontakt mit der Studierendenschaft erweisen.“



„Rektor der Herzen“ – das wäre Stefan gerne. Was würde er in diesem Amt aber verändern? Die Studiengebühren sollten den Studenten zu hundert Prozent zu Gute kommen. „Zum Beispiel durch Fahrtkostenzuschüsse oder Praktikazuschüsse, weil es ja gar nicht geht, die Studiengebühren an der eigenen Universität abzuschaffen.“ Dazu eine andere Universitätsbibliothek, denn es habe deutlich bessere Entwürfe gegeben als den, der das Rennen gemacht hat.

Außerdem müsste der Vorgarten des Wohnheims verändert werden, in dem Stefan wohnt. Den kompletten Eingangsbereich müsste man abreißen, damit der Dienstwagen vorfahren kann. „Es muss ja alles standesgemäß sein“, sagt er. „Ich wäre dann ja Beamter auf sechs Jahre, wäre privat versichert und müsste nicht mehr so lange beim Arzt warten.“

Die meisten seiner Kommilitonen haben die Bewerbung zuerst für einen Scherz gehalten. Die anderen waren begeistert. Endlich mal ein Quotenstudent beim Rennen um den Rektorposten, sagten sie.

Vom Ehrensenator der Uni hat Stefan inzwischen sogar einen Antwortbrief bekommen. „Er war sehr freundlich und hat mir geschrieben, dass meine Bewerbung eingegangen sei und dass meine Unterlagen bis Mitte Juni gesichtet würden“, sagt Stefan. Seither hat er aber nichts mehr gehört.

„Ich fände es ja schon ganz nett, wenn ich in das Auswahlgremium vorgeladen werden würde und vorsprechen müsste.“ Sollte in den nächsten Tagen tatsächlich eine Einladung kommen, ist sich Stefan trotzdem sehr unsicher, wie er reagieren würde. „Die Chancen sind ja wirklich gering“, sagt er und lacht. „Wenn sie mich einladen würden, würden sie den Spieß rumdrehen und daraus eine Show machen.“