Stefan Thönissen, 21: Der beste Jurastudent aller Zeiten in Baden-Württemberg

Frank Zimmermann

Jurastudent Stefan Thönissen hat das beste Examen gemacht, das es jemals in Baden-Württemberg gab. Ein Porträt:



Stefan Thönissen hat Sensationelles geschafft: Mit gerade mal 21 Jahren hat der Student der Universität Freiburg das beste Jura-Examen gemacht, das es jemals in Baden-Württemberg gab. "Dass es so gut werden würde, hätte ich mir nie träumen lassen", sagt er und lacht.


Die Rechtswissenschaftliche Fakultät der Uni hat bei den jüngsten Examen insgesamt außerordentlich gut abgeschnitten: 34 Prozent der Studierenden legten ein Prädikatsexamen ab. Von sechs Prüflingen mit der Ausnahmenote "sehr gut" in Baden-Württemberg kamen fünf aus Freiburg.

Keine Frage, wer ein Examen wie Stefan Thönissen ablegt, muss fleißig, ehrgeizig und intelligent sein. Ja, das Lernen falle ihm leicht, sagt der 21-Jährige: "Ich kann mich gut konzentrieren. Ich mache mir Oropax rein und lasse mich dann durch nichts ablenken." Wichtig sei systematisches Denken und Kombinieren.

Daneben gehöre aber auch eine gehörige Portion Glück dazu. Die Bandbreite der Themen, die in den sechs Examensklausuren drankommen können, ist groß; Thönissen hatte das Glück, dass genau die Bereiche drankamen, die ihm liegen – etwa Zivilprozess-, Handels- und Gesellschaftsrecht. "Ich hätte mir in jeder Klausur fast nichts Besseres vorstellen können."

Dennoch habe er sich – wie es so häufig nach Prüfungen der Fall ist – nach dem schriftlichen Examen erstmal geärgert, weil er glaubte, dass er das eine oder andere hätte noch besser machen können: "Im Endeffekt war das dann doch marginal." Rund ein Jahr lang habe er sich aufs Examen vorbereitet, allein und in der Lerngruppe – "da muss man viel und intensiv arbeiten", bis zu zehn Stunden am Tag.

Ein Vorteil in Freiburg sei, dass die Universität selbst eine Examensvorbereitung anbiete – "Freiburg ist da führend." An vielen anderen Hochschulen gibt es ausschließlich kommerzielle Anbieter von Repetitorien, während man in Freiburg wählen kann. "Da habe ich aufs richtige Pferd gesetzt."

Nicht aus einer Juristenfamilie

Geboren ist Stefan Thönissen in Tübingen, aufgewachsen im westfälischen Paderborn. Schon in der Schule zählte er zu den Überfliegern, er übersprang die sechste Klasse sowie das zweite Schulhalbjahr der zehnten und das erste der elften Klasse. "Meine Lehrer meinten, dass es keinen Sinn mache. Ich habe es nicht bereut." Er genieße es jetzt, noch jung zu sein und sich Zeit lassen zu können.

Thönissen kommt nicht aus einer Juristenfamilie, die Mutter ist Apothekerin, der Vater Professor für katholische Theologie, sein älterer Bruder, mit dem er zusammenwohnt, studiert in Freiburg Medizin und Zahnmedizin. Interessiert habe ihn am Fach Jura die Frage nach Recht und Gerechtigkeit. "Ich wollte einfach verstehen, was das ist."

An die Uni Freiburg sei er mit 17 wegen des hervorragenden Rufs der juristischen Fakultät gekommen, aber auch, weil er Stadt und Region mag; den Schwarzwald kennt er von Besuchen bei den Großeltern in Friedenweiler bei Titisee-Neustadt. Anfangs habe er das Studium zäh gefunden, doch dann habe es ihm immer mehr Spaß gemacht. "Es ist immer ein neues Puzzleteil dazugekommen."

Das Schlimmste, sagt Stefan Thönissen, sei nach dem schriftlichen Examen die Warterei auf die Ergebnisse gewesen, sehnsüchtig habe er morgens auf die Post gewartet. "Als ich sie bekommen habe, war das ein super spannender Moment." Dass er das beste Examen aller Zeiten in Baden-Württemberg gemacht hat, habe er erst auf der Examensfeier von einer Mitarbeiterin des Landesjustizprüfungsamtes erfahren.

Eine Wirtschaftskanzlei aus Frankfurt hat bereits Interesse signalisiert

Natürlich haben ihm viele Menschen zu seiner Leistung gratuliert, und als Jahrgangsbester hat er von seiner Fakultät eine Auszeichnung – den mit 1500 Euro dotierten Konrad-Hesse-Preis – erhalten. 15,66 Punkte, das ist die offizielle Punktezahl, mit der Stefan Thönissen das erste Staatsexamen abgeschlossen hat, noch drei weitere Studenten aus Freiburg hatten über 15 Punkte.

18 Punkte sind im Fach Jura die magische Maximalpunktzahl, sie ist quasi unerreichbar; alles zwischen 14 und 18 Punkten gibt die Note "sehr gut", zwischen 11,5 und 14 die Note "gut" und zwischen 9 und 11,5 "voll befriedigend". Von einem Prädikatsexamen spricht man ab neun Punkten. "Ab da kann man sich 98 Prozent aller Jobs aussuchen." Was er beruflich machen will, weiß Stefan Thönissen noch nicht: "Ich bin ohne konkreten Berufswunsch ins Studium gegangen, und ich gehe ohne aus dem Studium raus."

Vorstellen könne er sich später sowohl einen Job als Anwalt als auch im Staatsdienst – er wird es sich aussuchen können. Bis jetzt hat eine große Wirtschaftskanzlei aus Frankfurt Interesse signalisiert, bei der er mal ein Praktikum gemacht hat. Thematisch am meisten Zuhause fühle er sich im Zivilprozessrecht.

In seiner Doktorarbeit soll es um die Frage gehen, wie man Finanzprodukte, mit denen man Insolvenzrisiken absichern kann, reguliert. Später würde er gerne noch für einen Master-Abschluss ins englischsprachige Ausland gehen. "Für die Berufsaussichten, insbesondere in Kanzleien, ist das fast schon Voraussetzung." Zunächst beginnt aber ab April das zweijährige Referendariat, erste Station ist das Landgericht Freiburg.

Und was macht Stefan Thönissen, wenn er sich nicht mit Recht und Gerechtigkeit befasst? Gerne spielt er Golf und Tennis, engagiert sich im katholischen Studentenverein Brisgovia und ehrenamtlich beim Kulturbegleitdienst des Malteser Hilfsdienstes. Für den begleitet er Senioren ins Museum oder auf einen Ausflug. "Das will ich jetzt, wo das Examen rum ist, wieder mehr machen."

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[Bild: Thomas Kunz]