Stefan Strumbel entwirft Bühnenbild für die Staatsoper Stuttgart

Ralf Burgmaier

Der Street-Art-Künstler und die Bohème: Die Staatsoper Stuttgart vergibt den Auftrag für das Bühnenbild der Puccini-Oper "La Bohème" an den Offenburger Künstler Stefan Strubel.



Rund 1400 Zuschauer fasst der Zuschauerraum der Stuttgarter Staatsoper mit Parkett, den Logen und zwei weiteren Rängen darüber. Wenn sich dort im Mai 2014 der Vorhang für Andrea Moses’ Inszenierung von Puccinis Opernklassiker "La Bohème" heben wird, blicken 1400 Augenpaare auf ein Bühnenbild, das von Stefan Strumbel stammt. Dass der 34-jährige Offenburger Street-Artist den Auftrag erhalten hat, gab die Stuttgarter Staatsoper am Donnerstag bei der Vorstellung der Spielzeit 2013/2014 bekannt.


"Ich bin total happy", sagt ein hörbar euphorisierter Stefan Strumbel. Die Aussicht in einem der renommiertesten deutschen Tempel der Hochkultur seine Street-Art im Kontext eines Opernklassikers wie Puccinis "La Bohème" zeigen zu können, lässt den jungen Künstler jubeln.

Dass ihn der Weg vom illegalen Sprayen in den 90er Jahren – inklusive entsprechender Strafverfolgung – einmal ins Zentrum der Hochkultur führen würde, war bis vor wenigen Jahren nicht absehbar. Doch spätestens als die vergangenen Februar verstorbene Offenburger Künstlerin Jutta Spinner begann, Stefan Strumbel zu fördern, 2006 eine Einzelausstellung im Kunstverein anschob, Kontakte herstellte und Türen öffnete, ging es mit der Karriere des Offenburger Künstlers steil bergauf.

Dass Strumbel nie eine Kunstakademie von innen gesehen hat, stand dem keineswegs im Weg. Sein Instinkt für funktionierende Bilder und sein ironisch, poprockig, kritisch bis affirmativ interpretiertes Heimatthema treiben dem Künstler die von der Globalisierung desorientierten Sammler und Auftraggeber in Scharen zu. Der Kirchturm rückt unter diesen veränderten Vorzeichen wieder in den Fokus künstlerischer Auseinandersetzung. Und das ist sogar wörtlich zu verstehen: 2011 malte Strumbel in Kehl-Goldscheuer die katholische Kirche aus und schuf so die erste Graffiti-Kirche Deutschlands. 2012 schuf er für das Karlsruher Schloss das festlich-freche Entree der Ausstellung "900 Jahre Baden", und in diesem Frühjahr hatte Strumbel seinen großen Auftritt in der Eingangshalle der Kunstmesse Art Karlsruhe, wo er monumentale, religiös aufgeladene Heimatchiffren unter die Hallendecke hängte.

Strumbel plant ein dreidimensionales Bühnenbild

Und jetzt die Oper. "Die Stuttgarter sind auf mich zugekommen", erzählt der frisch gebackene Bühnenkünstler von der Kontaktaufnahme erfreut. Die Aussicht mit Andrea Moses, der 1972 in Dresden geborenen Chef-Regisseurin des Hauses, und dem gigantischen technischen Apparat der Opernwerkstätten zusammenzuarbeiten, begeistert den Künstler, der auch schon zu Zeiten, als noch der Straßenraum seine Aktionsbühne war, einen Hang zur Größe zeigte. Er wird mit Anna Eiermann zusammenarbeiten, die für die Kostüme verantwortlich zeichnet. Die musikalische Leitung dieser Bohème-Produktion liegt beim neuen Stuttgarter Konzertmeister Simon Hewett.

In seinem Skizzenbuch hat Stefan Strumbel bereits Ideen festgehalten. Es wird keine zweidimensionale Arbeit werden, versichert er: "Das wird alles in 3 D gearbeitet sein. Derzeit müssen einige Ideen von der Statik nachgerechnet werden." Ein aufregendes Jahr liegt vor dem Offenburger Künstler. "Der Auftrag ist ein Traum", sagt er.

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[Foto: Privat]