Stefan Klein: Keine Zeit für Nachhaltigkeit

Frank Blum

Das Thema Zeit und die Frage, wie wir ihrer Herr werden, beschert Managementseminarleitern und Lebensratgebern volle Geldbeutel. Die Beschleunigung unserer Lebenswirklichkeit macht vielen Menschen zu schaffen, sorgt mitunter sogar für Depressionen. Am Freitagabend las der Wissenschaftsjournalist Stefan Klein im Kaufhaussaal aus seinem Bestseller "Zeit - Der Stoff aus dem das Leben ist". Klein selbst nahm sich für die Veranstaltung verhältnismäßig wenig Zeit.



Die Lesung stand im Kontext einer Reihe mit dem voluminösen Namen „Nachhaltigkeit als Lebenskunst“. Darin organisieren die Stadt Freiburg und die christlichen Landeskirchen Vorträge, Gespräche und Aktionen wie einen Friedhofsbesuch und eine Baumpflanzung. Der erste Zyklus in diesem Jahr nähert sich dem Thema Zeit.


Stefan Klein las die Auszüge aus seinem Buch ein wenig holprig und unkonzentriert, wofür er sich höflich entschuldigte. Kurz zusammengefasst will uns das Buch darüber aufklären, was Zeit bedeutet und welche Strategie es uns ermöglicht, die wenigen, kurzen Glücksmomente genussvoll auszukosten. Kleins Fazit fällt dementsprechend schlicht aus: Take it easy.

Konzentriere dich auf das Hier und Jetzt und setze deine Prioritäten bedacht, hör auf deine innere Uhr, schalte hin und wieder mal ab und mach unbedingt, was deine Vorlieben dir sagen.

Noch mehr Gemeinplätze waren in einer halben Stunde schwer unterzubringen. Zum Thema Nachhaltigkeit bemerkte Klein eingangs beiläufig, wie schön und wohl gewählt er den Titel der Veranstaltungsreihe doch finde. Aber: Versteht Klein, warum er zu dieser Veranstaltung eingeladen ist? Für weitere Fragen aus dem Publikum gab es dann auch leider keine Zeit, da Herr Klein den nächsten Hochgeschwindigkeitszug erwischen musste.

Wo ist der Bezug zur Nachhaltigkeit? Ein Prinzip, das seinen Ursprung in den 1970er Jahren hat und heute die Freiburger Stadtverwaltung dazu bewegt, Impulse wie diese Veranstaltungen zu geben; ein Prinzip auch, das wie jüngst den Gewinn des Friedensnobelpreises begründet.



Wie können wir mit einer Lebensweise, die hauptsächlich auf die Maximierung des jetzigen eigenen Lebensglücks bedacht ist, Rücksicht auf die nächsten vier Generationen nehmen? Wer wie Klein zu ignorieren scheint, dass sich im Gedanken der Nachhaltigkeit auch der Wille äußert, verantwortungsbewusst in die Zukunft zu blicken, um durch überlegtes Handeln unseren Nachkommen den Respekt zu zollen, den sie verdienen, ist in dieser Debatte wohl eher fehl am Platz. Vielleicht ergeben sich die gewünschten Einsichten bei der nächsten Veranstaltung.