Staubtrockene Westernromantik: Am Freitag erscheint das Debütalbum von Neo Rodeo

Alexander Ochs

Am Freitag erscheint "Mein junges und sorgloses Herz", das Debütalbum der Freiburger Band Neo Rodeo, auf dem renommierten Hamburger Indie-Label Tapete Records. Wie das passiert ist und was bei der Band gerade so läuft:


Was gerade so läuft? Lassen wir erst mal die Platte des Freiburger Quintetts Neo Rodeo laufen. Das erste Stück auf der CD „Mein junges und sorgloses Herz“ ist ein klassischer Opener: Es heißt „(Hallo, hallo) Ich bin wieder da“ und markiert klar den Anfang. Hallo, aufgewacht, Morgen. Der erste Snare-Schlag, ein richtig satter, geht auf das Konto von Bob Dylan in „Like A Rolling Stone“.


„Dieser Rock'n'Roll ist nun mal ein Teil von mir“, gibt die Band hier als Statement aus, durchaus passend. Und Sänger Hannes krächzt und ächzt, rotzt und kratzt, kreischt und singt einfach großartig zu den gekonnt arrangierten Westernklischees – vom Lonesome Cowboy, der sich überlegt, eine Familie zu gründen, bis zum „Milchmann“, der kein Kätzchen mehr kraulen will und die Beziehung beendet.

Im geheimen Hauptquartier von Neo Rodeo haben wir uns zum Plausch verabredet: in der „Brennessel“ im Stühlinger. Sänger und Rhythmusgitarrist Hannes wohnt gleich nebenan, das  aktuelles Video „Mein junges und sorgloses Herz“ wurde unter anderem hier in der Küche gedreht. Auch ein paar der Brennessel-Beschäftigten tauchen im Video der Freiburger Combo auf.

Neo Rodeo, das sind Johannes Winter (Gesang und Gitarre), Mathias ‚Mädsen‘ Greule (Gitarre), Simon ‚Simi‘ Martin (Bass) und Jeremy ‚James’ Dhôme (Drums und Percussion). Das einzige weibliche Bandmitglied Lena Smejkal, zuständig für Backing Vocals und Percussions, muss krankheitsbedingt passen. Mannerbündelei beim T-Bone-Steak also.

Angefangen hatten Neo Rodeo 2009 als kleines Sommerprojekt. Zusammen mit Mathias, nun Leadgitarrist, hat er ein bisschen Musik gemacht mit dem erklärten Ziel, „Kings of Leon auf Deutsch zu machen“, so Hannes. Irgendwann spielte Mathias’ Mitbewohner Simon, nachdem er die Mucke immer wieder gehört hatte, den Bass dazu ein. Dabei war das Sommerprojekt eher als Spielerei angelegt, denn als Live-Band. Parole: "Na, komm, lass’ ma’ machen." Die Freiburger Neuzeit-Cowboys trafen sich zum Proben, absolvierten ein paar Gigs und spielten 2010 tatsächlich eine EP mit sechs Songs ein.

Über ein Punkrock-Nebenprojekt kam der Kontakt zu Drummer Jeremy Dhôme, Spitzname James, zustande. Die zweite EP mit neun Stücken erabeiteten die vier daraufhin als ‚richtige Band’; das war rund ein halbes Jahr Arbeit für alle. Denn es sollte weitergehen, vorangehen, fand vor allem James: Er hatte 2012 für die Band das Jahr des Tigers ausgerufen und gesagt: „Ich hab ein gutes Gefühl. Da geht was.“ Erklärtes Ziel der Aufnahmen diesmal: labeltauglich sein. Und genau so kam es.



Erst räumt die Indie-, Rock- und Country-Combo beim Freiburger Wettbewerb Rampe ’12 ab, anschließend ist eine gute CD im Kasten. Danach geht es Schlag auf Schlag, ein Stein bringt, ganz Dylan-like, den anderen ins Rollen.

Hannes meldet die Band außerdem beim John-Lennon-Talent-Award in Hamburg an. Der dortige musikalische Leiter Ulf Krüger ist ein Freund von Gunther Buskies von Tapete Records und gibt die Platte weiter. Buskies ist sofort Feuer und Flamme und möchte Neo Rodeo bei Tapete unter Vertrag nehmen. Bei einem Treffen in Hamburg wird der Deal eingetütet. Man vereinbart, die bisher vorliegenden Songs und einige danach entstandene Lieder neu aufzunehmen.

Gesagt, getan: Das Label ermöglicht den Musikern eine Aufnahme mit Old-School-Equipment im Studio Le Châtelet in Hamburg, wo auch Die Sterne und Superpunk Mix beziehungsweise Aufnahmen machen lassen. Der Klang der Band wird dort mit einer schön alten 24-Spur-Bandmaschine aus den 80ern aufgenommen: analog, authentisch, mit Tiefe und Raum. Zehn Aufnahmetage waren anberaumt, von denen Neo Rodeo am Ende nur neun benötigen, dafür geht das Abmischen etwas länger.

„Das ist eine coole Arbeitsweise gewesen“, sagt Mathias über das Arbeiten mit der Bandmaschine. Dabei muss man jedes Mal neu entscheiden: Lassen wir das so oder gehen wir noch mal ran, spielen wir den Part noch mal ein? Und wenn ja, dann muss es diesmal zwingend besser werden, denn die alte Version wird zwangsweise durch die neue ersetzt. Ihr Mischer, Gregor Hennig, war ganz entspannt. Ganz getreu einem Aufkleber, der im Studio klebt: Ich würd’s so lassen.

Band und Label passen gut zusammen. Tapete war es wichtig, dass die Band eine Vision vom eigenen Schaffen, vom eigenen Stil hat und autonom arbeitet - schließlich hatten die Musiker in Eigenregie bereits zwei Veröffentlichungen hingekriegt. Und sp verändert die Band nur wenig an den Songs, macht den Beat mal ruhiger, mal wilder.

Vor wenigen Tagen kamen die frisch gepressten Platten und CDs bei Hannes an. Sofort schickt eine Rundmail an alle Bandmitglieder. „Ich bin in fünf Minuten da!“, antwortet James elektrifiziert. Und was ist nun auf dem (Tapete-)Debütalbum drauf? „Das Beste aus zwei EPs plus einige neue Songs“ – das ist die einfache Release-Formel für ihr erstes „richtiges“ Album. Staubtrockene Westernromantik, gediegen geerdeter Countryblues und bluesgetränkter Roadmovie-Rockn’Roll. Aufbruchsstimmung auch im Abriss, nach dem Abbruch. „Alles liegt in Trümmern, und man kann da mit etwas Rock’n’Roll-Attitüde durchspazieren“, gibt Hannes als Motto aus. Ein musikalischer Spaziergang, der sich lohnt.

Dabei wirken die vier Jungs herrlich entspannt und geerdet. Kein Wunder, haben sie doch ihr selbstgestecktes Ziel schon längst übererfüllt: eine professionelle Aufnahme mit alter Bandmaschine ermöglicht zu bekommen. Alles, was jetzt kommt, ist da eigentlich schon Bonusrunde. „Im Radio würde ich uns gern mal hören“, gibt James als Marschroute aus. Mit ihren eingängigen Melodien ist das gar nicht mal abwegig. Im Herbst gehen die Freiburger dann zum ersten Mal selbst auf Tour. Wenn dieser Selbstläufer weiter so voranschreitet, dürften die kleinen Clubs und Keller, in denen Neo Rodeo derzeit auftreten, bald aus allen Nähten platzen. So wie eine prall gefüllte Satteltasche.

Freiburg liegt im Südwestern. Yeehaw!

Neo Rodeo - Mein junges und sorgloses Herz (Offizielles Video)



Quelle: YouTube


Neo Rodeo "The Seilbahn Session" Februar 2013



Quelle: YouTube


Das Debütalbum von Neo Rodeo „Mein junges und sorgloses Herz“ erscheint am Freitag, den 26. April 2013 bei Tapete Records. Bevor sie am 24. Mai 2013 im Great Räng Teng Teng den CD-Release feiern, treten Neo Rodeo am 3. Mai 2013 beim Ahoii!-Festival in Schmitz Katze auf.



Mehr dazu:

 

Termine

Was: Neo Rodeo beim Ahoii!-Festival (mit Vimes und Steaming Satellites)
Wann: Freitag, 3. Mai 2013, 20 Uhr
Wo: Schmitz Katze
Eintritt: 14 Euro (Vorverkauf + Gebühren) 17 Euro (Abendkasse)
Facebook-Event: Ahoii!-Festival 2013

Was: Neo Rodeo CD-Release-Party
Wann: 24. Mai 2013
Wo: The Great Räng Teng Teng   [Fotos: Promo]