Startup-Verlag aus Freiburg will Bücher mit Crowdfunding finanzieren

Hannah Kappis

Der frisch gegründete Kladde-Verlag aus Freiburg will Bücher durch Crowdfunding finanzieren. Noch zehn Tage haben Interessierte Zeit, das erste Buchprojekt – ein Kinderbuch der Hamburger Autorin Petra Steckelmann - zu unterstützen. Warum die Macher glauben, dass ihr Verlagskonzept den Buchmarkt bereichern wird:



Es ist eine phantasievoll-nostalgische Kindergeschichte aus der Zeit, in der die Straßenlaternen abends noch von Nachtwächtern angezündet wurden, illustriert mit schwarzen Tuschezeichnungen – das Kinderbuch "Flämmchen" der Hamburger Autorin Patrice Talleur alias Petra Steckelmann. Doch das Buch gibt es noch nicht – zumindest nicht gedruckt.


Text und Bilder sind fertig, Textauszüge und einzelne Illustrationen kann man bereits im Internet begutachten. Genau dort kann man auch mitbestimmen, ob "Flämmchen" jemals gedruckt wird. "Flämmmchen" ist das erste Buchprojekt des im vergangenen August gegründeten Kladde Buchverlags aus Freiburg.

Unter dem Motto "Es reicht nicht mehr, einfach nur Bücher zu machen" möchte der  Jung-Verlag Bücher veröffentlichen, die nicht vom Verlag selbst, sondern von den Leserinnen und Lesern, eines Buches vorfinanziert werden. "So hat jeder Funder den Mehrwert, dass er selbst Teil der Publikation ist, die er mit seiner Unterstützung möglich gemacht hat", sagt Géraldine Al-Nemri (Bild rechts), eine der Gründerinnen von Kladde.

Abgewickelt werden die Kladde-Projekte über das Crowdfunding-Portal Startnext, wo Einzelpersonen, Unternehmen oder Institutionen ein laufendendes Buchprojekt mit unterschiedlichen Beträgen unterstützen können. Für "Flämmchen" hat der Verlag als Zielsumme 5000 Euro angesetzt, bisher haben 25 Unterstützerinnen und Unterstützer 1.209 Euro für das Buch ausgelobt. Wird die Zielsumme innerhalb einer bestimmten Zeit erreicht, kann der Kladde Buchverlag das Buch produzieren, ansonsten erhalten die Funder ihren Einsatz zurück.

Als Unterstützer von "Flämmchen" erhält man für 15 Euro eine Printversion des fertigen Buchs, für 100 Euro wird das Buch zusätzlich von der Autorin signiert und mit einer persönlichen Widmung versehen. Wer 1000 Euro gibt, wird zum Mäzen des Werkes -  das Buch wird dem Geldgeber zugeeignet.

Crowdfunding ist eine Erfolgsgeschichte: Mit dieser Finanzierungsmethode sind in Deutschland und auf der ganzen Welt schon Filme, Veranstaltungen, innovative Produkte und Unternehmensgründungen finanziert worden. "Viele Kleinverlage haben tolle, innovative Ideen, können sich aber wegen mangelnder Ressourcen trotzdem nicht auf dem Markt behaupten", sagt Géraldine.

Wozu dann noch ein Verlag? Schriftsteller können schließlich ihre Werke auch selbst versuchen, ihre Bücher über Startnext zu publizieren. Self-Publishing hat nach Ansicht der Kladde-Macher einen entscheidenden Nachteil: "Wir finden, ein Autor oder eine Autorin soll sich auf das konzentrieren dürfen, was sein oder ihr Handwerk ist", sagt Géraldine. Wenn ein Autor zu seinem eigenen Lektor, Verleger und Marketingmanager werde, träte das Schreiben zu sehr in den Hintergrund.

der spontane pitch - flämmchen

Quelle: YouTube


Das Verlags-Team ist ziemlich desillusioniert vom aktuellen Buchmarkt. Die Qualität von Literatur würde zu oft an Verkaufszahlen gemessen, das sei weder zeitgemäß noch dauerhaft erfolgreich. Für den eigenen Verlag dagegen sollen Absatz und kommerzieller Erfolg nicht allbestimmend sein. Die Verlagsgründer stammen aus den verschiedensten Bereichen, viele befinden sich derzeit noch im Studium oder haben es gerade erst abgeschlossen. Ihre Motivation: "Uns vereint natürlich die Lust an der Literatur und das Ziel, gemeinsam Bücher zu machen."

Das Feedback potentieller Autorinnen und Autoren auf den jungen Verlag aus Freiburg sei bisher gut. Nicht nur unveröffentliche Schriftsteller, sondern auch erfahrene Autorinnen und Autoren hätten bereits Manuskripte eingereicht. Als Grund dafür nennt Géraldine zum einen die Neugier auf diese neue Art von Verlag, zum anderen aber auch die Enttäuschung über etablierte Verlage. "Ich glaube fast, viele haben nur auf so etwas wie uns gewartet."

Vier Buchprojekte werden derzeit vorbereitet, darunter ein historischer Roman über Oscar Wilde und Kurzgeschichten einer Berliner Autorin. "Natürlich sind wir auch sehr an Autorinnen und Autoren aus der Freiburger Region interessiert", sagt Géraldine. "Wir freuen uns beispielsweise schon auf die Zusammenarbeit mit Sissi Pohle, die wir bei der Entwicklung eines Manuskripts betreuen und begleiten dürfen."

Auch bei Produktion und Vertrieb möchte Kladde auf die Region setzen. Die Bücher sollen von den Freiburger Graphischen Betrieben gedruckt werden und in unabhängigen, inhabergeführten Buchhandlungen zum Verkauf stehen. Alle Bücher erhalten eine ISBN und werden im Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) gelistet.
Patrice Talleurs "Flämmchen" kann noch bis zum 31. Januar 2014 unterstützt werden. Noch fehlen 3.791 Euro.



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  [Bilder: Kladde Buchverlag]